Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Schlüssel. 247 „Besser, man kann etwas, als man kann gar nix. All's soll man kennen, nix soll man brauchen", sagte Schloime Klatschkopf. „Wenn ich lieber das Geld auf ein «Hänsele» beisammen hätt', was die alle Maden dort «Nedan» (Mitgift) kriegen werden, war' mir lieber wie «enkere» (eure) Red'." „Wer ist das dort in dem Rosakleid, die neben Gumpel'n Schames geht?" fragte Ruche Plauscherin. „Die kennst du nicht?" sagte Cheile Schlumpersack, „Bärl's Tochter Rvsele." „Das heißt eine Größ', was die Mad bekommen hat, nicht zu erkennen, wie die alle Tag' daher wachsen thut; über alle Maden ragt sie schon hinaus, und wie alt ist sie denn ganz und gar?" „Wie alt wird sie sein", sagte Mechol Pradenik, „noch keine zwanzig Jahr. Nicht wahr, Reb Bär?" „Ohne »Schaboßim und Jontoiwim» (Sabbate und Festtage), sagte Schloime Klatschkopf ironisch. „Ihr müßt rathen und ich weiß es", gab Bärl Lederer darauf zur Antwort. Denn sie war in Wahrheit schon Mer als zwanzig; aber als kluger Geschäftsmann, wollte er die bessere Meinung von" seiner Waare nicht zerstören. „Laßt sie sein, wie alt sie will, bis hundert Jahr", sagte Salme Gloser, „aussehen thut sie wie eine Prinzessin. Das heißt eine Schönheit! Ich weiß gar nichtwoher dir so was zukommt, Schwager Bärl." „Weil du ein Narr bist!" sagte Bärl Lederer, „warum? mei Pessele, in «Genedem» (Paradies) soll sie ruhen, ist «efscher» (vielleicht) nicht schön gewesen?" „Wißt ihr, Reb Bär", sagte Mechol Pradenik, „für die Mad dürft ihr euch schon die «Nedan» Mitgift zurechtlegen; die darf schon eine «Kalle» (Braut) werden." „Für so eine Mad?" sagte Ruche Plauscherin, „ein' Schad für jeden Kreuzer; bei so einer Mad muß einer noch an der «Srefeh mejater« sein (an dem Brand profitiren). Geld in Beutel müßt' mir ein «Chossen» (Bräutigam) noch herauszahlen, wenn ich ihm sie geben sollt'." „Du red'st, Ruche", sagte Bärl Lederer, „wie wenn du gar keine Jüdene wärst. Was sind das für Narreschkeiten; so was kann Vorkommen bei «ihnen», verliebt sich meinetwegen ein Graf in eine Bauerntochter; aber bei uns verliebt man sich nicht, und man nimmt keine umsonst, und wenn sie noch so schön ist, und was du red'st, ist lauter!«Stuß» (Thorheit)." „Das kann man nicht wissen", und gleichsam, als wollte sie den tiefen Sinn ihrer Rede ein wenig entschleiern, fuhr Ruche fort: „Wie sie sich in den Gumpel hineinhängt, wie wenn er der schönste und reichste Jung' in der Gass' wär'. Reb Bär, wird man zu die zwei bald «Masel Tow>> sagen (gratuliren) dürfen?" „Gar nicht zu sagen", fing nun Chawele Spazierstock an, „was der Gumpel für ein Mensch geworden ist. Wie man sich kann «toie» sein (irren), man hat gemeint, er taugt zu gar nichts, und heut' nimmt er's mit jedem Jungen auf." „Was weißt du von Gumpel", sagte Salme Gloser, „den mußt du im Dorf draußen sehen. Ich denk' noch, wie er hat angefangen, in Dorf zu gehen und zu handeln, das ist jetzt eine «Maiße» (Geschichte) von vierzehn, fünfzehn Jahr'. Er war damals grad' nach der Barmitzweh, ein Krupp! Berech da ist ein Ries' gegen ihn, wie er damals ausgesehen hat, aber stark ist er schon damals gewesen. Gleich am ersten Tag hat er sich ein Tabackfeifele gekauft und ein' Tabackbeutel mit einem «Sparak» daran, der bald größer war wie er, und mit seine vier Groschen, die er noch in der Tasch' gehabt hat, ist er hinausgegangen, wie wenn einer tausend Gulden in der Tasch' hat. Das heißt ein großer Jung', was der damals wie über Nacht geworden ist. Wenn er in Dorf hinausgekommen ist, hat er dir ausgesehen wie einer, der dich fragt, wie du dich unterstehst, da herumzngeh'n, wo er geht; wär' nöthig gewesen, daß alles nach Haus gegangen wär' und ihm das ganze Dorf