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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 262

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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262 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. den heidnischen Naturreligionen hat auch der Tod der Gottheit eine Bedeutung, den Kampf des unterliegenden Naturelements mit dem siegenden andeutend, wie in der ägyptischen Götterlehre der Kampf Typhon's und Osiris'. Auch dieser Umstand veranlaßte, dem Kreuzestode Jesu die gesuchte Bedeutung zu geben, obgleich der historischen Wahrheit nach Jesus diesem Tode zu entgehen suchte. Es ist wahr, daß man aus Feindschaft gegen das Judenthum später aus der Tödtung Jesu politisches Kapital zu machen gesucht hat, aber von Anfang zwangen auch die heidnischen Anschauungen zu einer entsprechenden Accommodation in Betreff dieser Thatsache. Dagegen sind die jüdischen Anschauungen vom Opfer ganz anderer, widersprechender Art, sodaß aus dem System des mosaischen Opfercultus die typische Anschauung vom Opsertode Jesu gar nicht erklärt und die Behauptung von der Verdrängung der thierischen Opfer durch seinen stellvertretenden Opfertod durchaus nicht gerechtfertigt werden kann. Denn die mosaischen Opfer haben einen symbolischen Charakter, keinen stellvertretenden. Die Sprengung des Bluts geschieht nur sinnbildlich zur Hinweisung auf die volle Hingebung der Seele an Gott, als Zeichen reuevoller Rückkehr und des frommen Vorsatzes zur Besserung des schuldbewußten, sündhaften Lebens, oder wie beim Dankopfer, um es zum sinnbildlichen Ausdrück zu bringen, daß Glück, Segen, Habe, Ernte und alles, was wir besitzen und dessen wir uns erfreuen, Gaben der göttlichen Gnade sind und wir ihm dafür zu danken haben, daß ohne ihn wir nichts find und haben, besitzen und genießen. Wir geben es ihm opfernd hin, weil er es uns gegeben hat und er es uns wieder nehmen könnte; wir legen es sinnbildlich in seine Hand zurück zum Zeichen dafür, daß aus seiner Hand wir es empfangen haben. Ganz verschieden also von der Idee des heidnischen Opfercultus, welcher uns die Gunst Gottes gewinnen und sie erhalten wollte! Auch würde der Opfertod Jesu nur die eine Art von Opfern, das Sündenopfer, berührt und aufgehoben haben. Schon aus diesem Grunde zeigt sich die-ganze christliche Anschauung vom Kreuzestod Jesu in einem schiefen Verhältniß zum mosaischen Opfercultus, in welchem jener seine typische Vorzeichnung finde und durch welchen dieser seine vollgültige Abrogirung erhalten haben soll. Die „Liebe" Gottes findet ihren speciellen Ausdruck in Aussprüchen, wie: „Ich bin gnädig u. s. w.; meine ganze Güte führe ich dir vor Augen" (Ex. 33, 19), in dem Verzeichniß der ogenannten Eigenschaften Gottes in Ex. 34,6 und 7: „Gott, Gott, allmächtig, barmherzig, gnädig" u. s. w. Die Wiederholung von. „Gott, Gott" wird von den Schriftauslegern ausdrücklich dahin gedeutet, daß der strafende wie der belohnende Gott immer derselbe Gott der „Liebe" sei. Alle Buß- und Bittgebete wenden sich an den „Gott der Liebe". So bei den alten Propheten wie in den Gebeten der spätern und noch üblichen Synagogenliturgie. Ich erinnere nur an das bekannte: „Gott, König, der du sitzest auf dem Thron des Erbarmens und über deine Welt in Liebe waltest" u. s. w. oder an das dem neutestamentlichen „Vaterunser" zu Grunde liegende: „Vater unser, unser König" u. s. w. Die Kindschaft Israels ist schon in Ex. 4, 22, Deut. 14,1 ausgesprochen. *) Gott als Vater anrufen heißt ihn als „Gott der Liebe" anerkennen. Gott straft auch; ja unter den Eigenschaften seiner Liebe (Ex. 34, 7) ist auch angeführt: „Er läßt nicht ungestraft." Aber diese Strafgerechtigkeit ist weit entfernt von leidenschaftlicher Rache. Leidenschaft muß ja überhaupt von dem vollkommensten und heiligsten Wesen ausgeschlossen sein, da sie einen Fehler, den Mangel an Kraft, sich zu beherrschen, involvirt, wenn man nicht, was noch schlimmer wäre, annehmen will, daß das Grundwesen Gottes auf Rachsucht, Bosheit mit oder ausschließlich angelegt sei. Die Bibel läßt Gott ausdrücklich sagen: „Mir gehört die *) Ex. 4, 22. Deut. 14, 1: „Israel ist mein erstgeborener Sohn. Kinder seid ihr dem Herrn, euerm Gott."

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