Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 305 (sequence 65)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417817--825-2418668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Judenfrage in Ungarn. 305 Warum beugt die hohe Geburtsaristokratie so häufig das Knie vor der verdienstlosen Geldaristokratie? Freilich pochen die reichen Juden zu sehr auf ihr Geld, allein das ist durch den Umstand zu entschuldigen, daß keins ihrer Verdienste von seiten der Christen Anerkennung findet als eben nur ihr — Reichthum. Das Geld ist der Zauberschlüssel, der deu Juden die Thüren der Großen öffnet. Würde der Satz zur Geltung gelangen: „Dein Verdienste auch eines Juden seine Krone!" eine Geldaristokratie in der üblichen Bedeutung des Worts würde bald nicht mehr existiren. ^cl A. „Die Juden haben sich in der Emancipationsfrage nicht als Petenten, sondern als Stürmer benommen, indem sie diese als alte Schuld betrachten, die die Nation unbedingt Zu begleichen habe." Das ist richtig; die Juden sind mithin nichts weniger als servil. Gratuliren wir dem Vaterlande zu solchen Bürgern, die selbst während so überaus langer Knechtschaft das Bewußtsein ihrer Menschenrechte sich zu bewahren gewußt. Solche Bürger werden ihre Freiheit, die Freiheit des Landes zu vertheidigen wissen. M li. „Die Juden wünschen die Emancipation nicht; sie petitioniren zu einer Zeit mit vielem Nachdruck um die Belassring in ihrer bisherigen niedrigen Stellung." Dies ist leider — Thatsache. Allein diese traurige Erscheinung ist es eben, die eine sofortige Emancipirung derselben zur unabweisbaren Pflicht uns macht. So lange haben wir den Juden alle und jede Freiheit entzogen, bis ein Th eil derselben, gänzlich entmenscht, mit emporgestreckten Händen zu uns fleht um die Belastung seiner — Fesseln. Für diese tiefe geistige Versunkenheit eines Theiles der Menschheit sind jene verantwortlich, die diese durch beispiellose Engherzigkeit und Gewissenlosigkeit verursacht. Daß in unserm Vaterlande noch heutzutage Gesetze zu Recht bestehen, unter denen Menschen verthiert werden können, ist eine Schmach, Hilberg's Jlluftrirte Monatshefte. H. 4. — Januar 18k die von demselben abzuwälzen gewiß als die heiligste Aufgabe jedes Patrioten bezeichnet werden muß. Lä i. „Die Juden huldigen dem Geiste des starren Separatismus. Schon ihre «Speisegesetze» behindern sie, mit den Anhängern und Bekennern anderer Culte in nähere, vertrauliche Berührung zu treten." Die gewissenhafte Befolgung aller religiösen Vorschriften mit Inbegriff der „Speisegesetze" zeugt für den tiefreligiösen Sinn der Juden, die den größten Entbehrungen sich unterziehen, um nur ihren Glaubenssatzungen treulich Nachkommen zu können. Die Anklage, als verschmähe es der Jude, mit dem Christen aus „Einer Schüssel" zu essen, ist sonach eine vollends ungegründete. Aus seiner „eigenen Schüssel" ißt der Jude gern mit dem Christen, aus der des letzter» jedoch zu essen — ist demselben religionsgesetzlich untersagt. Sollte dies einen Separatismus involviren? -Vä j. „Die Juden haben kein festes Nationalbewußtsein; in Frankreich wollen sieFranzosen, in England Engländer, in Deutschland Deutsche, in Oesterreich Oesterreicher und in Ungarn Ungarn sein." Es ist eine ebenso unleugbare als erfreuliche Thatsache, daß die Juden als solche kein Nationalbewußtsein haben, und dies aus dem Grunde, weil selbe seit lange her keine selbständige Nation mehr bilden, noch eine solche überhaupt bilden wollen. Die Juden repräsentiren keine Nation, sondern eine Glaubensgenossenschaft. Sie sind nützliche Mitglieder jener Nationen, die ihnen ein Vaterland gegeben. Aus dieser Anklage resultirt blos, daß jede Nation durch die Emancipirung der Juden einen wesentlichen nationalen Zuwachs, eine bedeutende Verstärkung erhält. Ich hoffe, Sie sind mir bis hierher bereitwillig gefolgt. Jeder gesinnungstüchtige Mann wird die Verteidigung gekränkter Menschenrechte gewiß mit einigem Interesse anhören. Doch ich will Ihre Geduld diesmal nicht länger auf die Probe setzen. Das Uebrige nächstens. Ich habe die Ehre . . .;. 20

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.