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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 258

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
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258 Jllustr. Monatsh. für die ges Nur eine Sache, welche nicht auf Wahrheit ruht, bedarf des Streits, ja lebt davon; jegliche Sache aber, die sich ihrer innern Wahrheit bewußt ist, lebt ruhig fort — im Vertrauen auf den gewissen Sieg. „Gott wird für euch streiten, bleibet ihr nur ruhig", ruft die Bibel Israel gleich am Anfang seiner Laufbahn, unmittelbahr nach seinem Auszug aus Aegypten, zu (Ex. 14, 14). Daher möchte ich auch hier nicht des Streits wegen, sondern lediglich zur Aufklärung gesprochen haben. In diesem Sinne rede ich zu Dir und möchte auch, daß Du hiervon den dieser Gesinnung entsprechenden Gebrauch machest. Die Beschuldigung, welche Du, lieber Freund, im Kreise Deiner Logenbrüder über das Judenthum aussprechen hörtest, ist keine neue, es ist die allbekannte: „Das Judenthum kennt nicht das Princip der Liebe, sein Gott ist ein Gott der Rache. Liebe wird der Welt erst durch das Christenthum gepredigt und sein Gott ist — der Gott der Liebe." Mit diesen Anschauungen vom Judenthum trägt sich das Christenthum von alters her; sie werden so auf Glauben unter den. Christen angenommen, es glaubt jeder darin den nothwendigen Gegensatz zum Judenthum zu haben und trägt ihn so ohne Prüfung weiter. Dich hat nun sowol der Eifer für die väterliche Religion wie das Interesse für die Wahrheit veranlaßt, über diesen Gegenstand nach Aufklärung für Dich und andere zu suchen. Bei mir kommt noch dazu, daß das Interesse für unsere Freundschaft mich drängt, Dir diese so schnell wie möglich und so ausführlich wie nöthig zu geben. „Das Judenthum also soll das Princip der Liebe nicht kennen und dieses ausschließlich und zuerst dem Christenthum eigen sein." Woher aber, frage ich, kam dem Christenthum dieser Vorzug? da es doch seine erste und Hauptquelle im Judenthum hat? Wie wäre unter euch soll auch der Fremde sein, der bei euch wohnt; du sollst ihn lieben, wie dich selbst." 22, 24: „Ein Recht sei sür euch, sür den Fremden sei es wie sür den Einheimischen, denn Ich, der Herr, bin euer Gott." s Interessen des Judenthums. es möglich, daß das Christenthum das sogenannte „Alte Testament" und in diesem auch die mosaischen Bücher, dieselben also wie das Judenthum, von Anfang an und fortwährend als seine Grundlage annimmt, wenn dieses sich in solchem Gegensatz zum Judenthum befindet, daß, wie es vorgibt, das Judenthum Haß und Rache und das Christenthum Liebe und Versöhnlichkeit lehrt? Dieser Gegensatz ist indeß gar nicht vorhanden. Jesus selbst lehrt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüthe. *) Dies ist das größte und erste Gebot. Das andere aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten" (Matth. 22, 37 fg.). Und er lehrt dies gleichzeitig und vorzüglich im Sinne des Judenthums (vgl. 16, 34 fg.). Diese Lehren finden sich wörtlich Deut. 6, 5. Lev. 19, 19 und 34. In dieser Uebereinstimmung der Hauptlehren bekundet das Christenthum deutlich sowol seine jüdische Entflammung, wie daß die „Liebe" das Grundprincip beider Religionen ist. In der That stand auch das Urchristenthum dem Judenthum nicht principiell entgegen. Es hatte ja seine Anhänger unter den Juden selbst; man duldete, daß Jesus öffentlich im Tempel predigte. Erst als die Römer anfingen, Jesus aus politischen Gründen zu verfolgen und seine Hinrichtung am Kreuze zu betreiben, als somit die Verbreitung des Christenthums in Judäa politisch verboten wurde und Paulus anftng, dasselbe unter die Heiden zu tragen, begann die neue Lehre eine andere, vom Judenthum abweichende und demselben feindselig entgegengesetzte zu werden. Es machte sich nämlich nicht blos allmählich der Einfluß heidnischer Sitten und Lehren geltend, sondern von vornherein mußten dem Heidenthum Concessionen gemacht werden. *) Genau nach dem hebräischen Text sollte es heißen „Kraft" statt „Gemüthe^. So auch die I^XX. Diese haben „Gemüthe" statt ,„Herzen".

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