Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. sich zu bewegen, und das alles verklärende Licht der Zeitcultur wird auch auf sie wohlthätig tzinwirken ohne Rücksicht darauf, daß diese Unglücklichen eben nur — Juden sind. ^ä b. „Die Juden, deren vorzügliche geistige Regsamkeit, vereint mit unermüdlicher Willens- und Thatkraft, nicht in Abrede zu stellen, würden bei sofortiger Emancipation ihren Einfluß auf die social-politische Gestaltung unserer Heimat in nur allzu tiefeinschneidender Weise zur Geltung bringen." — Ein überaus ehrenvoller Angriff das! Bei den alten Griechen trat häufig der Fall ein, daß die größten, hervorragendsteil Staatsmänner lind Feldherren blos ihrer allgemeinen Popularität und Geistcsüberlegenheit wegen mittels des sogenannten Ostracismus aus dem Lande verbannt wurden, damit sie ihre Gewalt nicht misbrauchten. Hieße dies nicht, die „Ausnahmsstellung" der Juden als eine „Ehrenstellung" bezeichnen? Nein, so weit dürfen wir uns, dürfen wir unsere Fähigkeiten nicht unterschätzen. Eine Drittel-Million gedrückter, geknechteter Juden werden doch 14 Millionen freier Christel: nicht in dem Maße geistig überragen, daß sie deren Einfluß auf die social-politischen Verhältnisse des eigenen Landes so gründlich paralysiren könnten. Zuviel, gar zuviel Bescheidenheit! Hä c. „Die Juden erfreuen sich der Sympathie der Landesbevölkerung noch nicht in dem Grade, daß letztere dieGleichstellung der ersten: so leichthin billigen sollten." Gehört auch dieser Vorwurf in das Sündenregister der Juden? Warum hat man denn durch engherzige Gesetze die christliche Bevölkerung von jeher daran gewöhnt, die Juden als untergeordnete, unfreie Geschöpfe zu betrachten? Fassen wir diese Anklage richtig auf, so müßte diese lauten: die Juden können nicht emancipirt werden, da die christliche Bevölkerung hierzu noch nicht — reif ist. Dieser Angriff bedarf keiner Erwiderung. M ä. „Die Juden besitzen die Gewandtheit, auf das Gemüth ihrer Umgebung ii: unwiderstehlicher Weise einzuwirken; ein Umstand, den selbe, von ihrer nieder»: Stellung plötzlich emporgehoben, zum Nachtheil des Landes in mannichfacher Art misbrauchen könnten." Abermals ein griechisches Scherbengericht! tick 6. „Die Juden sind serviler, knechtischer Natur, die jeglichen Ehrgefühls entbehren, weshalb selbe für einen zweckmäßige«: Gebrauch ihrer etwaigen Gleichstellung keine genügende Garantie bieten." In: Jahre 1862 hat der sonst höchst liberale und emancipationsfreundliche Herr August v. Trefort ii: deinem akademischen Vortrag unter andern Ausfällen gegen die Juden auch dei: Mangel an „Ehrgefühl" bei denselben nachdrücklichst hervorgehoben. Daß unter der Judenschaft des ganzen Landes, namentlich aber Pesths, hierüber eine unverhohlene, heftige Entrüstung sich kundgegeben, die Herrn v. Trefort zur Zurücknahme seiner Aeußeruug veranlaßte, ist sattsam bekannt. Der gelehrte und geistreiche Oberrabbiner Löw in Szegedin, der den Angriffen Trefort's eine Erwiderung widmete, die vermöge ihrer trefflichen Fassung und des in derselben herrschenden Freimuths zu jener Zeit wahrhaft epochemachend gewesen, weist die Anklage betreffs des Mangels an „Ehrgefühl" bei den Juden mit der allgemeinen Indignation zurück, die diese Aeußerung in allen Schichte«: der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen. Diese Thatsache enthebt auch uns der Mühe einer weitern Erwiderung. Wir fügen nur noch hinzu, daß, wenn diese Behauptung gleich eine richtige wäre, sie dennoch keine Anklage gegen die Juden begründet. Das „Ehrgefühl" gedeiht am vorzüglichsten auf dem Boden der „Freiheit". Von einem geknechteten Stamm dürfte man diese mit Recht gar nicht beanspruchen. Die Schuld fällt sohin nicht auf die Eingekerkerten, sondern auf die Kerkermeister. ^.ä k. „Die Juden sind keck, arrogant. Die jüdische Geldaristokratie strebt nach Ebenbürtigkeit mit der Geburtsaristokratie." Möglich. Allein warum vindicirt «nandenn inder Gesellschaft demGelde eine gar so große Wichtigkeit?