Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Jllustr. Monatsh. für die ges. 1813 als Freiwillige den Kämpfern gegen Frankreich angeschlossen haben, um einem Lande seine Freiheit wiedererobern zu helfen, welches ihnen selbst keine Freiheit, wohl aber Kränkungen und Beschränkungen aller Art dafür zum Lohn bot." Auch können wir uns nicht versagen, folgendes Citat aus der Lewald'schen Biographie hierher zu setzen: „Es war ein anderes Element, welches dem Vater den Gedanken an eine dauernde Fremdherrschaft unannehmbar machen mußte: der Vater wurzelte mit seiner ganzen Bildung in Deutschland. Er liebte den deutschen Geist, er liebte und bewunderte die deutsche Literatur und ihre Classiker." „Das also ist die Vaterlandsliebe dieser Juden", ja, das war die Vaterlandsliebe nicht blos der damaligen Juden, sondern eines großen Theils der damaligen christlichen Deutschen. Die Vaterlandsliebe, die das deutsche Volk verband und noch heute verbindet, wurzelte und wurzelt in der That mehr in der gemeinsamen Sprache und Bildung als in der Scholle, der sie entstammt. Das ist der Vorzug und der Nachtheil des deutschen Patriotismus, daß er in der geistigen Zusammengehörigkeit, in der Literatur, in den Klassikern seinen Ausdruck findet. An diesem Vortheil und Nachtheil participiren denn auch die Juden. Allerdings ist das Land Lessing's und Schiller's früher das Vaterland der Juden geworden als das Land der Hohenzollern oder Habsburger oder Wettiner. Die „Evangelische Kirchenzeitung" aber, die sich deshalb ereifert, möge doch die frühere Nummer ihres Blattes zur Hand nehmen, wo von einem ganz andern Gegenstände freilich die Rede ist, nämlich von dem Dichter Calderon, dem Spanier, dem Katholiken, und wo sie sich nicht scheut, folgende vaterländische und landsmannschaftliche Gesinnung auszusprechen. „Jedenfalls steht uns Calderon, der treue Sohn seiner Kirche, näher als ein Lessing oder die große Schar moderner Dichter, welche nicht blos ihre Kirche, sondern die Kirche Christi überhaupt verachtet und gemeistert haben." Interessen des Judenthums. Aber zugegeben, der alte Jude Marcus hätte keine Vaterlandsliebe empfunden, sind der alte Marcus und seine Zeitgenossen diejenigen, die sich in den Kammern breit machen? Der alte Marcus lebte in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, wo selbst die christlichen Deutschen nur in ihren vier Pfählen sich breit machen konnten; sprang aber einer aus dem eigenen Häuschen und verlangte Volksvertretung, da zeigte man ihm bald, wo die Kammer sei, in der er hinter Schloß und Riegel sein frevlerisches Gelüst büßen mußte. Daß das parlamentarische Leben in Preußen überhaupt erst seit 17 Jahren existirt, weiß die „Egangelische Kirchenzeitung" auch; es ist aber bequem, Zeit und Raum zu verwechseln, die ja doch nur irdische Begriffe sind. Die Gottlosigkeit der Juden zeigt sich der „Evangelischen Kirchenzeitung" namentlich in der Furcht vor der ^Cholera, die die ganze Familie Marcus ruhelos von einem Orte zum andern trieb. Die „Evangelische Kirchenzeitung" sagt wie Falstaff: „Hol die Pest alle feigen Memmen", wir sagen es mit ihr, und hoffen nur, ihr Todesmuth möge sich in der Stunde der Gefahr besser bewähren als der des christlichen Ritters Falstaff. Vorläufig möge sie ihr frommes „Vaterunser" beten und namentlich das „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Nebel", was wir aus vollem Herzen mitzubeten uns jetzt gerade sehr gedrungen fühlen. Fast dünkt es uns eine Verletzung gegen die Männer, wenn wir sie hier und bei dieser Gelegenheit anführen, um zu beweisen was ebenso überflüssig zu beweisen, als thöricht zu behaupten ist. Die preußischen Abgeordneten Jacobi und Kosch, beides jüdische Aerzte und Juden ohne Ritual- und Ceremonialgesetz, gingen beim Ansbruch der Cholera von Berlin nach Königsberg, um dort ihrer Pflicht als Aerzte zu genügen. Sie verließen sogar die Kammer, in der sie sich breit machen konnten. „Daß das Judenthum eine antiquirte Erscheinung sei und nur durch den Gegensatz historische Bedeutung habe", j ist eine ebenso kühne als unbewiesene