Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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296 Jllustr. Monatsh. für die ges. haglich nützutheilen wissen. Ji: Bezug auf den letztem Punkt scheint nun der neue Herausgeber mff der lustigen Person weniger einverstanden zu sein, denn er hat redlich alles gethan, um den ohnehin engen Kreis, für welchen das Jahrbuch seiner Natur nach berechnet ist, noch mehr zu verengen, und wie will er ihn erschüttern? Nicht die „Eröffnung" ist es, mit welcher Herr S. Szäntö diesen Fehler begeht, denn die ist eine Vorrede, die man nicht zu lesen braucht; im Gegentheil müssen wir seiner Feder das Zeugniß geben, daß sie ihrer Aufgabe vollständig gewachsen ist. Bezüglich des Inhaltes bietet diese Vorrede eine breitgeschlagcne Autobiographie des Jahrbuchs einem Publikum, das in seiner überwiegenden Mehrheit sich durchaus nicht für solche Coulissengeschichten interessirt. Auch pflegen sich die Leser mit der einfachen Mittheilung einer Thatsache zu begnügen, es bedurfte durchaus nicht wiederholter Versicherung Paß Herr Wertheimer die „Herausgebung" (dieser classische Ausdruck steht S. XVI) blos in immaterieller Absicht besorgte. Die „Nekrologie" ist in ihrer Art eine beachtenswerthe Curiosität; Herr Szäntö, der, wie wir andern Orts 2. Bd., 1. Heft) constatirten, außer seiner herrlichen „Neuzeit" keine Zeitschrift liest, kann nur 14 Todesfälle im verflossenen Jahre aufzähleu, die für einen „Nachruf" Anlaß bieten. Dafür sind vier darunter, deren Hauptverdienst es war, Landsleute des Herrn Szäntö zu sein, deren Asche und Seelen sich daher auch salbungsvollster Wünsche Seitens dieses Herrn zu erfreuen haben. Minder wol befindet sich dabei der unsterbliche Geist Ferdinand Lasialle's*); Herr Szäntö kann ihm zunächst zwei Dinge nicht verzeihen; erstens, daß er Jude war und „sich als solcher vor Gericht bekannte", und zweitens, daß sein Tod „viel von sich reden machte". Wären nämlich diese beiden Ursachen nicht vorhanden, so hätte Herr Szäntö blos 13 Todte, und dann müßte vielleicht einer davon dem bösen Fatum dieser *) Im Jahrbuch heißt es „Ferdinands Lassalle". Interessen des Judenthums. Unglückszahl zufolge in dieses irdische Jammerthal zurückkehren. Aber Herr Szäntö läßt sich von diesem Ferdinand Lassalle (der ihm und „in jenen Kreisen, wo er sich bewegt", fremd gewesen zu sein scheint) die Zahl 13 nicht vernichten; schnell entschlossen legt er die Nekrologe der seligen Herren Abraham Freier in Raab und Ignaz Stern in Szegedin unter Nr. 12 in eine Gruft. An dem verstorbenen Major Prusker in Prag scheint Herrn Szäntö zunächst der Name misfallen zu haben — er heißt bei ihm „Brüsker". — Es ist eben zweierlei, Schriftsteller und Nedacteur sein; es ist zweierlei sich selbst und andere verantworten; Herr Szäntö hat (mit geringen Ausnahmen:) in der Wahl der Beiträge eine Nachsicht an den Tag gelegt, die wir uns nur durch den Drang der Umstände erklären können. Es muß ihm bei dem Antritt des Unternehmens geradezu nichts anderes zu Gebote gestanden haben als diese Lappalie::, mit denen er uns beschenkte. Um die Ausnahmen, deren wir erwähnten, gleich hier abzuthun, da ihrer ohnehin sehr wenige sind, so ist vor Allem Kompert's kleine liebenswürdige Bluette: „Wie man heirathete" hervorzuheben. Diese Piece ist im Septemberheft (6) des ersten Bandes iiz der Studie über Leopold Kompert bereits besprochen, und wir brauchen, darauf hinweisend, hier nicht näher auf dieselbe einzugehen. Nicht uninteressant ist die biographische Skizze: Lazarus Bendavid von l)r. M. Kayserling. In glatten Versen bewegt sich ein Gedicht von Ludwig August Frankl: „Ein Pilger nach Jerusalem". Nun sind wir aber mit den interessanten Beiträgen fertig, und wenn wir sehr scrupulvs sein wollen, so rechnen wir höchstens noch die von I. Loewenberg mitgetheilten Correspondenzfragmente: „Wilhelm und Alexander von Humboldt im Verkehr mit ihren ältesten jüdischen Freunden" — hierher. Alles iibrige ist, um uns des Ausdrucks der lustigen Person zu bedienen, unbehaglich, oder um es ins „Deutsche" zu übersetzen: unpopulär und nicht geeignet, einen großen Kreis zu finden, viel weniger