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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 245

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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Der Schlüssel. 245 und «präpelt» (flüstert) fort, bis er wieder hinausgeht. Wenn der «Landrow» (Landesrabbiner) hier eine «Drösche» führen möcht', er sieht aus feinem «Thillim» doch nicht heraus." „Was denn?" sagte Bärl Lederer, „wenn ich in Schul' komm', muß ich wissen, warum. In Schul' geht man zu «dawenen» (beten), aber nicht sich zu unterhalten; und wenn du von der «Drösche» (Predigt) ein «Naches» (Vergnügen) hast, so bist du gar nicht «joize» (der Pflicht entledigt)." „Loi Amhorez chossid!" (ein Unwissender kann kein Frommer lsein), sagte hierauf Sawel Kornmehl; er sagt es aber nur so für sich, ohne daß die andern es genau hören konnten, denn er war zu sanft, um jemand öffentlich zu beleidigen; deshalb wandte sich Cheile Schlumpersack an ihn mit der Frage: „Was sagen Sie, Herr Mechol Pradenik aber sagte: „Was heißt du ihn noch alleweil' «Herr Lehrer«. Das ist er einmal gewesen. Mir scheint, jetzt könntest du auch «Reb Sawel» sagen, denn er ist ein ebenso guter «Balbos» (Familienvater) in der «Khille» als wie ein jeder anderer." ,,'Nweh", sagte Cheile Schlumpersack, „ich Hab' ihm ja nicht an die Krön' angegriffen. Ich weiß so gut wie du, wer Reb Sawel ist, und wenn ich zu ihm «Herr Lehrer« sage, so ist das keine Beleidigung. Schämen Sie sich «efscher» (vielleicht)", wendete sie sich zu ihm, „daß Sie einmal Lehrer gewesen sind, haben Sie zu wenig -Talmidim» (Schüler) ausgestellt?" „Nennen Sie mich, wie Sie wollen, Madame Cheile", entgegnete der ehemalige Lehrer, welcher, seitdem er verheiratet war und ein Haus in der Gemeinde hatte, in der Regel mit seinem wirklichen Namen Reb Sawel Kornmehl genannt wurde. „Wie lang kann das schon sein, seit Ihrer «Chaffene» (Hochzeit), Herr Lehrer?" fragte Cheile Schlumpersack weiter, obwol sie es ebenso gut wußte wie er selbst; sie that die Frage aber nur, weil ihr gerade nichts anderes einfiel und sie Mechol Pradenik zeigen wollte, daß sie mit Reb Sawel Kornmehl auf ganz gutem Fuß stehe. „Das wird jetzt bald vierzehn Jahr' werden; es war grad ein Jahr nach der Barmitzweh von Reb Löb Frank's Sohn", antwortete der Gefragte. „Begierig bin ich", sagte Schloime Klatschkopf, „was aus diesem Felix geworden ist. Mir scheint, Löb Frank hätt' auch gescheiter speculirt, wenn er ihn zu sich in Geschäft genommen hätt'." „Warum?" sagte Mechol Pradenik, „du meinst, weil du in Dorf gehst, darf kein anderer etwas anderes speculiren." „Den Unterschied soll ich mein Eigenes haben", sagte Salme Gloser, „ich denk' noch an die Barmitzweh, wie wenn es gestern gewesen wär'. «Helwajeh» (Gott wolle) mein Jzeg hält' so ein Kopf gehabt, ich hätt' ihn auch kein Dorfgeher werden lassen." „Warum?" sagte Bärl Lederer und sah ihn dabei mit zürnenden Blicken an, „damit er auch ein «Posche Jisrol» (Sünder) werden soll wie Feiwele." „Was bringt Ihr dem Menschen ein «Schemrah» (bösen Ruf) auf, Reb Bär?" fragte Sawel Kornmehl, sich seines ehemaligen Schülers annehmend. „Habt Ihr von ihm etwas Schlechtes gesehen oder gehört? Was wißt Ihr ihm nachzusagen?" „Was werd' ich wissen? Nichts andres, als was ich schon gewußt Hab', wie er noch ein Kind war und den Gallech mit'n Glöckel gegrüßt hat. Und wenn es nicht wahr ist, was ich mein', und was ich nicht laut sagen will, warum kommt er gar nicht heraus? jSchickt sich das von ein Kind, so lange Jahr' in der Fremd' herumzugehen nnd nicht ein einzig mal die Aeltern zu besuchen? Geht hinauf zu Löb Frank, wenn ihr «Krasche» (Courage) habt, und fragt ihn, oder sein Weib nach Feiwele, und Ihr werdet sehen, ob sie Euch werden eine «Tschuweh» (Antwort) geben." „Ihr seid ein merkwürdiger Mensch, Reb Bär, seid mir «moichel» (verzeiht), ich weiß nicht, wie Ihr mir vorkommt!" sagte entrüstet Sawel Kornmehl. „Habt

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