Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 231 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417816--750-2418592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Tagesgeschichte. 231 Chronik. Zm TMMhichte. Deutschland. Oesterreich. Bekanntlich ist die Aufnahme der israelitischen Konfession unter die in Ungarn recipirten Eonfessionen in den 1848er Gesetzen zufällig „vergessen" worden, und befinden sich daher die Israeliten heute noch ohne Wahlrecht. Um nun den unabweislichen Forderungen des Zeitgeistes wenigstens nothdürftig Rechnung zu tragen, sind einige Wahl- Commissionen, auf das Auskunftsmittel verfallen, diplomirte Advocaren und Aerzte, auch wenn sie israelitischer Eonfession sind, zur Wahl zuzulassen, indem sie entweder annehmen, daß die im Eingang des Wahlgesetzes enthaltene allgemeine Bestimmung durch den spätern Paragraph, der allen diplomirten Aerzten und Advoeaten das Wahlrecht zuspricht, eine Einschränkung erlitten habe, oder die Frage nach der Eonfession ganz umgehen und dem betreffenden Wähler es selbst überlassen, sich mit den gesetzlichen Bestimmungen abzufinden. Im Reichstage von 1861 ist übrigens in einem einzelnen Fall die Rechtsgültigkeit einer Wahl, gegen die Protest erhoben ward, weil eine Anzahl Israeliten mitgestimmt, anerkannt worden, „um so mehr", wie es in dem Votum hieß, da die Zahl dieser angefochtenen Stimmen das Resultat der Wahl in keinem Fall alterirt haben würde. Ob indeß trotz dieses „umsomehr" der damalige Reichstag eben so entschieden haben würde, auch wenn die israelitischen Stimmen auf die Entscheidung der Wahl von Einfluß gewesen wären, und ob auch der zusammentretende in einem solchen Fall ebenso entscheiden würde, muß doch sehr bezweifelt werden. Aus den Ileberresten der böhmisch-jüdischen Steuerpachtgelder, welche cirea 800000 Fl. betragen, sollte ein jüdisches Bandes-Waisenhaus gegründet werden. Die Vertreter der böhmischen ^wndes-,Judenschaft konnten sich mit jenen der Prager Euttus-Repräsentanz über die Principien der Verwaltung nicht einigen, uud hat letztere um eine Theilung des Vermögens derart angesucht, daß nach denn Verhältnis; wie 1 : 2 dieselbe mit ihrem Drittheit selbständig verfahren und eine statutarisch den a. h. Namen führende besondere Waisenanstalt gründen könne. Man hielt anfangs von seiten der Repräsentanz der böhmischen Landes-Judenschaft eine solche Trennung für eine Unmöglichkeit; als man aber später erfahren, welchen Scharfsinn und welche geistige Thätigkeit der Anwalt der Prager israeliitschen Cultus-Repräsentanz, Dr. Wiener, bei der Darlegung der Gründe entwickelt, die eine solche Trennung opportun erscheinen lassen, und wie er persönlich für die Erlangung dieser Bewilligung mit allem Eifer wirke, bedauerten wol die Repräsentanten der Landes- Judenschaft, zu weit gegangen zu sein; ihr Bedauern erreichte aber nunmehr den höchsten Grad, da das Staatsministerium die Trennung in dem Verhältnis; wie 1:2 bewilligt, und zwar, um die Reibungen zwischen der Prager Eultus-Repräsentanz und der böhmischen Landes-Judenschaft aus immer zu verhindern. Wie ich ferner erfahren, sollen beide Theile den Auftrag erhalten haben, in kürzester Zeit bekannt zu geben, zu welchem Humanitären Zweck sie die ihnen zugewiesenen Beträge verwenden werden, um für diesen sodann die a. h. Sanction zu erwirken. Die Landes-Judenschaft hat gegen diese Trennung protestirt. In Galizien, zunächst in Lemberg, nahm die Wahl eines neuen Abgeordneten für den Landtag eine gewissermaßen eonsessionelle Fürbung an, indem die Majorität und die Minorität nicht nur zwei verschiedenen politischen Parteien, sondern so ziemlich auch durchgehends zwei verschiedenen Religionsgenossenschaften angehörten. Der Eandidat der christlichen Majorität war Graf Goluchowskh-, der vor Jahren als Minister des Innern das Verbot der Grundbesitzerwerbung für „nicht studirte" galizische Juden erließ; er blieb endlich Sieger. Der Kaiser zog während seines Aufenthaltes in Pesth die Rabbiner von Pesth und Ofen zur Hoftafel und sprach wiederholt gegen verschiedene israelitische Deputationen die Erwartung aus, daß die Lage der Juden in Ungarn sich bessern werde. Dem ihm segnenden Rabbiner Meisel sagte Sr. Maj. die Worte: „Ich habe schon viel von?chrem segensreichen Wirken gehört, es freuet auch, Sie wieder zu sehen." Afrika. Tunis. Man erinnert sich noch, daß dem vorjährigen Aufruhr verschiedene Angriffe auf die hiesigen Juden vorhergingen, welche jedoch alle nur unbedeutender Art waren und mit 5<>o—10oo Bambushieben belohnt wurden. Dieselben Vorgänge, aber weit bedeutender, fanden auf der Insel Gherba statt. Dort ward alles, was den Juden gehörte, geplündert, und wurden selbst Angriffe auf , das Leben der jüdischen Bevölkerung gemacht.