Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 228 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. genwärtig in mehr oder minder hohem Grade besteht, ist in Ungarn für die nächsten Jahrhunderte kaum ernstlich Zn befürchten. Es ist im Gegentheil in vielen Gegenden unserer Heimat der Mangel an einer entsprechend großen Population noch immer ziemlich fühlbar. Es tritt diese Erscheinung auf ökonomischem, industriellem und commerziellem Gebiet zu sehr hervor, als daß diese erst durch unumstößliche statistische Ausweise erhärtet werden müßte. Der Boden Ungarns würde unstreitig behufs vollständiger, befriedigender Cultivirung eine entschieden größere Anzahl arbeitender Hände bedürfen, als die ihm bei den gegenwärtigen Populationsverhältnissen zur Verfügung gestellt werden kann. Welch ansehnliche Bodencomplexe warten nicht im „Alföld" allein eines riesigen Kraftaufwandes, um in entsprechender Weise urbar und nutzbringend gemacht zu werden! Der Wanderer begegnet hier noch immer unübersehbar großen Strecken ganz brach, unbenutzt In die weite Ferne sich ausdehnend aus gänzlicher Unzulänglichkeit der vorhandenen Arbeitskräfte. Und doch haben die Ungarn gegen die Possessionsfähigkeit der Juden stets mit einer Wuth gekämpft, als wäre ihre ganze nationale Existenz, ihr ganzes staatliches Dasein von diesem Umstande allein bedingt. *) Welch ein Aufgebot leerer Scheingründe, welch eine Unzahl hohler, nichtiger Motive wurde da nicht in unsäglicher Hast zusammengerafft und ins Treffen geführt, um gegen eine solche Begünstigung der Juden mit Erfolg Opposition machen zu können! Die Juden, hieß es, würden über kurz oder lang den ganzen Grundbesitz an sich reißen; sie würden der ungarischen Krone ihren Nimbus und der ungari¬ *) Nicht blos die Ungarn, sondern jede Nation, der es an der nothwendigen Arbeitslust, Arbeitskraft gebricht, um den ererbten Besitz fructificirend zu erhalten. Das Eindringen arbeitstüchtiger Kräfte vernichtet vorerst ihre materielle, später ihre nationale Existenz. Der Particularismus der Ungarn, ihr Haß gegen alles Fremde, ist hauptsächlich daraus zu erklären, daß sie ein überwiegend müßiggängerisches Volk sind! Anmerk, der Red. scheu Nation ihren rechtmäßigen Boden entreißen; sie würden... sie würden — weiß der liebe Golt — welches Unheil stiften.... Eine wahrhaft geräuschvolle Gehaltlosigkeit das! Den Juden ist der Besitz von Grund und Boden in der Folge zngestanden worden, ohne daß durch diese Maßnahme dem Lande, der Nation auch nur der geringfügigste Nachtheilerwachsen wäre. Das Land der glorreichen Arpad — es ist bis auf den heutigen Tag zu keinem jüdischen Kanaan geworden. Einen wesentlichen Vortheil bot diese der jüdischeil Bevölkerung gemachte Concession gewiß. Der Werth des Bodens ist nämlich in dem Maße gestiegen, als die Concurrenz bei dessen Erwerbung infolge der Betheiligung der Juden eine vcrhältnißmäßig größere, vielseitigere, lebhaftere geworden. Hätte bei den Israeliten die Kauflust von Grund und Boden wirklich in dem Grade sich manifestirt, als die Ungarn dies ernstlich befürchten zu müssen glaubten, der Gewinn wäre gewiß ein um so bedeutenderer gewesen. Sonderbarerweise haben die Juden von ihrer diesbezüglicheil Freiheit einen nur mäßigen, fast blos bescheidenen Gebrauch gemacht; — ein Umstand, der denselben den hämischen Vorwurf zugezogen: sie besäßen eine unbesiegbare Scheu vor dem Ackerbau! Gehen wir weiter! Ungarn war unstreitig von jeher ein Land der Agricultur; es wird vermöge seiner Bodenbeschaffenheit, seiner geographischeil Lage und sonstiger verwandter Umstände für ewig ein solches bleiben. Die Bevölkerung dieses Landes ist sohin von der Natur dazu angewiesen, von dem sich zu nähren, was es im Schweiß des Angesichts der harteil Scholle abringt. Mit der fortschreitenden Cultur der Völker, mit der auf sämmtlichen Gebieteil menschlichen Denkens und Strebens in um- und neugestaltender Weise immer mehr zur Geltung gelangenden Zeitbewegung haben sich auch die Allsprüche an das Leben in entsprechendem Maße gesteigert. Nicht blos auf wissenschaftlichem und industriellem Gebiet lernen die Völker voneinander, sondern auch in der Kunst