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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 282

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 282 (sequence 42)
Language
German
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282 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. und Wissenschaft auf dem ungefährdeten Boden einer neuen Heimat fortsetzen zu können. Im Gefühl dieser Zukunft, die ihre traurigen Anzeichen längst ausgesteckt hatte, wurde in Palästina das talmudische Material gesammelt und zu einem geborgenen Schatz zusammengetragen*), damit es in der Stunde der Gefahr wie ein Ganzes erscheine und seine Träger auf dem dornenvollen Wege geleite, der ihrer wartet? Dieser Schatz, der den Traditionsstoff des Gesetzes umschließt, wie er inz Geiste Palästinas sich gebildet, ist unter dem Namen des palästinensischen Talmud bekannt und hat, abgesehen von seiner Unvollständigkeit**), da nicht die gesammte Mischna in ihm durchgearbeitet ist, das Eigenthümliche, daß er in einfacher Discussion die Fragen des Gesetzes erörtert und im palästinensischen, d. h. dem syrischen sich nähernden Dialekt abgefaßt ist. Genau um dieselbe Zeit, wo tiefe Nacht die Lehrthätigkeit Judäas deckte, stand die talmudische Wirksamkeit Babyloniens im Zenith des forschenden Geistes; denn in den Schulen von Abai zu Pumbadita und von Raba in Machuza sprühten die Blitze des discutirenden Verstandes ***) in leuchtender Helle und trugen die Dinge des gemeinen Lebens zur Höhe einer reinen und heiligen Anschauung empor. Aus dieser Periode datiren die gewaltigen Geistesschlachten, die in schwindelnder Höhe geführt wurden, bald um Fragen, die im damaligen Leben keinen Boden mehr hatten, wie über die Opfer zur Zeit des Tempels, bald um Rechtspunkte, indem die geistvollsten Beziehungen daran geknüpft und die entferntesten Fälle und scheinbar fremde Stoffe mit den Fäden des Geistes und der Combinalion herbeigezogen und verwandt dargestellt wurden. Ob nun das Leben in Babylonien, das sich in freien Bahnen bewegte, aus sich selbst ****) den Widerspruch ge¬ *) Zunz, „Gottesdienstliche Vorträge", S.s52. **) Ebsnd., S. 54; vergl. dazu Note k> u. c. ***) Sanhedrin, 17; B. Mezia, 31, und an vielen Stellen. Kiduschin, 39» s; Sukkah, 28, s. ****) B. Mezia, 85, a, unten; B. Bathra, gen diese Lehrthätigkeit erzeugte oder die fremden Gesetzeskundigen, welche aus Palästina herbeikamen, die Opposition erst hervorriefen; genug, die zugespitzten Discussionen stießen auf starken Widerstand*), die talmudische Gesetzesdeutung von Pumbadita gerieth in den Ruf einer bloßen Spitzfindigkeit**), und der Strom der Wissenschaft schien sich seines Quells bewußt zu werden, den er fast verloren hatte. Der Geist der Forschung eilte mit unermüdlichem Flug durch die üppigen Gefilde einer blühenden Phantasie und ersonnenen Wirklichkeit, während die Interpretation des Gesetzes, die thatsächlich der Wanderstab des Geistes auf diesem Wege sein sollte, immer schwächer und hinfälliger wurde, immer mehr den Händen der Talmudiften entglitt. Diesen Stab nahm die Folgezeit auf, und wie das Licht vor seinem Erlöschen oft in reinem Strahl leuchtet und die Seele vor ihrem Entweichen oft sich wiederfindet: so kehrt gegen Ende des 4. Jahrhunderts der ursprüngliche Sinn der Gesetzesauslegung wieder zurück, und der Talmud zieht seine letzten Kreise von demselben Mittelpunkte aus, welchem die ersten Schwingungen zur Zeit der großen Synagoge ihr Entstehen verdanken. Unter diesen Gesichtspunkt fällt z. B. folgende Discussion***): Im Gesetz heißt es (Levitic., XI, 41): „Der Wurm, der auf der Erde kriecht, darf nicht gegessen werden." Daran knüpft Rabbi Scheschath, der Sohn des Jdi, an: „Es gibt Würmer, die an der Leber und an der Lunge des Thieres sitzen, und dürfen daher nicht gegessen werden, denn sie sind ursprünglich auf der Erde und werden von den Thieren beim Fressen mit verschluckt." „Wie das?" wirft Rabbi Aschi ein; „denn ist der Wurm wirklich auf diese Art in das Thier gekommen, dann müßte er doch an ganz anderer Stelle sich befinden." Nach einer andern Version erklärte jener Gelehrte den 185, b; Pessachim, 34, b, und die Parallelstellen. Kiduschin, 39, a; Horajoth, 12, s. B. Mezia, 38, b. ***) Chulin, 67, b.

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