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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 248

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 Jllustr. Monatsh. für die ges. überlaffen hält'. Me «Hasenhäutlech» waren zu wenig für ihn und das alles mit seine vier Groschen. Ich Hab' das besser bemerken gekonnt wie ein jeder anderer, denn ich thu keinem von euch ein' «Aussteiger», ich setz' meine Fensterscheiben ein und weiter «poter» aus. Wie ich ihn damals draußen treff', sag' ich zu ihm: Nu, Gumpel, bist auch schon ein Dorfgeh'r geworden? In «Cheder» zu sitzen ist besser und alle Tag' zu Haus' Supp' und Fleisch oder Mehlspeis' essen, als wie da herumgeh'n und schwitzen, bevor man ein' Groschen verdient. Da geht eine andere «Sedreh« als wie in «Cheder». Er aber sagt: Ich bet' euch, hört mir auf mit der «Seoreh», ich bin froh, ich brauch' kein «Chumesch» mehr in die Hand zu nehmen. Und wenn ich mich noch so plagen soll, das sag' ich euch: All's besser wie gelernt. — Wie wenn es gestern gewesen war', thu' ich mich daran erinnern, sobald ich ihn sehe. Man muß es aber sagen, er ist ein ganz tüchtiger Jung' geworden und hat sich seine schöne paar hundert Gulden erspart. Und alles mit die vier Groschen. Und ein schöner Mensch ist er auch, und es wundert mich gar nicht, daß Rösele so in ihn vernarrt ist, und wenn ich an deiner Stell' war'", hiermit wendet er sich an Bärl Lederer, „möcht' ich ihm die Mad geben." Nuche Plauscherin sah, daß Salme Gloser den Sinn ihrer Rede besser aufgefaßt hatte als Bärl Lederer, deshalb unternahm sie es rasch für diesen die Antwort zu ertheilen: „Wenn man so eine Tochter hat, wie Rösele Bärl's ist, braucht man sich nicht zu beeilen, mein lieber Saline, und sie dem ersten besten an den Kopf zu werfen. Ich mein', so ein' «Schidech» (Partie), wie Gumpel ist, wird sie noch immer ausnehmen. Mein' Eisek — vorige Woch' hat er sich eine neue goldene Uhr gekauft — eine Repetiruhr — was die Stunden schlagt — auf die neue Mode — in Brünn tragt man jetzt solche Uhren — und im Theater ist er in Brünn auch gewesen — «paketel« ein Stück, erzählt er, haben sie dort aufgeführt — eine ganze Interessen des Judenthums. Räuberbande — nu ja, wenn einer schon solche Geschäfte macht, daß er auf Brünn thut, muß er doch auch schon in Theater geh'n." „Nuche", sagte Gawriele Stuffer, „hitzet hör' auf, sonst schmeißen wir dich aus'n Rä'del heraus, und wenn du willst, kannst du mir gleich voraus sagen, wo du am liebsten aufstehen willst; denn wenn du wieder anfangst zu plauschen, so ist mit dir nicht auszuhalten." ,,'N weh", sagte Nuche, „das heißt mir «Moire» (Furcht) gemacht; meinst du, ich fürcht' mich vor dir. Mei Eisek kann es mit dir auch noch aufnehmen, und er ist mir lieber in kleinem Finger! wie zwanzig solche Gumpels." „Jetzt ist es draußen", sagte Mechol Pradenik, „jetzt wird sie schweigen; das eine Wort hat sie auf der Brust liegen gehabt, und das hat gedrückt wie eine fette Schabbeskugel. Habt Ihr gehört, Reb Bär? Man hat Euerer Tochter hier schon wieder einen neuen «Schidech» (Partie) gered't Soll man heut' Abend die Schal' zerbrechen?" und schallendes Gelächter des ganzen Rä'dels begleitete diese Aeußerung, worüber Nuche Plauscherin, die einzige, die nicht mitlachte, vor Zorn seuerroth wurde; und sie hätte bei ihrer großen Beredsamkeit auch sicherlich nicht schweigend solche Beschämung erduldet, wenn nicht eben in demselben Augenblick, in dem sie den Mund aufthat, um die Schale des Zorns über die Spötter auszugießen, der Schames zum „Minche", d. i. zum Abendgebet in Schul gerufen hätte. Das Rä'del zerstreute sich; wer in Hemdärmeln war, mußte sich erst seinen Rock holen, denn so konnte er nicht in Schul gehen. Nuche war so zornig, daß sie nicht in Schul, sondern nach Hause ging und sich vornahm, das Rä'del nicht mehr zu besuchen. Eitler Vorsatz! Nuche Plauscherin und kein Rä'del besuchen! Wo ließ es sich denn besser plauschen als eben im Rä'del! Wir können überzeugt sein, daß Nuche's Vorsatz zu jenen Entwürfen gehört, von denen der Dichter singt, daß sie der „Mensch, der vergängliche, baut".

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