Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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306 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Fünfzehnter Brief. Bihar, 4. Oct. 1865. Setzen wir unsere „Entlastungsarbeit" auch» heute fort. Sie erhalten heute keine lange Epistel; ich will mich möglichst kurz fassen. Also zur Sache! tlR Ir. „Die Juden sind dem größten Theil nach Kleinhändler, Schacherer, Wucherer und nähren sich von der Uebervortheilung anderer. Schwere Arbeiten und Professionen, die eine physische Kraft erheischen, vermeiden sie sorgfältig." Die Juden sind Kleinhändler und Schacherer, weil ihnen jegliche ehrenwerthe Beschäftigung durch Engherzigkeit und Brotneid erschwert wurde. Wucherer sind nicht blos Juden, sondern in demselben Maße auch Christen, so ihnen hierzu die nöthigen Mittel zur Verfügung stehen. Die Scheu vor schweren Arbeiten und Professionen ist eine Folge des bisherigen beengenden Zunftwesens, das die Juden von der Wahl irdendeiner Profession zurückschreckte. Jetzt ist den Juden die Lust zur Ergreifung einer schweren Profession zum Theil wirklich abhanden gekommen. Der „Macht der Gewohnheit" kann nnr allmählich entgegengearbeitet werden. Die ^Vereine zur Förderung des Ackerbaues und der schweren Handwerke unter den vater- . ländischen Israeliten" in Pesth, Arad, Debreczin und sonstigen Gemeinden entfalten nach dieser Richtung hin eine segensreiche Thätigkeit. H.ä 1. „Die Juden werfen sich auf sämmtliche Gebiete des menschlichen Strebens und Ringens: Handel, Industrie und Oekonomie — fast alles ist bereits in ihre Hände übergegangen." Hier durchklingt wieder die Furcht vor der geistigen Ueberlegenheit der Juden: eine neue Aufforderung zur Anwendung des „Ostracismus"! ^,ä w. „Die Juden bilden keine einheitliche religiöse Körperschaft." Auch die Christen bilden keine solche. Der Unterschied besteht blos darin, daß, während die Spaltung im Schose der Kirche eine vollendete Thatfache ist, die in der Synagoge auftauchenden Divergenzen kaum geeignet sind, eine förmliche Trennung in derselben je hervorzurufen und zu bewirken. ^.ck u. „Die Juden bilden auf dem ganzen Erdenrund ein festes Band, das sie alle umschließt und vereinigt. Die Folgen eines unter den Angehörigen verschiedener, mitunter einander feindlicher Staaten bestehenden Verbandes lassen sich nach all ihren Eventualitäten nicht leicht übersehen." In dieser Anklage liegt allerdings etwas, das wichtig genug ist, die Aufmerksamkeit der respectiven Staaten, in denen solche bestehen, auf sich zu lenken. Allein wer gab denn die Veranlassung zu einer solch angeblichen Association der Judenheit aller Länder? Der Druck, unter dem selbe in vielen Staaten Europas noch immer schmachten, drängte sie zu diesem „Schutz- und Trutzbündniß". Es hängt einzig und allein von den Staatsgesetzen ab, durch eine den Juden zu gewährende vollständige Gleichstellung mit den übrigen Bürgern diesen Vereinen den Boden ihrer Thätigkeit vollends zu entziehen. ä,ä o. „Die Juden geben durch ihre eigenthümlichen Gewohnheiten und Manieren selbst Anlaß zu den Neckereien und Chicanen, die ihnen von seiten der christlichen Bevölkerung zugefügt werden." Gewohnheiten und Manieren sind in der Regel die Einwirkungen der nächsten Umgebung. Wie sollten die Juden anständigere, feinere Manieren annehmen, wenn selbe aus der feinern Gesellschaft noch immer ausgeschlossen sind? Lck „Die Juden bekunden einen unwiderstehlichen Hang nach grenzenlosem Luxus, nach der jeweiligen Tagesmode, wodurch selbe den Neid und die Misgunst ihrer Mitbürger wachrufen." Warum ließ man die Juden so oft fühlen, daß auf ihren innern Werth kein Gewicht gelegt werde? Es ist sonach sehr natürlich, daß selbe durch äußern Flitter einigermaßen sich zu revanchiren suchen. LK g. „Die Juden haben keinen Sinn für das Erblühen der vaterländischen Literatur und Kunst." Diese Behauptung ist zum Theil blos eine gegründete. Viele Juden haben sich bereits auf dem Gebiet der heimatlichen Li-