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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 239 (sequence 79)
Language
German
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Misce lle. 239 Der zweite Act spielt im Kerker. Selica bewacht den Schlummer des gefangenen Vasco de Gama, sie fächelt ihn mit dem Federwedel in süße Träume ein und singt ihm die lieblich-süße Weise der fernen Heimat. Dazwischen bricht in leidenschaftlicher Glut der Schmerz hervor, denn sie weiß, daß er nicht sie liebt, sondern Ines, die weiße Frau. Die Liebesklage tont so süß und schmelzend von ihren Lippen und verstummt doch immer wieder, sobald Vasco sich regt; aus der schluchzenden Klage hebt sich dann gleich wieder in keckem Rhythmus das heitere Schlummerlied hervor, bis es wieder unter dermSchmerzensschrei ihres Herzens erstickt, wenn Vasco schläft. Nun schleicht — die eigentümlich fremdartige Musik der Glöckchen und Triangel und des Tamtam kündigen ihn schon an — der Sklave Nelusco heran, er will Vasco de Gama ermorden, aber Selica hält ihn zurück; die Sklavin verwandelt, sich in die Königin, sie gebietet, sie befiehlt, und Nelusco, ihr Getreuer, gehorcht. Sie weckt Vasco de Gama, sie zeigt ihm auf der Zeichnung der Meere und Länder, die er von sich ausbreitet, den Weg, den er einschlagen muß, um nach Hindostan, nach ihrer Heimat, zu kommen; und er jubelt auf in Wonne und dankt Selica in inniger Umarmung. Da öffnet sich die Kerkerthüre, und Ines erscheint an der Seite Dom Pedro's. Sie bringt Vasco de Gama seine Freilassung, aber zugleich die Nachricht, daß sie, um ihn: dieselbe zu verschaffen, sich selbst geopfert, sich an Dom Pedro vermählt hat. Gr antwortet darauf mit einem Aufschrei der Wuth, des Todesschmerzes, und bricht in laute Klagen aus. Das Sertett, mit welchen: dieser Act schließt, das Lebewohl, erst mit voller Instrumentation, bis nach und nach alle Instrumente verklingen und nur die klagenden Menschenstimmen noch hauchen: „auf Wiedersehen", ist von bezaubernder Wirkung. Der dritte Act spielt auf dem Schiffe, auf welchem Dom Pedro, begleitet von seiner Gemahlin, auszieht, das neue Land zu suchen. Nelusco ist bei ihm als sein Steuermann, und Selica, welche Vasco de Gama in: zweiten Act der Ines geschenkt hat zum Beweise, daß er die Sklavin nicht liebe, befindet sich auch auf den: Schiffe. Von diesem Act ist wenig zu sagen, die Musik ist effectvoll und charakteristisch, aber es ist mehr Decorationsmusik und äußerlicher Pomp als Gefühlstiefe und Wahrheit. Der Act schließt damit, daß die Wilden das Schiss erobern, die Mannschaft gefangen nehmen und vor Selica, ihrer Königin, sich in den Staub werfen. Der vierte Act spielt nun in Selica's Heincat, und in diesen.: Act erhebt sich Meyerbeer zu seiner ganzen Meisterschaft. Hier geht die innere und die äußere Handlung fort in erschütternder dramatischer Lebendigkeit, und in einem Strom von Melodie, von Poesie und Leidenschaft fließt alles menschliche Fühlen und Empfinden in Lust und Wonne wie aus goldenen, diamantenfunkelnden Quellen nieder. Selica ist in der Heimat, es umtanzen sie die Priesterinnen der Freude und des Schmerzes, Jubelhymnen und Schmerzensklagen mischen sich in übermüthiger Lust; der Priester des Brahma singt mit seinem Gefolge die heiligen Weisen, die Krieger jauchzen ihre Schlachtgesänge, die Glöckchen schlagen, die Posaunen schmettern, das Volk singt und tanzt, und alles das zusammen eint sich in wunderbaren Jubelhymnen und Accorden. Aber dann kommt die große Scene, wo Vasco de Gama gleich allen andern, welche auf dem Schiffe gefangen wurden, erschlagen werden soll. Selica rettet ihn, indem sie erklärt, sie habe sich in der Fremde mit Vasco de Gama, der sie als Sklavin gekauft, vermählt. Sie fordert Nelusco auf, es ihr zu bestätigen. Gr soll das thun, er, der sie liebt, der sein Leben für sie geben möchte. Er soll's auf das heilige Buch dem Priester des Brahma schwören, daß er weiß, Selica sei mit Vasco vermählt. Diese Scene ist von edelster, ergreifendster Wirkung. Wie auf einmal all dieser Jubel verstummt, das jauchzende Volk dasteht in athemlosem Schweigen, die Instrumente ganz leise und verhallend nur zuweilen aufmürmeln und dann wieder schweigen und warten, und hier und da aus den Volksmassen einzelne Stimmen angstvoll murmeln: „Er zittert, er wanket! Gr bebet, er schwanket." Dann der innere Kampf Nelusco's, seine halbgemurmelte Liebesklage, welche die Violinen und Bratschen mit schmerzlichem Aechzen und Schluchzen begleiten, und dann seine Ueberwindung, seine Schwüre. Nun jubelt es von allen Lippen, jauchzet es aus allen Instrumenten, und Selica's Antlitz strahlt von Wonne, Vasco de Gama, der geliebte, ist gerettet! Der Priester des Brahma begeht die Trauungsceremonie, das ganze Volk ist Zeuge; dann, aus einen Wink der Königin, entfernen sich alle, und Selica ist nun allein mit dem Geliebten. Sie sagt ihm, daß er frei ist, zu gehen, daß sie ihn nicht zurückhält. Das Schiff liegt in: Hasen, er soll gehen zu seinem Glück, ihr nur das Unglück zurücklassen. Wie das klagt und ächzt aus allen Instrumenten, wie die Violinen lispeln und seufzen, das Violoncell schnarrend wehklagt, die Bässe grollen, bis allgemach die vollen mächtigen Accorde Wie ein Jubel - lied der Freude hervorleuchten, wie der süße Zauber der Liebe aus Selica's Augen den Geliebten überströmt und er in seliger Verzückung die Liebe trinkt aus ihren Worten, in süßen: Selbstvergessen sich wieder findet in einer neuen Welt der Liebe. Alles in dieser Scene athmet Seligkeit und Wonne, es ist eine Hymne der Liebe, in welche alle Instrumente schmetternd einstimmen und dann wie in süßen Träumen verstummen, um zu lauschen auf die flüsternden stimmen der Liebenden, die in inbrünstiger Liebesglut einander umarmt halten. Nun auf das süße Schweigen folgt neuer Jubel, die Frauen kommen, die Flöten und Gymbeln tönen zart und

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