Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 226 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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226 Jllustr. MonaLsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Sticke aus der Zeit in die Zeit. M in NiWH Social-politische Briefe eines ungarischen Patrioten. Mitgethcilr von M. Ehrenllieil in Raab. t. Fortseluillg.) Sechster Brief. Bi har, 1. Seht. 1865). Im Kriege wie im Frieden können die Mittel, deren wir uns zur Nealisirung unseres jeweiligen Vorhabens bedienen, zweifacher Natur sein: materieller und moralischer. Je größer, mächtiger, vielfacher, die materiellen Mittel sind, desto wahrscheinlicher, gewisser der Erfolg. Nun hängt cs aber blos von der Einsicht und dem liberalen Geiste der Ungarn ab, ihre diesfälligen Mittel wesentlich zu vermehren. Ein vi ermal hunderttau sendarmiger Riese ist's, der seine Kraft spontan znr Verfügung stellt, um die ungarische Freiheit bis auf den letzten Tropfen Blut mitvertheidigen zu helfen. Haben die Ungarn dieses vortheilhafte Anerbieten angenommen und zum Heil des Vaterlandes in zweckentsprechender Weise verwendet? . . . Nein, dies geschah nicht. Dafür geschah aber etwas ganz entgegengesetzter Natur. Man. schlug den ebenso gutmüthigen als kraftvollen und thatlustigen Giganten in Fesseln, um so sicher zu sein vor seiner — Hülfe. Ist dies etwa der so hochgepriesenc pblitische Takt der Ungarn? Nun sind es aber, wie bereits erwähnt, nicht ausschließlich die materiellen Mittel, die in der Hitze des Kampfes von entscheidender Wirksamkeit s ein könn en; die m o r a l i s ch e n Mittel bilden hierbei einen ebenfalls nicht zu unterschätzenden Factor. Ja, in politischen Streitigkeiten müssen letztere den erster» häufig vorgezogcn werden. Die moralischen Mittel bietet hierin die öffentliche Meinung. Hat sich Ungarn aber nicht die Gunst der öffentlichen Meinung eben durch sein ungerechtfertigtes exclusives Verhalten gegen die Israeliten so recht gründlich verscherzt? Hat selbes sohin die moralischen Mittel sich nicht selbst aus der Hand gewunden?. . . Wahrlich, die Sache der Ungarn, die im Beginn des Kampfes des ungetheiltcn Beifalls, der wärmsten Sympathie der ganzen eivilisirten Welt sich erfreute, sie forderte in der Folge durch ihren exclusiven Charakter die Mißbilligung, die Verurtheilung aller Bessergesinnten gegen sich heraus. Und dies war ein Verlust, ein großer, empfindlicher, nachhaltiger — ein Verlust, dessen Consequenzen anfangs nicht in ihrem ganzen Umfang erfaßt, heute noch in ungeschwächter Weise nachtheilig, schmerzlich fortwirken. Die Feinde der nationalen Sache konnten ihr Haupt nunmehr um so uugescheuter erheben, als sie die Stimme der öffentlichen Meinnn g nicht mehr zu befürchten hatten. Weit entfernt, der öffentlichen Meinung im vulgären Sinne des Worts ein zu großes Gewicht zu vindiciren: durfte sie in diesem Punkte durchaus nicht ignorirt werden. Ein Freund unbedingter Freiheit im Denken, im Handeln, würde ich meine Ucbcrzeuguug gewiß nicht dieser oft bestechlichen Richtcrin rücksichtslos unterordnen. Die öffentliche Meinung kann, muß dort unbeachtet bleiben, wo selbe aus Unkenntnis; der Verhältnisse entsprungen oder durch äußere, mitunter unwürdige Mittel gleichsam erkünstelt wurde. In der That wird diese gar häufig durch eine dienstfertige Presse, durch unwürdiges Kokettiren mit der skandalsüchtigen, rohen Masse u. dgl. absichtlich irregeleitet, um sie dann zu egoistischen Zwecken ausznbeuten. Unter solchen Umständen kann und darf diese wol nicht als Richtschnur unserer Handlungen dienen: wir würden uns sonst den festen Boden eigener Ueberzeugung selbst entziehen, ohne hierfür