Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrbuch für Israeliten. 5626. 295 Behauptung der „Evangelischen Kirchenzeitung". Bisjetzt ist es noch nicht gelungen, das Judenthum zu den Antiquitäten zu werfen und über dasselbe zur Tagesordnung überzugehen. Weshalb gäbe sich sonst die „Evangelische Kirchenzeitung" die vergebliche Mühe, sich so sehr damit zu beschäftigen? Wenn das „entleerte Judenthum" ihr noch solch Grauen verursacht, daß sic seinen Einfluß auf allen Gebieten sieht und fürchtet, so muß es doch keine antiquirte Erscheinung sein. Auch ist es keine, trotzdem es der „Evangelischen Kirchenzeitung" so selbstverständlich scheint, daß sie diese ihre Behauptung mit keinem einzigen Beweise zu unterstützen nöthig findet. Ungebrochen in seinen! innersten Wesen steht das Judenthum mit seinem reinen Monotheismus und seiner Sittenlehre noch heute da, gefallen sind die Schranken, die es von seinen Mitbrüdern im Staat trennten, eingetreten sind seine Bekenner in die ganze Strömung und Bewegung des Volkslebens, gefallen ist auch zum großen Theil das strenge Ceremonial- und Nitualgesetz des Judenthums, diese beiden Schranken, die es unfrei nach außen und innen gemacht, und dennoch ist die israelitische Religion ihren Bekenner» ein unveräußerliches Gut. Sie ringt nach neuen Formen und bekundet sich ebendadurch als lebenskräftig, daß sie die alten Formen zerbricht und neue schaffen will. Möge die „Evangelische Kirchenzeitung" nicht um, den Fortbestand des Judenthums sorgen; „das alte Israel, aus dessen Reihen so viele bedeutende Namen zu nennen wären, die christliche Kanzeln und Katheder schmücken", das alte Israel wird ohne Ritualien und Ceremonien immer für den Menschenfreund, für den Geschichtsforscher, für jeden unbefangen Denkenden „eine ehrwürdige Erscheinung" sein und bleiben. Möge sich die „Evangelische Kirchenzeitung" zum Schluß noch die Worte Rießer's aus dem Jahre 1833 merken, eines Juden, der schon damals außerhalb des rituellen Judenthums stand und der im Jahre des Heils 1848 im deutschen Parlament seinen deutschen Mitbrüdern das Zorneswort entgegendonnerte : „Nur Buben können am Vaterlande verzweifeln!" Rießer sagte 1833, was leider noch im Jahre 1866 wiederholt werden kann, weil es immer seine Bedeutung nicht ganz verloren hat. „Gibt es denn jetzt nichts Besseres zu thun, als aus dem mittelalterlichen Schutt den veralteten Judensauerteig herauszuholen und an ihm den Scharfsinn und den Patriotismus zu proben? Hängt etwa der Himmel so voll Geigen, hat man schon so befriedigende, beruhigende Melodien geflötet, daß ihr in den jüdischen Mauscheleien das Harmonische herauszuftnden und es in eine Sphärenmusik umzuwandeln euch berufen und befähigt fühlt, die gar lustig klingen smuß zu dem mosaischen Text? Das Judenthum hat der liebe Herrgott selbst gefertigt, laßt ihn sein Werk selbst in Ordnung bringen." 8. 6. IchMch lür ImMeil. 5626. Begründet von Joh. Wertheimer und Leop. Kompert. In neuer Folge herausgegeben von S. Szantö. Zweite Folge. Erster Jahrgang. Wien, Herzseid und Bauer, 1866. Die lustige Person in dem Vorspiel zu Goethe's Faust hat, wie man meiß, ihre eigenen Principien. Der Grundsatz, an welchen wir hier erinnern wollen, lautet: Wer sich behaglich mitzutheilen weiß, Den wird des Volkes Laune nicht erbittern; Er wünscht sich einen großen Kreis, Um ihn gewisser zu erschüttern. Daß der neue Herausgeber des Jahrbuchs für Israeliten diesen Wunsch init der lustigen Person gemein hat, daran ist nicht zu zweifeln. Welcher Redacteur oder Herausgeber eines literarischen Unternehmens würde sich auch nicht einen großen Kreis wünschen! Da aber der Wunsch allein noch keine Befriedigung gewährt, so muß, damit ein großer Kreis sich einfinde, auch etwas für dessen Zustandekommen gethan werden, und das, was man thun soll, sagt eben die lustige Person mit klaren Worten: man muß sich be-