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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 232

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 232 (sequence 72)
Language
German
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232 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Infolge dessen kam es zu einer Art Auswanderung aufs freie Feld. (Ghabes selbst ist mit Mauern umgeben, deren Thore abends geschlossen werden. Vor den Thoren garantirt die Polizei nicht das nackte Leben.) Als der Aufruhr gedämpft war und die Juden nach und nach zurückkehrten, von ihren geplünderten Häusern nur noch Steinhaufen vorfanden, da wandten sich dieselben an den vom Bei geschickten General mit einer Bittschrift, daß die Aufrührer zu einer Entschädigungssumme von 900000 Piastern (200000 Gulden) gezwungen würden. Der General billigte das Verlangen, und Herr Joseph Levh, welcher gewöhnlich die Unterhandlungen zwischen der jüdischen Bevölkerung und dem Bardo (Residenz des Bei) führte, trat als Vermittler auf. Auf den vermittelnden Vorschlag, statt der 900000 nur 400000 Piaster anzunehmen, wollten die Juden nicht eingehen; als ihnen jedoch die Araber statt dieser Lumme blos 150000 Piaster boten, da erklärten einige der Nettesten, daß sie vorzögen, nichts zu nehmen, als sich mit dieser Summe für entschädigt zu halten. Der General, welcher an und für sich ein großer Feind der Juden ist, hielt sie gleich beim Wort, veröffentlichte in der Staatszeitung und an allen Ecken eine Proclamation, daß die Juden auf Entschädigung verzichtet hätten, und schickte denselben die Erklärung zur Unterschrift. Diejenigen, welche wirklich diesen Ausspruch gethan, unterschrieben, die andern aber wurden erst durch die Bastonnade zum Unterschreiben bewogen. Als Sir Richard Wood dies erfuhr, eilte er zu Sidi Mustapha Khasnadar, dem Premierminister, und verlangte augenblickliche Genugthuung. Der Minister war damit einverstanden und schickte den Kaid von Gherba, welcher gewöhnlich am Hofe des Bei lebt, nach Gherba; Herr Joseph Levy begleitete ihn. Diese beiden befahlen, daß augenblicklich 250000 Piaster gezahlt würden, was denn auch geschah; der General selbst mußte Hrn. Levy die Summe überbringen. Den günstigen Erfolg haben die Juden aber jedenfalls dem englischen Consul, der sich bei jeder Gelegenheit hervorthut, zu verdanken. Amerika. Mexico. Ein Decret des Kaisers Maximilian verkündet vollständige Emancipation aller Religionen in dem neuen Kaiserreich. Als man voriges Jahr in Oesterreich für den jungen Thron Soldaten warb, wurde kein Jude in den Reihen derselben ausgenommen. Der Kaiser scheint nun zu der Einsicht gekommen zu sein, daß er sich nicht von seinen bisherigen fanatischen Rathgebern beherrschen lassen dürfe. pcrsoilalnachrichteil. Nekrolog. Der neue Lord-Mayor Samuel Benjamin Philipps wurde am 8. Nov. in usueller Weise in Eid genommen. Herr S. M. Emanuel wurde zum Mayor von Southampton, Herr I. Abrahams zum Mayor in Bristol gewählt, sodaß jetzt drei Israeliten an der Spitze großer englischer Eommunen stehen. Kapitän Levy (in englischen Diensten) hat auf Neuseeland während des jüngsten Kriegs einen Missionar aus den Händen der Maori gerettet. Ein Meeting in Auckland votirte dem Kapitän seinen Dank. Herr Wilhelm Frankl, Gemeinderath von Wien (Bruder des Dichters Ludw. Aug. Frankl), wurde mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph- Ordens ausgezeichnet. Privatdocent 4>r. Rosenstein in Berlin wurde zum Professor der Medicin an die Universität Gröningen berufen. Den Franz-Josephs-Orden erhielt auch Herr Großhändler Wolfgang Löwenfeld in Prag. In Wien fallirte der berüchtigte Hofwechsler Ignaz Deutsch, dessen nähere Charakteristik unsere Leser aus dem I.Heft des 1. Bandes kennen. Ueber diesen Bankrott enthält die „Wiener Sonntagszeitung" einen großen Artikel voll von interessanten Details, von denen wir manche hier wiedergeben, dabei jedoch dem genannten Blatte die Verantwortlichkeit für seine Angaben überlassen. Die Sonntagszeitung schreibt: „Die wiener Abendbörse war jüngsten Mittwoch durch ein wenn auch nur locales Ereigniß im. hohen Grade alarmirt. Die Nachricht, daß der als starker Spielerbekannte Hofwechsler Ignaz Deutsch an demselben Nachmittage das Vergleichsverfahren angemeldet habe, versetzte groß und klein, die ganze Versammlung in der Effectensocietät in nicht gewöhnliche Aufregung. Der Sturz des gewesenen Hofwechslers Ignaz Deutsch von seiner eingebildeten Höhe ist kein Unglück, das den Nebenmenschen nur eine Miene des Mitleids abzupressen vermag. Ein hohes Börsenspiel treiben, Engagements eingehen, die in keinem Verhältnis zu der eigenen Kraft stehen, sich bei diesem waghalsigen Experiment endlich einmal den Hals brechen und dabei noch andere, ehrenhafte Männer und Familienväter mit ins Verderben stürzen, das ist alles andere eher, nur kein — Unglück. Wer hat es dem Manne geheißen, dessen Broterwerb einst auf dem Parapluiehandel basirte, mit einigen Tausend Stück Staasbahn in die Liebhaberei zu gehen? Nein, ein solches va. dancins-Spiel vermag uns keine Zähre des Mitleids zu entlocken. Dieser Herr Ignaz Deutsch, der nunmehr von seinem Piedestal gestürzt ist, hat gar manche Unbill über seine Glaubensgenossen mit raffinirtester Kaltblütigkeit heraufbeschworen; er hat in der düstersten Epoche Oesterreichs sich epheuartig an den Größen der finstersten Reaction und des starrsten Absolutismus angeschmiegt. Begreif-

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