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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 224

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 224 (sequence 64)
Language
German
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S24 Jllustr. Monatsh. für die ges. ben, nur aus eigennützigen Absichten sich zu Anwälten unzeitgemäßer Bräuche und veralteter Anschauungen aufwerfen und, ohne Beruf, Berechtigung und Befähigung dazu zu haben, dem mit der Zeit sich verjüngenden und in ihr sich erhebenden Judenthum nur Schimpf und Klagen entgegensetzen. Er ist ein Musterbild von wahrer Religiosität, von Gesinnungsadel und Charaktergröße. Von seiner Jugend auf den talmudischen Studien hingegeben und in denselben nach der damals herrschendgewesenen Richtung schon frühzeitig sich auszeichnend, hat er bis in unsere Zeit zu den Koryphäen derselben gehört und stets einen bedeutenden Kreis von Jüngern um sich geschaart, aus deren Mitte manche bedeutendere jüdische Gelehrte unserer Zeit, die freilich auch aus andern Bildungsquellen tranken, hervorgegangen sind. Der Verfasser, der kein Rabbiner ist und mit einer principiellen Uneigennützigkeit, wie sie in früherer Zeit nicht selten war, von seinem Erwerbe nie Gebrauch machte — hat bisjetzt noch nie seine Studien, Ansichten und Erfahrungen veröffentlicht, ja es thatsächlich gescheut, überhaupt über die socialen, religiösen und literarischen Interessen des Judenthums ein Wort mitzureden. In dem vorliegenden Schriftchen sieht sich der Verfasser veranlaßt, gegen die Unterschätzung der Gematria d. h. der Zahlenwerth, den die ein Wort oder eine Wortreihe bildenden Buchstaben ergeben) als exegetischen Hülfsmittels zur Ergründung des in der Bibel enthaltenen liefern Sinnes, die in neuern Schriften (Senior Sachs' „Kerem Chemed" wird gemeint) sich breit machte, aufzutreten. Er polemisirt wenig und hält sich mehr an die Sache. Im Talmud, meinte er, habe man schon der Gematria sich bedient, um rabbinische Anordnungen auf biblische Grundlage zu stellen. Es geoe in der Bibel keine Zufälligkeit; jedes Wort fei in bestimmter Absicht so geschrieben, und die Gematria erschließe den tiefern Sinn und bestätige die rabbinische Tradition. Er habe, durch .ein Augenübel längere Zeit . Interessen des Judenthums. am Lesen verhindert, sich mit diesen Grübeleien beschäftigt, sie nach Beseitigung desselben niedergeschrieben und hätte es für sündhaft gehalten, die aufgefundenen numerischen Beziehungen des Wortes zur Sache, welche der Tradition Anerkennung verschaffen und als mnemotechnische Zeichen dem Gedächtniß zu Hülfe kommen können, der Oeffentlichkeit vorzuenthalten. Besonders habe er sich eines besonders reinen Hebräisch befleißigt, so z. B. das der althebräischen Sprache ursprünglich nicht eigene Lettin oslativuin zu vermeiden. Natürlich unterliegt ein Buch von derartigem Inhalt, der außer dem Gesichtskreise der wissenschaftlichen Forschung liegt, keiner kritischen Beurtheilung, und es genügt, die Anlage desselben und die Tendenz des Verfassers darzulegen. Der Sachkenner wird zwar darin mehr Ernst und Liebe zur Sache, auch mehr Aufwand von Scharfsinn und Gelehrsamkeit entdecken als in manchem Werke der historisch-kritischen Literatur, auch die Anmerkungen allein können dies schon beweisen, doch ist dessen Grundgedanke nur eine absonderliche Lieblingsidee des Verfassers, gegen die wir nicht ansechten mögen. Gebete und Gesänge für das Neujahrs- und Versöhnungsfest (Roschhaschana und Jomkippur), zum Gebrauch für den geregelten jüdischen Gottesdienst herausgegeben von vr. H. Jolowicz. (Als Manuscript gedruckt.) 64 S. Der Verfasser sagt zwar in den Vorbemerkungen, die hebräischen Gebete seien „nach dem wiener, von Mannheimer geordneten (?) Ritus geregelt", und die deutschen Gebete blos zwischen den üblichen Gebetreihen eingeschaltet, doch können wir unter dieser Vorannahme nicht begreifen, warum der ohnehin nicht kurze Gottesdienst durch so viele deutsche Gebete unnöthigerweise verlängert, überhaupt die Tefilla und manche Gebete, die als wesentlich dem hebräischen Theil eingereiht sind, hier noch einmal in deutscher Sprache vorgetra-

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