Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 240 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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240 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. schmelzend, während die Frauen im freudigen Chorgesang den bräutlichen Schleier über Selica's Haupt werfen und sie hineingeleiten ins Haus. Dann kehren sie zurück, um Vasco de Gama unter dem Schwirren und Flöten des Hochzeitmarsches zu ihr zu führen. Da klingt durch die Jubeltöne ein Schmerzensschrei. Vasco erwacht aus seinem Liebeszauber, er erkennt die Stimme der Ines, welche eben gemordet werden soll, er reißt sich los, er stürzt von dannen. Mit einem schrillen Wehelaut verstummt das Hochzeitslied, und damit schließt der vierte Act, eine der schönsten und glänzendsten Perlen, welche der Genius Meyerbeer's uns hinterlassen hat. Der fünfte Act reiht sich ihm an, in gleicher Schönheit und gleicher Höhe des dramatischen Stils und der tiefsten Innerlichkeit. Er ist gewissermaßen die Verklärung der Liebe, die Apotheose eines liebenden Frauenherzens. Nie hat Meyerbeer den Schmerz, die Gewalt der Liebe, in edlern Tönen, in erhabenern Klängen versinnlicht als in diesem fünften Act der „Afrikanerin". Es ist ein Meisterwerk lyrischer Musik, voll Kraft und Innerlichkeit. Selica stirbt, das ist der ganze Inhalt dieses Acts, stirbt aus Liebe, entsagt Vasco de Gama, läßt ihn mit Ines zu Schiffe gehen, und unter dem Giftbaum, welcher dort auf dem Vorgebirge steht, von welchem man das Meer sieht, stirbt sie in seliger Verzückung, die süßen Düfte des Giftbaums einathmend, unter den Chören der himmlischen Heerscharen, welche in ihrer Verzückung ertönen und sie emportragen zum ewigen Licht. Was nun die Darstellung der „Afrikanerin" im Opernhaus in Berlin betrifft, so gehört sie zu einer der glänzendsten und gelungensten, welche wir seit langer Zeit erlebten. Dem General - Intendanten, Herrn von Hülsen, gebührt das Verdienst, daß er durch seine Energie, sein rasches Wollen allen andern deutschen Bühnen den Vorrang abgewonnen und der erste ist, welcher das großartige Tonwerk unsers deutschen Componisten auf die deutsche Opernbühne bringt. Er hat mit Umsicht und Sachkenntniß alles gethan, um diese Schöpfung Meierbeer's in jeder Hinsicht in ausgezeichneter Weise zur Darstellung zu bringen. Der neuernannte Regisseur der Oper, Herr Hein, steht ihm dabei würdig zur Seite, und die phantasievolle, poetische und geschmackvolle Jnscenirung ist sein Werk. Alles, was die Decorationsmalerei und die Maschinerie vermag, ist aufgewendet worden, um der Oper Glanz zu verleihen. Der dritte Act, mit dem hohen Aufbau des Schiffs in drei Etagen, den ziehenden Nebeln und Wolkengebilden, dem sinkenden Schiffe, dann der vierte Act mit den Tempeln und Hallen und Gärten und den tanzenden und jubelnden Volksmassen, sind decorative Meisterwerke. Und endlich haben die Sänger und Sängerinnen alles gethan, um das letzte Tongedicht des großen Maestro in edler, echt künstlerischer Weise zur Darstellung zu bringen. Pauline Lucca als die Afrikanerin Selica feiert in dieser Nolle einen ihrer höchsten Triumphe; die kleine Gestalt wächst vor unfern Augen in der Größe der Leidenschaft, in flammender Glut strömt der Gesang der Liebe, der Schmerzensschrei des Zorns von ihren Lippen, sie malt mit Tönen, sie dichtet mit ihrer Mimik. Wenn sie im vierten Act mitten im Gewirr der Tonmassen zu Nelusco hingeht und nun bei dem plötzlich eintretenden Schweigen der Instrumente mit leisegehauchten halben Tönen flüstert: „Stirbt er, so sterb' auch ich", so ist dies von einer Wirkung, daß einem das Herz erschauert und die Thräne in das Auge tritt. Wenn sie dann ausjauchzt in Glück, da der Geliebte endlich der ihre ist, ihr Liebe schwört und Treue, so ist ihr Ton, ihr Wesen so glückstrahlend, so wonnevoll, daß es einem das Herz erfreut und man sich voll Aerger und Zorn fühlt, wenn Ines kommt, um das süße Liebesglück der flammenden Tochter des Südens zu stören. Im fünften Act, wo Selica- Abschied nimmt vom Leben, wo sie sanft und resignirt und doch voll tief innerer Leidenschaft dem Tode entgegengeht, findet Pauline Lucca Töne, halb hingehauchte Worte, zarte Accente, die von tiefster Innerlichkeit zeugen und daher von großartiger Wirkung sind. — Wachtel, mit seiner herrlichen Stimme, steht ihr ebenbürtig zur Seite, und Beetz als Nelusco feierte einen wahren Triumph für seine herrliche Stimme und sein pikantes Spiel. Das Publikum nahm die Oper mit einem wahren Beifallssturm auf, und trotz der Länge der Oper mußten einzelne Piecen, namentlich das herrliche Unisono der Geigen und Celli im fünften Act, wiederholt werden. Unter den Klängen dieses ausgezeichneten Musikstücks erschien dann am Ende der Oper nach dem Fallen und Wiederaufsteigen des Vorhangs Meyerbeer's Büste auf der Bühne und ward vor: der Afrikanerin gekränzt mit dem Kranz der Unsterblichkeit, dem wohlverdienten, dem ewig grünenden Lorber! Luise Mühlbach. Correspondenzen. kl. in B. Nicht verwendbar. I?- 8 in Hamburg. Menzel's „Geschichte der Staaten Israels und Iehuda" ist bei Graß, Barth n. Comp, in Breslau erschienen und jetzt zu ermäßigten Preisen von Volkmar in Leipzig zu beziehen. .1. N. in Mantua. Wenden Sie sich an die H. F. Münster'sche Buchhandlung in Verona oder an die lübleiirt nlla leiiN-e in Venedig. klorix X. in Straßburg. Warum nicht? X. L. in Berlin. Mannscripte werden nicht zurückgegeben. ' ' X. kl. in B—l. Nicht verwendbar. .1. X. Sehr angenehm. Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Vrockhaus in Leipzig.