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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 254

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. „«Risches» niemals", antwortete Gumpel, „noch eher hat er manchmal geneckt, aber er hat's nicht bös' gemeint; mich aber niemals. Gegen mich war er ganz besonders. Und wissen möcht' ich, wie es gekommen ist, daß er mich so gern gehabt hat und lieber wie alle andern Kinder?" „Das weißt du nicht?" sagte Rösele, „das will ich dir erklären. Er hat gesehen, wie sie dich alle behandeln, und wie sie auf dir herumtreten, weil du ein schlechter Kopf gewesen bist, deshalb hat er es gethan." Hiermit hatte sie spielend ein Problem aufgelöst, über welches sich der Lehrer sowol als die Mitschüler oft genug den Kopf zerbrochen haben. „Er hat sich deiner angenommen", fuhr Rösele fort, „denn er muß ein sehr gutes Herz haben." „Wenigstens hat er's gehabt", sagte Gumpel. „Und wenn er's gehabt hat", belehrte ihn Rösele, „so hat er's auch noch; denn das ist nicht wie ein Stück Geld oder so etwas, was man verlieren kann. Wer's einmal hat, kann es ebenso wenig verlieren, wie es derjenige erwerben kann, dem es von Natur fehlt. Ich bin auf etwas ganz anderes neugierig, ich trau' mich aber fast gar nicht darüber zu reden und zu fragen, weil ich mich fürcht', ich könnt' es hernach bereuen; denn oft ist es für den Menschen besser, er bleibt in Dunkelheit, als daß er hell sieht. Es thut mir aber sehr weh', und ich Hab' keinen Menschen, dein ich mich anvertrauen kann, außer dir." „Mir kannst du alles sagen, Rösele, denn was du mir sagst, ist mir, wie wenn es in der «Thoire» stehen möcht'; das ist mir heilig." „Denkst du noch daran", fragte Rösele, „wie Felix noch vor seiner «Barmizweh» krank gewesen ist?" „Ob ich d'ran denk'", sagte Gumpel, „das war für mich auch eine sehr traurige Zeit, und wenn du wüßtest, aus wen ich damals am meisten erbost gewesen bin." „Hast du", fragte Rösele, „damals auch gehört, was man in der Gass' erzählt hat?" „Ja", sagte Gumpel. „Ich war damals noch ein Kind", sagte Rösele weiter, „und Hab' den Sinn der Worte nicht verstanden; aber wo ich hingekommen bin, Hab' ich's hören müssen: Bärl Lederer hat ihn krank gemacht. Zu fragen Hab' ich mich nicht getraut, und bei mir hah' ich mir gedacht, mein Vater kann doch nicht so ein schlechter Mensch sein, daß er ein Kind krank machen wird; auch Hab' ich mir gar keine Ursache denken können, warum er so 'was hätte thun sollen; denn was hat Felix ihm gethan? auch Hab' ich mir nicht vorstellen können, wie mein Vater das hält' anstellen sollen, ein Kind krank zu machen, da er doch nicht einmal ein Doctor ist; deshalb Hab' ich das Ganze für leeres Gcred' und für Narreschkeit gehalten und Hab' mich nicht weiter darum bekümmert. An dem Tag aber, an welchem Felix herumgegangen ist b'urlauben, ist mir plötzlich ein Licht ausgegangen. Wie Felix zu uns hereinkommt, sagt ihm mein Vater ein Wort, das ich dir gar nicht nachsagen will, und von derZeit an Hab' ich gewußt, daß man jemand auch miteinem Wort krank machen kann, ohne daß man g'rad' dazu ein Doctor zu sein braucht. Mir ist augenblicklich dabei wieder das Gered' eingefallen, und ich hab's seit der Zeit fest geglaubt und glaub's auch noch, daß mein Vater damals den Felix krank gemacht hat. Du wirst jetzt versteh'n, Gumpel, warum ich damals, wie Felix weggefahren ist, so geweint Hab', daß du mich hast müssen nach Haus' führen. So viel ist mir klar, daß zwischen Felix und mein' Vater etwas Schreckliches muß vorgegangen sein. Ich Hab' das, was ich hier spreche, noch nicht über meine Lippen gebracht, du bist der erste und der letzte, dem ich davon sage; wahrscheinlich kannst du mir sagen, was ich vielleicht besser niemals erfahren sollte." „Was zwischen dein' Vater und Felix vorgegangen ist, weiß ich nicht, auch glaub' ich nicht, daß es ein Mensch genau weiß. Aber ich kann dir Dinge erzählen, die sich an demselben Tag zugetragen haben; vielleicht wirst du daraus erfahren, was du wissen

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