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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 253

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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Der Schlüssel. 253 größer's gesehen, als ihr seid. Der größte «Parch» (Schäbiger) hat die größte «Gaiweh» (Stolz). Das kommt aber nur daher, weil ihr alle nicht in die Welt hineinkommt und weißt keine «Benehmung« (Benehmen), mit die Leut' umzugeh'n. Ich bin im Dienst gewesen und Hab' die Welt gesehen und Hab' in Häuser' gelebt, wo da kann drinne ein «Forscht» (Fürst) wohnen, aber da könnt ihr euch eine «Reie» (Beispiel) nehmen, wie «gemein» die noblen Menschen sind. Ich Hab' ein' Haussohn gehabt, der war mir lieber in klein' Fingerl wie ihr alle zusammen, aber durch die ganzen vier Jahr' hat er mich nicht einmal beleidigt." „Wir haben ja nicht mit dir angefangen", sagte jetzt einer der Untenstehenden beschwichtigend, „du hast mit uns angefangen. Was geht dich an, was wir miteinander reden, sorg' du dich nicht um uns, so wird dich von uns auch keiner beleidigen, denn wir denken an dich das ganze Jahr nicht." Die letzten Worte hat aber roth Chanele nicht mehr gehört, denn in ihr kochte die Galle und sie ging sich zu rächen, und ihre Rache war furchtbar; schon bei den letzten Worten triefte es von den Untenstehenden in Strömen Wassers, und nicht vom reinsten; denn sie bediente sich des Ausschüttbüttels, dessen Inhalt nicht geeignet war, die Schabbeskleider der Jungen mit balsamischen Düften zu erfüllen, und würde sie sich nicht schnell so fest verriegelt und verrammelt haben wie in einer estung, so hätte keiner mögen in ihrer aut stecken, was sie für Schläg' erwischt hätte. Mit den vier Schuldigen mußte auch ein Unschuldiger büßen; aber das ist der Laus der Welt. Wenn ein allgemeines Unglück, sei es ein elementares oder von Menschen den Menschen bereitetes, hereinbricht, da wird nicht lange gefragt und gesondert und nach rechts und links ausgewichen. Wen's trifft, den trifft es eben. Rösele und Gumpel hatten keine Ahnung davon, daß sie in dem Augenblick die Ursache so ausgesuchter Bosheit waren; denn wenn auch alles mit ihnen beschäftigt war, sie waren mit etwas anderm beschäftigt, sie lustwandelten friedlich nebeneinander und unterhielten sich über — Felix. Felix, der abwesende Freund Gumpel's, war fast der ausschließliche Gegenstand ihrer Gespräche, und wenn sie auch von wo immer ausgelaufen waren, sie kamen doch immer wieder auf denselben Punkt zurück. Sie hatten auch gmug Veranlassung und innere sowol als äußere Anhaltspunkte, um dem Gespräch jedesmal eine Wendung zu geben, die auf Felix hinlenkte. Bald war es ein Baum, unter welchem Gumpel ehemals mit Felix im Schatten gelegen, bald ein zufälliges Wort, das Nösele sprach, und das Gumpel auch einmal hier von Felix vernommen, bald ein Graben, über welchen sie ehemals zu springen pflegten, bald dies, bald jenes; das Ziel ihrer Unterredungen war nie ein anderes als Felix. Hierbei leistete dem Rösele die inquisitorische Fähigkeit, die sie sich in so hohem Grade angeeignet hatte, vortreffliche Dienste. Sie wußte aus Gumpel alles herauszukitzeln, worüber Aufschluß zu haben ihr Werth und wichtig schien, sie wußte ihre Fragen so fein zu stellen, daß sich Gumpel merkwürdigerweise an Sachen und Gespräche erinnerte, an die er sonst gewiß nie mehr gedacht haben würde, und die nun wieder plötzlich in voller Klarheit in seinem Gedächtniß auftauchten. „So hast du also immer seinen «Sechus» (Verdienst) mitgenossen", sagte Rösele lächelnd zu Gumpel, .nachdem sich beide auf dem Spaziergang von der übrigen Gesellschaft etwas entfernt hatten, was er selbstverständlich bejahte. „Er muß", sagte Rösele weiter, „ein großer Wildfang gewesen sein und vor dem Lehrer muß er gar keinen Respect gehabt haben." „Ich weiß nicht, wie Respect aussieht", antwortete Gumpel, „gefürchtet hat er sich vor ihm gar nicht, aber gern' hat er ihn doch gehabt. Wenn einer auf den Lehrer etwas gered't hat, war Felix der erste, der den Lehrer vertheidigt hat." „Und hat erinseinenGassenjungereien den andern Kindern kein «Risches» (Böses) gethan?" fragte Röfele.

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