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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 250

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. große Geschicklichkeit angeeignet, daß man sie für einen Untersuchungsrichter oder Polizeicommissar hätte halten können. An jenem Tage, an welchem Felix in die Fremde ging und auch zu ihrem Vater „b'urlauben" kam, hat sie seit dem Tode ihrer Mutter, die sie sich im Himmel unter den Engeln weilend vorstellte, den ersten tiefen Schmerz erfahren. Die Worte, die Barl Lederer damals sprach, haben ihr einen Stich ins Herz gegeben, und es gewährte ihr einige Beruhigung, daß sie dem scheidenden Knaben noch vor seiner Abreise zu verstehen geben konnte, sie habe mit dein, was ihr Vater gesprochen, nichts gemein und nichts zu schaffen. Gegen den Vater beobachtete sie seit jenem Tage ein auffallendes Stillschweigen, was aber Bärl Lederer, der ohnehin nicht viel Worte zu machen gewöhnt war, nicht sonderlich auffiel; desto fester und inniger schloß sie sich seit der Zeit an den Knaben an, der sie damals, als sie vor Thränen kaum sich halten konnte, aus Löb Frank's Haus zurück in ihre Wohnung geführt. Zwischen Rösele und Gumpcl bestand seit jenem Tage ein stilles Einverständniß. Die ganze Woche war Gumpel im Dorf; Schabbes Nachmittag aber, wenn die Jungen und Mädchen spazieren gehen, konnte man die beiden immer nebeneinander sehen. Gumpel ist zwar noch immer kein sehr aufgeweckter Mensch geworden, aber soviel Verstand sein Geschäft erforderte, besaß er. Auf sein Geschäft verstand er sich, und was er sonst noch wußte, benutzte er dazu, Rösele's Fragen zu beantworten. In der Khille war er ein vielbeneideter Mensch; seine ehemaligen Mitschüler, die nun auch schon je nach ihren Mitteln Geschäftsleute oder Dorfgeher waren, platzten vor Galle, wenn sie bei Rösele gar nicht zu Worte kommen konnten. „Er hat mehr Glück als Verstand!" sagte der eine. „Der Dumme hat's Glück!" sagte der andere. „Die größte Sau kriegt den besten Bissen!" meinte ein dritter. „Ein goldener Nasenring an den Rüssel eines Schweins!" war die Bemerkung eines vierten, der sich noch vom „Cheder" her an einen Vers aus „Mischleh" (Sprüche Salomo's) erinnerte; und nur einer meinte bescheiden: „Mwilebo'iänsssaNälsi!" „Der Fuchs in seiner Zeit — soll man ihm Ehre erweisen", fügte er in deutscher Uebersetzung hinzu, womit er seinem Vorredner zugleich den Beweis lieferte, daß auch er noch nicht alles vergessen und daß ihm sogar noch ein Stücke! „Rasche" (Commentär zur Bibel) geläufig sei. Diese bescheiden resignirende Denkweise blieb aber nicht unerwidert. Denn die Gegner derselben meinten, der Fuchs bleibt doch immerhin ein Fuchs und wird sein Lebtag kein Löwe, und wirf die Katz', wie du willst, fällt sie auf die Füß'. Er ist aber ein glücklicher Mensch von der frühesten Kindheit an bis herauf auf den heutigen Tag. Im „Cheder" schon hat ihn Felix so gern gehabt; schon damals habe er wegen Felix mehr Freiheiten genossen als alle andern und konnte im Wald herumgeh'n, wenn sie bei der „Gemoreh" schwitzen mußten, und jetzt hat er noch mehr Glück, jetzt ist gar Rösele in ihn verliebt. Jeder von ihnen möcht' sich nach ihr die zehn Finger ablecken, aber sie sieht sich auf keinen Jung' um, g'rad' als wie wenn Gumpel der schönste, oder der gescheitste, oder der reichste, oder gar der einzige Jung' in der „Khille" wär'. Und sie seien doch auch keine Hundsfötter; Gumpel aber ist ein ganz besonderer „Bal Masel" (Glückspilz) und muß unter einein eigenen „Koichew" (Sternbild) geboren sein. „Beständig fort reden sie miteinander", sagte nun wieder der eine, „ich möcht' wissen, was sie in einem fort miteinander zu reden haben." „Ich hätt' in meinem Leben nicht geglaubt", meinte wieder der zweite, „daß ein todter Mensch auf einmal so lebendig werden kann." „Und ich", meinte der dritte, „Hab' mir's nicht träumen lassen, daß ein Schläfer auf einmal so wach sein kann." „Und ich", sagte der vierte, „hätt' mir die Nas' drauf Herunterschneiden lassen, daß aus Gumpel niemals etwas werden wird; er war nicht im Stand', das leichteste

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