Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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275 Die Vertreibung der Juden l Wir dann auch gnädigst nicht unterlassen an Sr. And. nach lauth der hierbei, gefügten Abschrifft Hierinfalls zu roseribiren der guten Zuversicht, daß die von solchen angefangenen und denen Christen eum suiuino porieulo interitus aufdringende riZoro abzuweichen und die Sache dahin zu mildern anlaß nehmen werde, damit weder das Seelenheil in gefahr gesetzt und ücles publica geschwächt noch auch der gemeine Wohlstand gekränckt und vernachtheiligt werden dürsten, wornach Ihr Euch zu richten und unfern gnädigsten Willen und Meinung gehorsamst zu vollziehen wissen werdet." Bald hernach am 22. Nov. 1689 befahl der Kaiser, daß die Juden von .den Christen getrennt und ihnen vorläufig unbewohnte Häuser eingeräumt werden. Während der Priester einem Kranken die letzte Oelung spendet, soll eine bürgerliche Wache ihn umgeben und die Juden sollen abgesperrt werden. Es werde eine Commission bezüglich der Separirung der Juden eingesetzt, bei welcher der Bischof vertreten sein soll. Die zeitweiligen Synagogen in christlichen Häusern sollen aufgehoben werden. Die Aeltesten: Israel Bondi, Jonas Jakob, Mostes Abeles und Selig Josel Liebwitz, baten hierauf, den Termin bis zum 1. Mai 1670 zu erstrecken. Der Kaiser war geneigt, auf diese Bitte einzugehen, doch der Bischof sträubte sich dagegen. Die Aebtissin beim Heiligen Geist ordnete sofort die Wegschaffung der Juden aus der Umgebung des Klosters an. Dagegen remonstrirten die christlichen Vermiether, weil die Juden einen größer» Miethzins zahlen, und dem Bierschank u. s. w. großen Nutzen bringen. Es wurde also vorläufig die Erstreckung genehmigt. Nebenher wollen wir bemerken, während in Prag um diese Zeit die Privilegien der Juden vom Kaiser berücksichtigt wurden, erfolgte die Vertreibung der Juden aus Wien, die nicht minder Privilegien besaßen (vergleiche unsere: „Juden in der Leopoldstadt"). Die Juden hingen eben trotz Privilegien und verbriefter Rechte, für die sie berus Böhmen im Jahre 1744. sonders zahlten, von der Willkür oder von der Gnade der Machthaber ab. Hierauf hatten die Juden einige Zeit Ruhe, d. h. nicht etwa, daß man sie ruhig gewähren ließ und ihnen Zeit zur Erholung gönnte oder, daß man den 8tatu8 guo beließ und sie sich der erhaltenen Privilegien zu erfreuen hatten. Wir erinnern nur an das Gesetz unter Kaiser Karl VI., welches die Heirathen beschränkte. Man suchte sozusagen in künstlicher Weise die Verminderung der Juden herbeizuführen. Bestand doch in Prag eine eigene Reductionscommission für die Juden. Es erfolgte jedoch einige Zeit keine Ausweisung. Maria Theresia bestieg den Thron. Die böhmischen Juden gaben außer der Krönungsdotation 450000 Fl. und die mährischen Juden gaben 50000 Fl. Reisegeld. Im Jahre 1742 gaben überdies die mährischen Juden 50000 Fl. zu den Festungsbauten. — Wenn man bedenkt, daß die Juden von Steuern fast erdrückt wurden und daß die genannten Summen von sehr respektabler Größe sind, so wird man zugeben, daß die Juden bedeutende Opfer brachten. Bald nach dem Regierungsantritt der Kaiserin hatten die Juden Gelegenheit, in anderer Weise ihren Patriotismus zu bezeugen; sie leisteten nämlich persönlich Kriegsdienste beim Militär, wozu sie zu jener Zeit nicht verpflichtet waren, und wurden sogar bei der Artillerie verwendet. In der Schrift: „Soll der Jude Soldat werden?" (Wien 1788) wird erzählt: „Im Jahre 1742 oder 1743 hat der Oberrabbiner Jonathan Eybeschitz und andere Rabbiner den Prager Juden die Erlaubniß ertheilt, am Versöhnungstage auf den Stadtschanzen Prags gegen die feindliche französische Armee zu arbeiten. Einige dieser arbeitenden Männer sind noch am Leben, und zur Ehre des gedachten Rabbi fügen wir hinzu, daß er selbst an ihrer Spitze stand, ihnen Muth und Trost zusprach mit der Versicherung, daß derjenige, der in dieser Beschäftigung für das allgemeine Beste durch , einen Schuß umkommen möchte, um so 18*