Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Ihr denn Reb Löb oder Jentel schon einmal nach Felix gefragt, daß Ihr so bestimmt sprecht?" „Was brauch' ich viel zu fragen?" sagte Bärl Lederer, „fragt man viel, «pschat» (antwortet) man viel, und ich thu nicht gern einen in Verlegenheit bringen, besonders Reb Löben; aber man kann es ja den Leuten vom «Ponim» (Gesicht) herunterlesen, was drauf geschrieben steht. All' mein' Tag' Hab' ich gehört und gesehen, daß, wenn die Kinder gut gerathen sind, wie's Gott und die Welt will haben, daß die Aeltern nicht stumm dabei bleiben wie ein Fisch. Habt Ihr schon einmal gehört, daß Löb und Jentel Frank sich mit dem Sohn gerühmt haben wie andere Aeltern? Haben sie schon einmal von ihm ein' Brief in der Khille herumgewiesen, was er nach Haus, schreibt? Man hört nix, man sieht nix; das ist kein guter «Simen« (Zeichen). „Ihr red't, wie Jhr's versteht", sagte Sawel Kornmehl. „Weil Reb Löb und Jentel Frank keine Prahlhänse sind, deshalb muß Felix gleich ein schlechter Mensch sein? Was sollen sie thun? Sollen sie sich von Löbele Polizei die Pauk' nehmen und sollen auspauken, was Felix nach Haus geschrieben hat? Ich kann Euch sagen, ich Hab' schon mehr als einen solchen Brief von ihm gelesen; denn ich erkundige mich nach Felix, so oft ich mit Reb Löb oder Jentel Frank spreche, und sie haben mir noch kein einzig mal eine ausweichende Antwort gegeben. Felix ist ein Doctor. Daß er nicht nach Haus kommt? Was braucht er herzukommen? Reb Löb selbst ist genug oft in Wien. Und Jentel fahrt, seitdem Felix hat angefangen zu studiren, auch alle Jahr einmal hinein. Und was soll er hier machen? Soll er «efscher» (vielleicht) zu Euch herauskommen, um zu hören, wie schlecht Ihr von ihm denkt?" „Meinetwegen", sagte Bärl Lederer, „kann er bleiben, wo er ist. Und wenn ich mich «toie« bin (irre), so ist es mir lieber. Aber ich bleib' bei meiner Red', wie ich's versteh'. Wenn's ein anderer besser versteht, ist mir auch recht. Wir werden schon sehen, wer ein besser Aug' hat, ob ich oder ein anderer." „Der kann einem die Gall' herumrühren", sagte Schloime Klatschkopf, „und wenn einer das «Bestemm» kriegt, Bärl hört nit auf, er muß alleweil das letzte Wort haben." „Es ist auch nicht nöthig, daß Sie sich weiter darüber ereifern", sagte Mechol Pradenik, „man weiß sehr gut, daß Reb Löb Frank's Sohn in Wien keine «Rebene Tam's Tfillim» legt . . ." „Leget' er nur die gewöhnlichen", warf Schloime Klatschkopf rasch hinein. „Aber", setzte Mechol Pradenik fort, „man weiß auch, daß das, was Bärl Lederer meint, nicht wahr ist; denn so etwas laßt sich nicht verbergen. Auch kennen wir ja Jentel Frank gut genug; wenn sie eine «Makeh» (Wunde) hätt', so möcht' sie sie frei tragen." Bärl Lederer war eben daran, dieser Argumentation entgegenzutreten, als ein Schwarm junger Männer und Mädchen, feiertäglich gekleidet, über die Brücke daherkam und die Aufmerksamkeit des Rä'dels aus sich lenkte. „Die Jungen und die Maden kommen schon vom Spazierengehen zurück", sagte Ruche Plauscherin. „Seht ihr, Reb Bär", sagte Schloime Klatschkopf, „die legen auch keine Rebene Tam's Tfillim; anstatt den »Perek» zu sagen, gehen sie den ganzen Nachmittag mit den Maden herum." „«Esscher» (vielleicht) hast du's anders gemacht, wie du noch ledig warst", sagte Cheile Schlumpersack. „Was hast du von seine Red'", sagte Ruche Plauscherin weiter, „wenn ihm einer zuhört, meint man, er ist der größte «Choßid» (fromme Mann)." „Weil ich werd' leben", sagte'Gawriele Stuffer, „wie er den ganzen Tag über der «Gemore« sitzt. Er kann ganz «Schaß» außenwenig." „Außenwenig", sagte Mechol Pradenik, „und innen gar nichts." „Ah nein", sagte Gawriele, „er hat, wenn er mit dir spielt, alle vier «Meßachtes«: Roth und Grün und Schell und Achel im Kopf."