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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 251

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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Der Schlüssel. 251 Blättel «Gemoreh» zu erlernen", worauf jener Bescheidene, den wir bereits kennen gelernt haben, einwarf: „Weil ihr alle nichts versteht. Fall' auf den Rücken, schlag' dir ein Aug' heraus. Wie kommen die Rüben in den Sack hinein? Es hat schon mehr wie einer kein Blatt «Gemoreh» gekannt und ist deswegen doch ein guter Dorfgeher oder Geschäftsmann geworden. Von euch wegen dürften nur die «Lamdonim» (Gelehrte) gute «Sochrim» (Kaufleute) werden und die «Amrazim« (Unwissenden) könnten sich nach Haus' setzen, und was sollen sie zu Hause anfangen? Sollen sie «Gemoreh» lernen? Was wundert ihr euch, daß Gumpel auf einmal lebendig ist und wach und daß er reden kann? Hat er «efscher» (vielleicht) kein Herz im Leib? Oder meint ihr, daß ein Madel, wie Rösele, nicht im Stand' ist, einen aufzuwecken, wenn man schläft, und einem das Maul aufzumachen? Ich wundere mich über alles das gar nicht; denn ein schön Mädele ist wie eine Zauberei. Man kann sich das gar nicht mit dem Verstand ausdenken, was sie alles in einem Menschen bewirken kann." „Ich wundere mich nicht so sehr über Gumpel wie über Rösele", sagte wieder der erste. „Was findet sie nur an ihm? Der Jung' hat, unter uns gesagt, kein «Tam» und kein «Ram» (keinen Reiz). Noch eher glaub' ich, daß auf sie ein »Kischef» (Zauber) wirkt, als wie auf ihn; denn sich in Rösele zu verlieben, da braucht man keinen «Kischef» dazu, aber sich in einen solchen Jung' zu vergaffen, das geht nicht mit rechten Dingen zu." „Und ich", sagte der zweite, „wunder' mich noch mehr als über beide über Bärl Lederer. Ich weiß nicht, hat er Augen im Kopf oder nicht. Sieht er nicht, was die ganze Welt sieht, oder weiß er, was vorgeht, und läßt es gutwillig gescheh'n. Wenn einer Bärl Lederer heißt, der doch, wie ich mein', auch nicht auf den Kopf gefallen ist, und eine Tochter hat wie Rösele, die verdienen möcht', einen Prinzen zu bekommen, und um die ich mir den kleinen Finger herunterschneiden lassen möcht', so ist mir das ganz unbegreiflich, und wenn die Geschichte in «Tausend und eine Nacht« stehen möcht', wo alle Sachen von Zauberern verrichtet werden, so könnt' keiner von euch sagen, daß sie nicht hineinpaßt." „Wenn Gumpel nur kein aufgeblasener Mensch wür', daß er sich einbildet, er selber ist Felix geworden", begann jetzt der dritte, „aber er ist ein abgerissener Narr und meint, gerad', weil es so ist, muß es so sein und könnt' gar nicht anders sein; er meint, weil Felix nicht mehr da ist, so ist er der erste unter uns, weil er alleweil mit ihm umgegangen ist; er meint, weil Rösele ihn gern hat, so ist er etwas, und anstatt sich mit seinen: Glück im stillen zu freuen, sieht er aus wie einer, der noch stolz ist auf seine gute «Mailes» (Vorzüge). G'rad' als wenn er sich das liebe Rösele selber erschaffen hätt'!" „Und ihr mögt meinen und sagen, was ihr wollt", bemerkte hierauf der vierte, „so sag' ich euch, daß sie sich doch nicht kriegen; denn was einmal nicht zusammenpaßt, das paßt nicht zusammen. Und Gumpel paßt zu Rösele g'rad' so wie ein Strohdach auf Löb Frank's Haus. Ich sag' euch einmal, daraus wird nichts. Ihr könnt' sagen, ich hab's euch gesagt, und ich werd' euch einmal daran erinnern!" „Das sind lauter leere Red", versetzte der fünfte, der, wie wir schon früher gesehen haben, gegen diese Angriffe des Neids die Vertheidigung Gumpel's übernommen hatte, „ich seh' nicht ein, was ihr an dem Paar auszusetzen habt, und was ihr von den beiden wollt. Ich wundere mich' ebenso wenig über Rösele wie über Gumpel. Denn gesetzt, der Jung' hat wirklich kein «Tam» und kein «Ram», so macht das gar nichts aus; denn die Lieb' ist blind, wie man sagt, und wenn er in ihren Augen «Chehn» (Gunst) gefunden hat, so braucht man da auch gar keinen «Kischef» (Zauber) dazu. Gott macht es so, daßdem einen das gefällt und dem andern ein anderes, und wenn alle Leut' auf der Welt denselben «Guste» (Gusto) hätten und möchten alle dasselbe verlangen, so könnt' die Welt auch keinen «Kijem» (Bestand) haben. Bärl Lederer mag von der

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