Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Talmud. 28L Ms HMM LeZ nmgMhllm vm UMsn, Benjamin Philipps, bringen wir vorstehend, wie wir es im vorigen Hefte, wo wir biographische Daten über ihn mittheilten, versprochen. Eine ausführlichere Biographie können wir leider mangelnden Raumes wegen nicht bringen. _ Drr Talmud. Ein Vortrag von vr. Tobias Cohn, Rabbiner zu Potsdam. (Schluß.) Die Mischna wurde aus Judäa durch Nab*), einen Schüler des Rabbi Judah, nach Babylonien gebracht und hier zunächst in der Akademie zu Sura init wissenschaftlichem Sinn und heiligem Eifer discutirt, dann zugleich auf andern Schulen mit immer schärferer Dialektik, immer lichtvollerm Verstände, immer seinem Fäden des Geistes durchmessen, bis zuletzt das einfache Fundament der Mischna der Träger eines weitverzweigten Bauwerks wurde. Die Babylonier hatten die Mischna fertig überkommen, und die reife Frucht, welche sie ihnen lieferte, war weder auf dein Boden Babyloniens erwachsen, noch hatte man dort ihren Blütezustand beobachtet und vermochte daher nicht, in ihren Geist sich init ursprünglicher Kraft und Unmittelbarkeit zu versenken, ihre Anschauungen rein und unvermittelt aufzunehmen. Was den Bewohnern Palästinas wie eine urwüchsige Erscheinung ihrer Forschung und Erkenntniß vor Augen trat, was sie vor ihren Augen in den Schulen und Lehrstätten wie im Drang des Geistes haben entstehen sehen, das war den Babyloniern eine eingeführte edle Pflanze, deren Natur sie durch die unausgesetzte Pflege derselben kennen lernten. Es bedurfte erst des Verständnisses bei den Baby- *) Kerem Lhemed, VII, Brief 9; Grätz, „Geschichte", IV, Note 50. loniern, sich mit der Mischna vertraut zu machen, vielleicht aar die Gesetze zu begreifen, welche ihnen durch die Mischna bekannt wurden. Was Wunder daher, wenn die Wege, welche zu diesem Verständniß führen sollten, oft in den mannichfachsteu Windungen sich bewegten, oft durch Hindernisse aller Art unterbrochen wurden, die nur durch den größten Scharfsinn und durch die höchste Geistesanstrengung zu überwinden waren! Was Wunder, wenn in den Schulen die Mischna, ich möchte sagen, unter das Sonnenspectrum des zerlegenden Verstandes gestellt wurde und alle nur möglichen Farben und Schattirungen einander unterstützender oder widersprechender Meinungen die große Befriedigung des Geistes zeichneten, dem das Streben Freude ist, nicht der Gewinn, „der den Kampf will, nicht den Sieg". Da haben wir den wesentlichen Unterschied zwischen dem talmudischen Verfahren in Babylonien gegen Palästina, das eben wegen seiner Einfachheit, die jede weitläufige Ausgesponnenheit der Gedankensäden verschmähte oder dem Schritt des mit allem Erreichbaren sich rüstenden Geistes nicht zu folgen vermochte, in einen, breiten Zwiespalt sich zu Babylonien setzte. Jndeß der Wettkampf zwischen den Schulen beider Länder, wenn überhaupt von einem solchen im eigentlichen Sinne die Rede sein kann, verstummte unter dem Druck der römischen Machthaber; und lastete schon die Hand des Kaisers Konstantin schwer auf dem jüdischen Leben in.Palästina, so mußte es unter dessen Nachfolger Konstantius den letzten Athem aushauchen. Seine Schulen zu Sepphoris, Tiberias und Lud wurden 352 geschlossen, die Städte zerstört*), und, wie ehedem die Babylonier nach Palästina strömten, um dort im Heiligen Lande und zu den Füßen seiner großen Lehrer die talmudische Deutung des Gesetzes zu vernehmen, so zogen jetzt die Palästinenser flüchtig nach Babylonien **), um Leben *) Grätz, „Geschichte", IV, 394. **) Jerusch. Nedarim, X, zu Ende; Babli Chulin, 101, d; Juchasin: Lcherira.