Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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2S7 Jahrbuch für Js ihn zu erschüttern. Sehen wir uns die andern Beiträge ein wenig an: „Saadias" von vr. M. Joel mag für gelehrte Kreise von Interesse sein; für oie gebildete Welt im allgemeinen ist er es gewiß nicht. Der Verfasser gesteht selbst, „daß der Name nur selten aus dem engen Kreise der Fachmänner herüberdringt in den weitern Kreis der gebildeten Welt". Der Verfasser hält seinen Beitrag selbst für eine „Zumuthung" an den Leser und entschuldigt denselben durch die Zeit, durch die Gegend und durch die Persönlichkeit. Diese Entschuldigung ist gelinde gesagt sehr lächerlich, da es immer nur auf die letztere allein kommt. Ist die Persönlichkeit uns so fremd, daß sie uns nicht interessirt, wie der Verfasser ja selbst weiß, so ist es uns auch gleichgültig, wann und wo sie gelebt hat. Ist die Persönlichkeit hingegen für uns von Interesse, so wird es Zeit und Ort ihres Wirkens mit ihr. Noch viel unbehaglicher ist M. Steinschnei d e r' s Artikel: „Aus der Literatur." Das ist nichts als ein Verzeichniß von Namen mit einigen Bemerkungen des „Grenzgebietauffehers"; diese mögen wieder für den Gelehrten weiß Gott von welchem Interesse sein, für den Leser eines Kalenders (und ein solcher ist doch das Jahrbuch) sind sie es gewiß nicht. Der gewöhnliche Leser muß den Artikel überschlagen, und wenn er ihn liest, so kann er sich getrost rühmen, daß er aus einem jüdischen Kalender die Kunst gelernt habe, sich in der christlichen Tugend der Ergebung zu üben. vr. I. Freudenthal's Untersuchung: „Der Gottesbegriff beiden Griechen und bei den Hebräern" ist eine äußerst langweilige Schwalbclei, bei welcher mchts herauskommt. Alle griechischen Claffiker werden in Bewegung gesetzt, um dann das mit durchschossenen Lettern gefundene Resultat in die Welt hinauszurufen: „Der jüdische Gottesbegriff" — „Die Gottheit ist als geistige, sittliche, einzige Person allein in der Bibel gelehrt worden." Als ob sich der Kalenderleser um solche Subtilitäten kümmeru würde! Wie raeliten. 5626. klein ist das Häuflein Leser, zu welchem der gute Mann hier spricht, und dieses kleine Häuflein von Gelehrten hat die griechischen Claffiker auch gelesen und noch einiges andere dazu und kennt zum Ueberfluß auch die neuesten Bibelforschungen und weiß, was es von solchen Auseinandersetzungen zu halten hat. Der emsige, unermüdliche Herr Wolf hat einen Beitrag: „Zur Geschichte der Juden in Wien" geliefert. Er hat darin manches Interessante gebracht. Dem fleißigen Sammler wird einmal ein Geschichtschreiber dankbar sein; ob auch heute schon die Leser des Jahrbuchs, die eines für das große Publikum bestimmten Kalenders, bezweifeln wir jedoch. I)r. Jellinek ist ein geistreicher Mann und hat mit scharfsinniger Sophistik eine rein theoretische Frage, die wieder nur für Fachleute von Interesse, auf das Gebiet des Momentan-Praktischen hinüber zu spielen gewußt. Dies zeigt uns allerdings so viel, daß er es versteht, was man dem Publikum nicht bieten darf, aber was er geboten, hört darum nicht auf theoretisch zu bleiben, und es wird sich kein jüdischer Leser über die von ihm erfundene: „Neue Judenfrage" auch nur sein geringstes Vergnügen schmälern. Die „Hassidäischen Silhouetten" von vr. I. Horowitz verlieren durch die vorangestellte Bemerkung des Herausgebers den Reiz des Sachlichen, wenigstens wird die Wahrheit der Zeichnung sehr in Frage gestellt. Vom künstlerischen Standpunkt aber, abgesehen vom stofflichen Interesse, bieten sie gar nichts, und stnd ganz reizlos. Professor or. G. Kaempf singt uns ein „Eliah-Lied" — aber in einer Tonart, daß der Himmel unfern Ohren gnädig sein möge. Wenn ein Mann nach Heine und Platen noch im Stande ist,. Verse wie: Der Felle wählte zu Gewänden — Deß Fleh'n vom Himmel Feu'r errang Deß Leib ohn' Todes*) und Grabesspur Entzieh' mich droh'nder Feindeswuth, *) Todes ist vielleicht noch gar ein Truck-