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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 292

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 292 (sequence 52)
Language
German
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292 Jllustr. Monatsh. für die ges. Gesetzgebern es vor dreißig Jahren verkündet hätte: „Die Ceremonien Israels sind altehrwürdige Gebräuche, es bekundet sich in ihnen ein tiefer, sittlicher Gehalt." „Der Sabbat sammelt die Familie um die reinlich brennende Lampe, das Geschäft ist aus, der Laden geschlossen." Wie entzückt hätte das „alte Israel" gelauscht, wenn die frommen deutschen Gelehrten es gesagt hätten, daß „die kleine blecherne Kapsel an der Stubenthür eines Juden die Zehn Gebote enthalte, und daß dieselben sich dort befänden, damit man sie immer vor Augen und im Herzen habe." Wenn der liebe christliche Pöbel in seiner Roheit und Unwissenheit häufig den Versöhnungstag (Lange Nacht) benutzte, um die Wohnungen des „alten Israel" zu plündern, das „alte Israel" in den Synagogen im Gebet zu stören, warum haben es damals die Lehrer des Evangeliums nicht ihrer lieben, frommen, gottesfürchtigen Gemeinde gesagt, daß „dies Israel eine ehrwürdige Erscheinung sei, daß Israel an diesem Tage seine Versöhnung mit Gott suche und finde, daß also auch Israel der Quelle des Heils und der Versöhnung nachgehe und sie nur in anderer Form suche und finde?" Warum haben die frommen christlichen Gelehrten es nicht längst gesagt, „daß in all den Ceremonien der Juden eine heilige Mystik und Symbolik vorhanden sei, die man achten müsse?" Uneingeweihten Lesern muß man eS sagen, daß seit dreißig Jahren, wo es sich um die Emancipation der Juden in den deutschen Staaten handelte, es gerade die Ceremonien der Juden, ihre Satzungen und Ritualien waren, die den Gesinungsgenossen der „Evangelischen Kirchenzeitung" den Vorwand hergeben mußten, gegen die Gleichberechtigung der Juden im staatlichen Leben zu sprechen und zu schreiben. Da hieß es, „das strenge Ritualgesetz verhindere die Juden, Deutsche zu sein." Es ist schwer, sich eines schmerzlichen Gefühls zu erwehren, wenn man die Literatur der letzten fünfzig Jahre über diesen Gegenstand vornimmt Interessen des Judenthums. und dein Kampfe zusieht, zu dem man jüdischerseits wegen Vertheidigung des Judenthums und seiner Ceremonien gedrängt wurde. Welche Kraft der Beredsamkeit hat der edle Ri eher, um von Andern zu schweigen, aufwenden müssen, um das „alte Israel" und seine Satzungen zu vertheidigen. Eine Schrift von Streckfuß, die Rießer bekämpft, stellt unter anderm folgende Sätze aus: „Die Feindseligkeit der öffentlichen Meinung gegen die Juden findet ihren Grund in der Eigenthttmlichkeit derselben, ihrer Religion und ihrem strengen Ritualgesetz. In dem'frcisinnigsten deutschen Staate, in Baden, war im Jahre 1831—32 allen Ernstes davon die Rede, „den Juden die völlige Gleichheit zu gestatten, wenn sie vorerst ihre strengen Ceremonialgesetze abschafften." Und auch bei dieser Gelegenheit tritt Rießer, der persönlich das Ritualgesetz nicht befolgte, gegen diese Znmuthung vom Standpunkt der Glaubens- und Gewissensfreiheit auf. Es wäre eine in Bezug auf den Aufwand von Zeit und Geduld nicht lohnende Arbeit, wollten wir die alteil, bösen, glücklicherweise vergessenen Zustände wieder ans Licht ziehen. Der „Evangelischen Kirchenzeitung" freilich läge nicht viel daran, ob die Ritualgesetze der Juden als der Emancipation-derselben hinderlich oder förderlich aufgefaßt würden, denn „ihr Reich ist nicht von dieserWelt". Natürlich geht es ihr nur um die innere, religiöse Weihe des Menschen und auch des Juden, und da muß es ihr gleichgültig sein, ob weltliche Vortheile oder Nachtheile aus einer religiösen Anschauung erwachsen. Und dennoch scheint die „Evangelische Kirchenzeitung" gar nicht so gleichgültig gegen Dinge dieserWelt zu sein, denn sie ist ganz genau unterrichtet davon, „daß die Juden die vornehmsten Plätze und das lauteste Wort in den Börsenclubs einnehmen, daß sie die Macht der Presse ausgewittert, daß sie Zeitungen gegründet haben". „Auf Reisen", meint sie, „seien sie ganz unvermeidlich und thun sich durch dreistes, unverschämtes Wesen hervor, und wenn sie von dem Bewußtsein getragen wer-

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