Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 236 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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236 Jllustr. Monatsh. für die ges. Schrift von Th. Nöldeke: ( Beiträge zur Kennt - niß der Poesie der alten Araber», S. 52 fg., benutzt hätte, vermieden haben würde. Die folgenden Vorlesungen, in welchen behandelt werden: Die Entstehung der Karäer, Saadias, die Schicksale der Juden in Spanien und dessen Dichter, Grammatiker und Philosophen, sowie die in Deutschland, Frankreich, Italien und der Provence, werden sicherlich nicht nur ein größeres, gebildetes Publikum auf diesem Felde orientiren, sondern auch Männern von Fach reiche Belehrung spenden. Zu bedauern ist es für jeden unbefangenen Forscher auf religiösem Gebiet, und wir halten unfern Verfasser für einer: solchen, daß er von so gehässigen und befangenen Urtheilen, wie des Anonymus in der «Augsburger Allgemeinen Zeitung» und des Herrn Holtzmann in der «Protestantischen Kirchenzeitung" (Jahrgang 1865, Nr. 10, Sp. 225 — 237), nicht verschont geblieben und sich zur Abwehr in dem Anhang der vorliegenden Schrift (S. 185 — 203) genöthigt gesehen hat. Wir haben uns die Mühe genommen, beide Kritiken mit Aufmerksamkeit zu lesen, und glauben, daß die beste Widerlegung — Schweigen gewesen wäre. Wem: der Verfasser aber zu antworten für nöthig hielt, so konnte die Antwort nicht schlagender ausfallen, als es geschehen ist." Die „Neue freie Presse" bringt in ihrer Nr. 418 vom 27. Oct. d. I. folgenden Artikel : „Die Originale sterben aus, seufzte K. Vogt, als er unlängst den Lebensabriß des elastischen Sonderlings Amanz Greßly, des Cuvier der Eidgenossenschaft, mittheilte. Die Originale sterben aus, ja wol, die Euriositäten bleiben uns. Wir wollen heute von einer großen Curiosität erzählen, von einer zweibeinigen, schriftstellernden Curiosität, demHrn.IIr.Eduard Löwenthal in Berlin, der sich ohne Zweifel füM ein Original hält. Wer ist vr. Eduard Löwenthal? werden die meisten unserer Leser fragen. In dieser Unwissenheit, in dieser Unkenntnis; der Löwenthal'schen Existenz liegt das Schicksal des Mannes, gegen das er fortwährend heldenmüthig mit seinem Tintenfaß ankämpft. Seine literarische Thätigkeit bestand bisher aus lauter Erfindungen, die das undankbare Jahrhundert wenig beachtete. Zuerst erfand er eine neue Philosophie, «System des Naturalismus» zubenannt, und gleichzeitig eine neue philosophische Sprache, die sich von der bisher in philosophischen Werken gebrauchten, die außer dem Verfasser nur die Collegen verstehen, dadurch unterscheidet, daß unter allen Menschen I)r. Löwenthal allein sie versteht. Allein das «Gesammtstofs-Aggregat», welches wir bewohnen — das Wort bedeutet in der neuen Sprache: Weltkörper — nahm keine Notiz davon, und I)r. Löwenthal sah sich genöthigt, seinen Geist weiter anzustrengen. Er erfand also eine neue Naturwissenschaft, worin das «Beharrungsvermögen der Molecule» eine ganz außerordentliche Rolle spielt, aber die Interessen des Judenthums. Berühmtheit wollte noch immer nicht kommen. Nun dachte das rastlose Genie: Mit Kraft und Stoff, mit Geist und Natur habe ich es bisher einzeln versucht und bin damit durchgefallen, das Uebersinnliche hat mir gelogen und das Sinnliche hat mich betrogen, so will ich,es denn mit jener geheimen Kette versuche::, die beide verbindet. Und Dr. Eduard Löwenthal setzte sich an seinen Schreibtisch und erfand eine neue Religion. „Die Bekenner dieser neuen Religion heißer: Cogitanten. In: Singular bedeutet jedoch «Cogitant» nicht blos einen Anhänger der neuen Lehre, sondern vorzugsweise die Zeitschrift, welche zur Ausbreitung und Verteidigung derselben gegründet ward und in ihrer Probenummer vor uns liegt. Sie bietet auf zwanzig Octavseiten politische, juristische, philosophische, pädagogische und naturwissenschaftliche Artikel, Kritiken und Poesien, alles aus der Feder des Herausgebers, I)r. E. Löwenthal. Man wird so auf die einfachste Art über das Wesen der Cogitanten aufgeklärt. Die Cogitanten nehmen in der «Bewegung der Individual- und Gesellschaftsbeharrung», d. h. zu deutsch, im politischen Leben, eine sehr zahnte Stellung ein. Im Gegensatz zu den freireligiösen Gemeinden, auf welche als seine natürlichen Concurrenten 1)r. Löwenthal sehr schlecht zu sprechen ist, präsentiren sie sich einer hohen Obrigkeit im Loyalitätsfrack. Sck weit wären die Cogitanten ganz ungefährlich; allein der Stifter entwickelt etwas bedenkliche Ansichten über den Eigenthumsbegrifs. Er will die persönliche Freiheit unter allen Umständen vom Staat gesichert wissen und erklärt sie für ein so hohes Gut, daß man sie keinem Menschen wegen eines Eingriffs in fremdes Eigenthun: entziehen solle. Daß ein Mensch eines Diebstahls willen eingesperrt werde, erklärt der «Cogitant» für ein himmelschreiendes Unrecht. In solchem Fall sei staatsanwaltliche Verwarnung nebst Veröffentlichung des Erkenntnisses genügende Strafe; «allenfalls» könne der Dieb oder Betrüger auch zum Schadenersatz Verhalten werden. Wie sich die Gauner in aller Herren Ländern freuen müssen, wenn sie das lesen! Sie werden in Hellen Haufen nach Berlin kommen, um sich als Neubekehrte in die projectirte «Andachtshalle» zu drängen, und wenn sie, um ein Andenken von dem gefeierten Meister mitzunehmen, an Hrn. vr. Löwenthat selbst die Lehre vom «possessorischen Nothstand» in Anwendung bringen, wird dieser hoffentlich keine Anzeige bei der Polizei machen. „Heirathen soll der Cogitant nur aus Liebe. Eine «süddeutsche Cogitantin» hat nach der Mittheilung Löwenthal's die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß die meisten Ehen aus ganz andern Gründen geschlossen werden. Die Erziehung der Cogitanten muh so eingerichtet sein, daß Aehnliches unter ihnen nicht vorkommt; sie muß genau nach jenen Grundsätzen geleitet werden, welche in der Erziehungsanstalt auf Schloß Zwölfaxing bei Wien maß-