Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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273 Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. aus Prag vertrieben. Schon im Jahre 1059 wurden sie verjagt, angeblich, weil sie katholische Kirchen verbrannt hätten. Im Jahre 1076 statuirte Herzog Wladislaw, daß nur 1000 jüdische Seelen in Prag wohnen dürfen; da jedoch die Anzahl derselben 5250 gewesen sein soll, wurden 4250 vertrieben. Im Jahre 1097 wollten die Juden selbst wegziehen und nach Ungarn gehen. Man gewährte ihnen diesen Wunsch, nachdem inan ihnen das Geld weggenommen hatte. Im Jahre 1124 soll ein getaufter Jude seinen ehemaligen Glaubensbrüdern beim Herzog die Rückkehr der Juden erwirkt haben. In den Jahreir 1180 und 1235 wurden sie wiederholentlich ausgewiesen, 1321 wurden 75 und 1336 53 Juden verbrannt. Am Ostersonntag, den 18. April 1389, fand die vekannte Judemnetzelei statt, über die Abigedor Karo Selichoth verfaßte. In den Jahren 1492, 1504 und 1506 wurden Juden verbrannt und 1507 verjagt; 1561 wurden sie neuerdings verjagt u. s. w. Was aber noch mehr sagen will, im Jahre 1679 brannte bekanntlich die Judenstadt in Prag ab; kurze Zeit hernach, am 2l. Juni 1689 brannte sie neuerdings ab, darunter 11 Synagogen, und nun wollte man die Juden dafür bestrafen und ihnen den Aufenthalt in dem nahe gelegeilen Liebeil anweisen. Nach vielen Petitionerl gelang es ihnen, den Schlag abzuwenden, und ist es nur eigenthümlich genug, daß man die Juden für das Unglück, das sie betroffen, noch bestrafen wollte. Das Elend der Prager Juden war natürlich zu jener Zeit sehr groß lind war um so größer, da sie nach wie vor die Steuern zahlen und sich auch für steuerfähig erklären mußten, deiln sonst würde man kurzen Proceß gemacht und sie ohne Umstände aus dem Lande gewiesen haben. Man war zu jener Zeit offen genug, es zu bekennen, man behalte die Juden nur, insolange sie eine melkende Kuh sind. Die Glaubensbrüder aus entfernten Ländern, aus Rom und aus Polen, schickten bei 8000 Fl. zur Unterstützung der Armen oder Verarmten; wir wissen jedoch nicht, ob die Klage, die gegen Hilberg's Jlluftrirle Monatshefte. II, 4. — Januar 18 den damaligen Primas Bondi erhoben wurde, daß er den Armen nicht einen Kreuzer von dieser Summe habe zukommen lassen, begründet war. Mit der Bewilligung, in Prag bleiben zu dürfen, war jedoch das Uebel nicht ganz behoben. Man verlangte von den Juden, daß auf der abgebrannten Stätte Häuser wieder erbaut, gerade Gassen ohne Winkelgebäude, geräumig und weitschichtig, errichtet werden, und zu dem Zweck sollten die 13 bestandenen Synagogen auf 6 reducirt werden, auch die Altschule sollte niedergerissen werden. Dagegen petitionirten die Prager Juden: „Allerdurchlauchtigster u. s. w. „Allergnädigster Herr, Herr. Demnach bey Einer zu wieder Erbauung der Pragrischen Judenstadt gehaltenen Commission dem Vernehmen nach Vorkommen, daß weilten die also genante Alte Schuel in die vermeinte Ringmauer olleetivo nicht mit eingeführt werden kann, selbige hinwegzuraumen angegriffen werden solle, können deroselben Kirchen Vätter aus sonderbahren gemithsbetrübnus keinen Vmbgang nehmen, Ew. k. und k. Maj. allerunterthänigst ia mit zäher fließenden Augen beyzubringen, daß vorgemelte Alte Schuel „1) Die Erste und Elteste Synagoga grundvest und gewölbter von lauter Steinen gar schön und zierlich vor viel hundert Jahren in Prag von den Juden erbaut, mit Ziegel gedeckt, über 50000 Fl. gekostet, darinnen jederzeit Gott gelobet, alle Sambstag vor Euer Maj. und gesambten hochlöblichen Ertzhaußes beständiges wohlwessen, von der ganzen Prager Jüdischen Gemeinde einhelliglichen gebettet, dieselbe in so grimmiger feuersbrunst von Gott dem Allmächtigen, gleichsam miraeuloso beschirmt, daß ob loci sanetitatom auch tomporis antignitatem höchstens zu bedauern und schad über schad seyn, wann annitzo dieselben mit Menschenhänden ohne erhebliche Vrsach solte niedergerissen werden." Noch war der Leidenskelch von seiten der Juden nicht ganz geleert. Während des nothwendigen Wiederaufbaues der abgebrannten Häuser mußten die >-s. 18