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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 252

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Sache wissen, oder er mag auch nichts wissen. Das ist alles eins. Ich glaub' aber, er weiß es gut, denn er ist nicht blind, aber er druckt nur ein Aug' zu, um nichts zu sehen; denn ihr kennt den Mann gar nicht, wie er ist. Wenn ihr den kennen wollt, so müßt ihr ihn einmal belauscht haben, wie es mir zufällig einmal geschehen ist, auf dem «guten Ort», auf dem «Kewer» (Grab) von Pessele; wie er da geweint hat und zu ihr gesprochen hat, als wie wenn sie noch leben möchte, daß er an Rösele alles das Gute will vergelten, was er ihr nicht mehr hat erzeugen können, weil sie ihm so früh gestorben ist. Das ist auch ein Mensch, den man kennen muß; aussehen thuk er, wie wenn er einen auffressen wollt', aber er ist im Grund' sehr weich und von Rösele laßt er sich um den Finger Herumwickeln. Gumpel ist auch gar nicht so aufgeblasen und kein so abgerissener Narr, wie ihr euch einbildet. Daß er kein Narr ist, das brauch' ich euch nicht zu beweisen, — mir kommt vor, ihr möchtet gleich auf der Stell', alle wie ihr seid, solche Narren sein, euch mit Rösele zu unterhalten. Daß er aber sich für Felix Frank halten möcht', darin thut ihr ihm unrecht; es ist möglich, daß er ihm manches nachmacht, was er früher von ihm gesehen, und das liegt in der Natur eines jeden Menschen, daß man das nachmacht, was einem gefällt. Ich Hab' noch nie von Gumpel gehört oder gesehen, daß er sich mit Felix verwechselt, und deshalb seh' ich auch gar nicht ein, warum sich die beiden nicht kriegen sollen. Ich meine, wenn sie sich vom Himmel bestimmt sind, so werden sie sich kriegen, und dann wird auch ein jeder finden, daß sie zusammenpassen wie ein Ei zu einer Weinsupp'; denn was einmal «min haschomajim» (vom Himmel) ist, das ist «min haschomajim»!" „Man sieht, daß der «Schames» dein «Quatter» (Pathe) ist", sagte hierauf wieder der erste, „sonst möchtest du Gumpel nicht so »verexcusiren». Excuse ist todschad'! Man hätt' nicht gemeint, daß du so viel reden kannst; ein ganzer Advocat ist an dir verloren gegangen." In demselben Augenblick erschallt ein höhnendes Kichern, sodaß die Jungen alle erstaunt aufblicken. Es war roth Chanele mit den „schikligen" (schielenden) Augen, die das Gespräch von einem Bodenfenster herab belauschte, und die nun nicht weiter mit der Rolle einer müßigen Zuhörerin fürlieb zu nehmen gesonnen war. Deshalb sagte sie in abgebrochenen Sätzen, denn sie konnte vor Kichern kaum zu Worte kommen, so wie jene Leute, die einen Witz oder eine Anekdote erzählen wollen, aber vor Lachen nicht reden können: „Was meint ihr denn, ihr Jungen, wir «Madlech» werden uns von euch vorschreiben lassen, wen wir gern haben sollen und wen nicht, oder wer uns von euch am besten gefallen soll? Das heißt sich etwas eingebild't auf seine paar Groschen, die so einer in der Tasch' hat, und wenn einer zwei Groschen mehr hat wie ein anderer, glaubt er schon, er ist ein vornehmerer Mensch, und ich mein', Gumpel ist auch kein «Schnorrer», und wenn wir ihn vorziehen, so könnt ihr uns das nicht verwehren." „Wer red't denn mit dir, und wer will es dir wehren", sagte jetzt einer der Jungen, der inzwischen zur Besinnung Zeit gewonnen hatte, „unsertwegen kannst du dich in alle Gumpels von der Welt vergaffen; es wird ihn darum keiner von uns «mekanne» sein (beneiden). Hast du das schon gesehen dein Lebetag, roth Chanele will sich mit Rösele vergleichen. Ein Muster, zweierlei Modell! Warum bist du da oben auf'n Boden und guckst zum Dachfenster! heraus? Hast du ein paar Katzen oben, die dir die Zeit vertreiben? Oder thust du «efscher» (vielleicht) gar am heiligen Schabbes die. Hasenhäutlech zählen? Warum gehst du nicht spazieren vor'n Thor hinaus oder über die Bruck', wie die andern Madlech? Nur, du weißt bei dir «dein' Weiß» (den Grund); du denkst dir, es wird sich kein Jung' um dich kümmern; darum thust du hier lieber horchen, aber der Horcher an der Wand hört sein' eigene Schand!" „N'weh!" sagte darauf roth Chanele, „schämen sollt ihr euch die Augen aus dem Kopf heraus! Ich Hab' in mein' Leben schon etwas

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