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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 283

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 283 (sequence 43)
Language
German
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Der Talmud. 283 Wurm an Leber und Lunge für genießbar, weil er an dem Fleisch des Thiers sich nährt und dadurch erhält, also nicht an die Erde durch seine Natur gewiesen ist. Allein die endgültige Entscheidung lautet gegen den Genuß des Wurms, da er, während das Thier schläft, in seine Nase kriecht und durch die Gurgel nach Lunge und Leber schleicht. Wenn Würmer zwischen der Haut des Thiers und dem Fleisch sitzen und beim Abziehen derHaut sichtbar werden, sind sie gleichfalls unerlaubt, bei Fischen hingegen sind sie gesetzlich erlaubt, und Rabina bemerkte gegen seine Mutter: „Reiche sie mir nur so, daß ich sie nicht sehe und mich davor ekele, dann will ich sie schon essen." „Wie verträgt sich damit", fragt Rabbi Maschraschia, Rabbi Acha's Sohn, den Rabina, „die bekannte Erklärung der Gesetzesstelle (bei den Fischen): «Auch ihren Cadaver sollt ihr verabscheuen» (Levitic., XI, 11), womit doch über das Verbot der Fischwürmer hinaus das Verbot der Würmer begründet wird, welche zwischen Haut und Fleisch des Thiers liegen?" „Ich fasse die Sache so auf", erwiderte jener, „wo das Thier den Schlachtgesetzen unterworfen ist, dort ist der Genuß des Wurms nicht erlaubt, denn er fristet sein Leben von einem nur durch Schlachten genießbaren Thiere. Bei- Fischen hingegen, die keinem gesetzlich geregelten Schlachten unterworfen sind, ist der Genuß des Wurmes nicht weiter zweifelhaft; denn wiewol er am Fisch sein Leben fristet, so geschieht das doch im erlaubten Zustande." In diesem Disput begegnen wir zugleich den großen Geistern, welche den talmudischen Proceß des Gesetzes zu Ende brachten und den massenhaft angewachsenen Traditionsstoff seinem endültigen Abschluß entgegenführten. Raum und besonders Rabbi Aschi, dessen Wirksamkeit in die Regierungsjahre des judenfreundlichen sassanidischen Königs Jesdigard-ben-Bairam fällt (400 —421), sammelten das immense Material lind brachten es, wie durch göttliche Vorsehung gewarnt, in Sicherheit, bevor die Völkerwanderung ihre zerstörenden Wogen durch die Welt sandte und zersetzend auf die Reiche und die Völker wirkte. Ein Jahrhundert war vielleicht verstrichen, seitdem der palästinensische Talmud entstanden war; größer*) und mannichfaltiger in der stofflichen Behandlung, reicher und gründlicher in der wissenschaftlichen Erörterung> aber auch oft liberaler**) in der Auffassung und durchdrungen von Gesetzen der Toleranz gegen Nichtjuden***) fiel die gegenwärtige Sammlung aus, die unter dem Namen des babylonischen Talmud bekannt ist und für uns****) der leitende Codex H wurde. Es ist das Verdienst der nachfolgenden Periode, die von dem Geschlecht der Sabnräer ^) getragen wird und bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts hinaufreicht, daß diese talmudische Masse, die untergeordnet nebeneinander wogte, schriftlich ^) abgefaßt und in die Form *) gebracht wurde, in welcher wir sie heute vor uns haben. In dieser Form geht jedesmal die Mischna in ihrem gedrungenen Text gleichsam wie das Thema vorauf; daran schließt sich dann unter dem Titel der Gemara, der identisch ^) ist mit Talmud und wissenschaftliche Erörterung des Themas bedeutet, das Feld der Discussion. Die große Mannichfaltigkeit jedoch, in welcher wir sie kennen gelernt haben, erzeugte jenes bunte Mosaik im Talmud, das die verschiedenartigsten Gedankenzüge und die auseinandergehenden Stoffarten mit *) Zunz, „Gottesdienst!. Vorträge" S. 54, Note 4. **) Erech Milin, S. 228, Nr. 26. ***) Berachoth, 17, a; B. Kama, 113, a; ebend., 113, b: Gitin, 61, a und sonst. Bergt, auch I)r. Jellinek, „Der Talmud. Zwei Reden." Wien, 1865. *'***) Zunz, „Gottesdienst!. Vorträge", S. 52. 1) Vergl. S. 491, Spalte I, Note 4. 2) Grätz, „Geschichte", V, 17. 3) Ueber den Druck des „Talmud" vergl. Zunz in Geiger's „Wissenschaftliche Zeitschrist für jüdische Theologie", V, 36. Gegenwärtig sind 15 verschiedene Talmudausgaben unter der Presse. 4) Seder Thanaim in Kerem Chemed, IX, 184—200; vergl. dazu Luzzatto in Kerem Chemed, III, 61 fg. 5) B. Mezia, 33, a(Raschi); Sabbat, 13, b (Raschi); B. Bathra, 145, b (Raschi); Niddah, 7, d unten (Raschi).

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