Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. 271 am 18. Juli ein-feierlicher Empfang vor den Mauern der Heiligen Stadt bereitet. Selbst die geistige Angelegenheit seiner Brüder nicht außer Acht lassend, legte er daselbst eine jüdische öffentliche Bibliothek an und gründete unter deni Titel „Mnelmk cduäu- 8elmb" ein literarisches Jahrbuch, und nachdem er in der großen Synagoge des Rabbi Jochanan ben Sakai in hebräischer, arabischer und italienischer Sprache öffentlichen Vortrag gehalten, die Armen zu Jerusalem, Tiberias und Zafet großmüthig bedacht, verließ er die trauernde Stadt Gottes. Der Herr war sein Hort, er ebnete ihm die Wege, und so traf er wohlerhalten zum zweiten mal in seinem zweiten Vaterlande, in Frankreich ein. Wir können zum Schluß die von ihm veranstaltete Herausgabe des sehr verdienstlichen Werks „6sl-Lck, Denkmälersammlung des alten jüdischen Friedhofes zu Prag" nicht unerwähnt lassen, da das meisterhafte Werk Samuel David Luzzato's, die Bearbeitung des Propheten Jesaias, die seiner edeln Großmuth die Veröffentlichung verdankt, ohnedies hinlänglich bekannt ist. Anknüpfend an die Worte des trefflichen Hermann Grimm: „Eines nur bedarf die Kunst, aber auch dieses ist nichts, das man ihr äußerlich geben könnte, das aber, wo es fehlt, sie vielleicht nicht tödtet, aber ihre Entwickelung hindert: ein Boden muß da sein, in dem sie wurzelt, ein freier Himmel, zu dem sie aufwächst", war Presburg der fruchtbare Boden, in dem diese starke Liebe für sein Volk keimen und auferwachsen konnte. Denn das Studium des Gesetzes ist dem Juden nicht trockene, Wissenschaftliche Forschung, es ist das Gebot Gottes, es ist die Bestimmung seines Lebens, zu forschen Tag und Nacht. Hier ist alles Leben und Empfindung. In Presburg, das dem Talmud seinen Tempel errichtet, wurde auch das Leben der Laien in diese religiöse Schwärmerei mit einbezogen, denn ehrwürdig war nur der Schriftgelehrte, der Mann von reinen Sitten; und wie konnte der unrein sein, der nur in Gott und dessen Geboten seine Reinigung und Heiligung finden mochte? Das war also die echte Gluthitze zum Keimen des Samens, der seine Blüten im fernen Orient zu entfalten hatte. Das Schotten-Gymnasium und die philosophischen Curse an der Universität in Wien machten ihn für höhere Menschenwürde, für die Werthschätzung des Wissens und der Erkenntniß empfänglich, und nur unter der goldenen Sonne der Freiheit und Gleichheit wurde es ihm möglich, diese Gefühle und Gedanken zu Thaten werden zu lassen. Wir schließen diese kurze Lebensskizze mit dem Wunsch, daß es Albert Cohn gegönnt sein möge, noch lange Zeit an der Seite seiner edeln Gattin und im Kreise seiner Familie die Früchte seines Edelmuths zu genießen, und daß sich an ihm das auf ihn anwendbare, schöne Wort des Dichters bewähren möge: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat. Ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt Sein Wort und seine That dem Enkel wieder." Ignatz Wolf. Die VertmbMA der Men M5 Döhmen im Ichre 1777 und deren WiederM- Mtzme im Khre 1778. Von G. Wolf. Wenn man von den ältesten und würdigsten jüdischen Gemeinden spricht, so wird man der Prager jüdischen Gemeinde gedenken; sie ist „eine Mutter in Israel." Während andere ehemalige jüdische Gemeinden im Laufe der Zeit durch furchtbare Verfolgungen und durch ein planmäßiges Ausrottungssystern gänzlich oder theilweise vernichtet wurden und erst in neuester Zeit, wo mildere Anschauungen eine erneuerte Entwickelung begünstigten, sich wieder zu erheben begannen, ist die Prager jüdische Gemeinde trotz den furchtbarsten Schlägen, die sie getroffen, bis auf den heutigen Tag eine große Gemeinde geblieben, welche zahlreiche Männer hervorgebracht hat, die die jüdische Wis-