Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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272 Jllustr. MonaLsh. für die ges. senschaft hegen und pflegen und als Säulen und Stützen des Judenthums betrachtet werden können, die außerdem wackere Bürger sind, welche das Wohl des Landes fördern. Wir wollen hier, wie es der Titel besagt, eine Episode aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Prag und der Juden in Böhmen, die bisher nicht in genügender Weise aufgeklärt wurde, erzählen. Wir gestehen aufrichtig: der Geschichtschreiber der Juden, welcher die beispiellosen Schicksalsschläge dieses unglücklichen Volks im Mittelalter schildert, hat einen harten Standpunkt. Der Zustand war, mit dem Koran zu sprechen, Finsterniß auf Finsterniß in Finsterniß. Nichts als Jammer und Elend, Wehe- und Klagegeschrei. Der Leser sucht nach einem Erholungspunkt; doch vergebens. Das innere jüdische Leben bietet wol Lichtpunkte, doch ist es natürlich, daß sie bei weitem von dem Lichte überstrahlt-werden, das die jüdischen Weisen ausströmten, zur Zeit, als ihr Volk bessere Tage gesehen hat. Und doch halten wir es für Pflicht, nach besten Kräften zur Aufklärung über vergangene Tage beizutragen. Zunächst geschieht dies im Interesse historischer Wissenschaft, die sich Selbstzweck ist. Die Wissenschaft kümmert sich nicht darum, inwiefern ihre Forschungen praktische Resultate haben. Es gibt zahllose edle Geister, welche ihr Leben und Streben der Erforschung von Problemen zugewendet haben und zuwenden, über die Dutzendmenschen mit den Einmaleinsgesichtern höhnisch die Nase rümpfen. Wir wollen es jedoch offen bekennen: wir verfolgen auch praktische Zwecke. Wir leben in einer Zeit der Aufklärung; Humanität ist ihr Losungswort. Leugnen wir es jedoch nicht, es bestehen noch selbst in den sogenannten gebildeten und aufgeklärten Kreisen große Vorurtheile gegen die Juden. Wo Religionshaß den Bodensatz zurückgelassen hat oder Geschäftsconcurrenz.den Stachel des Neides und der Scheelsucht eingepflanzt u. s. w., da leben die alten Judenfeinde wieder auf. Da ist es Pflicht, darauf hinzuweisen, daß eine Interessen des Judenthums. Religion, die durch' Jahrhunderte so viele Märtyrer zählt, zu den edelsten gehören muß; daß ein Volk, welches trotz allen Anfeindungen einer- und allen Verlockungen andererseits seines Glaubens wegen alle Qual und Marter erträgt und auf alle Vorth eile, die es sonst erlangen könnte, verzichtet, seinesgleichen in der Geschichte sucht, aber nicht findet; daß ferner die Juden nicht, wie es ihre Feinde glauben machen wollen, der Fluch, sondern der Segen der Länder waren, in welchen sie lebten, daß sie das Gedeihen und den Wohlstand ihrer nichtjüdischen Mitbürger förderten. Wir halten es um so mehr angezeigt, diesem letztem Vorurtheil entgegenzutreten, weil es in großen Kreisen verbreitet ist. Religionshaß und Fanatismus haben nur da und dort noch vereinzelte Vertreter, im großen Publikum haben sie keinen Boden; hingegen ist der Krämerneid heute wie vor Jahrhunderten vorhanden, und dieser Krämerneid ist nicht nur unter Geschäftsleuten zu finden, die die Elle und Schere handhaben, sondern auch in jenen Kreisen, die nicht der kommerziellen Branche angehören, bei Männern, welche Aemter und Würden bekleiden und auf Lehrstühlen und in Studirstuben, in Wort und Schrift das Ewigmenschliche lehren und vertheidigen. In unfern „Juden in der Leopoldstadt" haben wir den Beweis geführt, wie sehr die wiener Bürger im Jahre 1670 sich täuschten, als sie glaubten, daß nach der Austreibung der Juden ihre Geschäfte glänzender sich gestalten werden und ihr Wohlstand zunehmen werde, und daß auch die Regierungsbehörden auf die Steuern der Juden, die dem Staat zugeflossen waren, nicht verzichten konnten. Wir werden diesmal einen ähnlichen Beweis in detaillirter Weise bezüglich der Ausweisung der Juden aus Prag und aus ganz Böhmen zu führen im Stande sein. DieZahlen und Daten, die wir beizubringen in der Lage sind, dürften auch für Natinalökonomen nicht ohne Interesse sein. Wiederholentlich wurden die Juden