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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 230

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 230 (sequence 70)
Language
German
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230 Jllustr. MonaLsh. für die ges. tion ein und in deren Folge der — Tod. Doch der Tod kann das Los einer Nation nicht sein, die in all ihren sonstigen Institutionen so viel Lebensfähigkeit bekundet. Diesmal genug hierüber; in unser»: Nächsten Ausführlicheres. Achter Brief. Bihar, 9. Seht. 1865. Nicht nur in der mcdicinischen, auch in der Staatswisscnschaft ist der gedeihliche Einfluß einer „freien Bewegung" bereits zur allgemeinen Anerkennung gelangt. Ungarn, das in den letzter» Jahren einem empfindlichen Siechthum anheimgefallen und in vielfacher Beziehung geschwächt wurde, es hätte von Spanien und Rom eine heilsame Lehre sich holen können. Es hätte dies wol können ... hat cs dies auch gethan? ... Wir studiren zu dem Behuf die Weltgeschichte, um aus der Vergangenheit zu lernen^ wie wir die Gegenwart benutzen und eine glückliche Zukunft herbciführcn sollen. Wie manche sonstigen Wissenschaften scheint leider auch die Geschichte, die eigentliche Erzieherin der Menschheit, mehr für die Schule als fürs Leben gelehrt und gelernt zu werden. Es muß leider constatirt werden, das; es namentlich zu den hervorragenden Charakterzügen des ungarischen Stammes gehört: aus dem „eigenen Schaden" erst eine Lebensregel für die Zukunft sich zu ziehe::. Noch ein Wort zum Schluß. In: österreichischen Kaiserstaat herrscht seit einer Reihe von Jahren zwischen der Centralregierung und der ungarischen Krone eine wenig bencidcnswerthe Intimität. Durch starre Passivität sucht Ungarn Oesterreich zu einen: befriedigenden Ausgleich zu drängen. Man rechnete hier mit gesunder Logik Interessen des Judenthums. darauf, daß kein Staat ohne die thätige, willcnskräftige Mitwirkung seiner sämmtlichen Mitglieder für die Dauer gedeihen könne. Nun entsteht die Frage: warum das nach Autonomie, nach Selbständigkeit ringende Ungarn diesen allerdings richtigen Grundsatz nicht auch auf seine jüdischen Einwohner ausdehne? Die Juden bilden wol keine so mächtige Nation als die Ungarn, allein Ungarn ist ja ebenfalls kein österreichischer Kaiserstaat. Der Große kam: ohne Strafe auch das Kleinste nicht verachten. Sie sehen, ich begann mit einer volkswirthschaftlichen Deduction und bin unversehens in das Labyrinth politischer Wirrnisse gerathen. Bei uns Ungarn will's mit der steifen Systematik noch immer nicht recht gehen. Sie würden gewiß Anstand nehmen, mich zun: deutschen Professor zu empfehlen. Schönen Dank!.... Doch resumiren wir das; Resultat unserer bisherigen Relation. In Worten ausgedrückt, dürfte dies etwa wie folgt lauten: Eine Regierung, die ihre Unterthancn oder einen Theil derselben in der freien Verwendung der physischen und geistige:: Kräfte ohne gegründete Ursache beengt, hat durch Verkennung und Nichtbeachtung des volkswirthschaftlichen Moments eines ihrer mächtigsten Grundpfeiler sich selbst beraubt. Die Anwendung dieses Satzes auf die Juden in Ungarn bedarf der weitern Erörterung nicht. Die Briefe ll, lO und 11, welche die beregte Frage vom religiösen Standpunkte beleuchten, wiederholen an andern Orten schon oft MitgetheiltcS, ans die Emancipationsfrage im allgemeinen Bezügliches. Um unsere Leser nicht zu ermüden, lassen wir diese Briefe gänzlich weg. Die Redaction. (Schluß folgt.)

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