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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 221

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 221 (sequence 61)
Language
German
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221 Das Buch „Ochlah Wochlah" (Massora). lasse sich weder ihr Anfang noch ihr Ende genau bestimmen (ek. Luxtork, liborias, paZ. 3). Von der Wichtigkeit der Masora haben schon die mittelalterlichen Rabbinen sehr hohe Vorstellungen. Sie bezeichnen dieselbe als Umzäunung des Gesetzes (sojaZ latora). Aben Esra sagt im Anfang seines josoä mors, man habe es nur den Bemühungen der Masoreten zu verdanken, daß das göttliche Gesetz noch fortbestehe und die Heiligen Bücher vor jeder Zuthat und Weglassung bewahrt worden seien, und in ähnlicher Weise vindicirt Elias Levita den Masoreten das Verdienst, die Heilige Schrift in ihrer Unversehrtheit erhalten zu haben, die ohne sie das Schicksal anderer Bücher getheilt und gleiche Entstellungen wie sie erfahren haben würde, sodaß man nicht mehr recht wüßte, was zum heiligen Text gehöre und was nicht. Selbst die blos mechanische Zählung der Verse, Wörter und Buchstaben war ein gutes Mittel, den Text gegen Zuthaten und Weglassungen zu sichern. Auch was man als „Kleinigkeiten, die der Mühe des Aufzeichnens kaum Werth waren", (Eichhorn, Einleitung, 1,417) bezeichnet, war in der fraglichen Hinsicht nicht gleichgültig. Es gibt eine kleine und eine große Masora. Die kleine Masora macht ihre Bemerkungen in abbrevirten technischen Ausdrücken gewöhnlich am Seitenrand des Textes und heißt darum auch masora marginalis; die große Masora dagegen findet sich gewöhnlich über und unter dem Schrifttext und dient der kleinen Masora zur Ergänzung und Vervollständigung. Außerdem unterscheidet man noch eine Endmasora. Sie ist eine Art Concordanz, welche in alphabetischer Ordnung die Wörter und Stellen aufführt, zu denen die Masoreten Bemerkungen zu machen hatten. Da die Masora der Hauptsache nach von den Gelehrten zu Liberias ausging, so konnte man sie auch die palästinensische nennen im Gegensatz zur babylonischen. Es scheint sich von derselben nichts erhalten zu haben als ein Verzeichniß von morgenländischen Lesarten gegenüber von abendländischen aus unbekannter Zeit, und ein Verzeichniß von Lesarten unter dem Namen des Rabbi Naphtali, eines babylonischen Juden im 11. Jahrhundert gegenüber den Lesarten des Rabbi Aron, eines Palästinensers. Der jetzt übliche masoretische Urtext der Heiligen Schrift beruht einzig und allein auf ben Ascher's (900—960) Bibelexemplar, und die Rabbinen übersahen, daß der Urheber zu den Karüern gehörte (Grätz, 5, 345). Die Masora wurde bearbeitet von Rabbi Jakob ben Chajim. Er revidirte mit eisernem Fleiß die Masora Wort für Wort, ordnete, besserte, warf die ausgelassenen Stellen in einen Index, der "unter dem Namen Uasoru muximg. oder tirmlis bekannt ist (1525). Buxtors der Vater, setzte diese Arbeit fort, jätete aus dem verwilderten Acker noch vieles Unkraut aus, aber raufte mitunter auch guten Weizen aus. Ferner beschäftigten sich mit der Masora Rabbi Meir Halevi, Elias Levita, Ascher Anschel Worms, in neuester Zeit Luzzato, Geiger, Pinsler, Bür und unser Iw. Frensdorfs. Letzterer hat seinen Fleiß und seine Muße der Bearbeitung und Ordnung des masoretischen Materials mit einer seltenen Ausdauer und Hingebung geweiht. Man muß auch seinem opferfreudigen Verleger Dank sagen, daß er dieses zugänglich gemachte Werk edirte, eine Wohlthat, welche man vom Literaturverein oder von dem Verein Mrelamiin erwartet hätte. Daß dieses masoretische Werk von besonderer Wichtigkeit ist, braucht kaum mehr erwähnt zu werden. Dank dem Verfasser für seinen Fleiß und seine Sorgfalt, Dank dem Verleger für die splendide Ausstattung. Vorliegendes Werk wird von Kimchi angeführt und ist aus einem arabischen Fragment in Geiger's Zeitschrift bekannt. Daß ben Ascher dieses Werk nicht vor sich gehabt, daß es jünger ist als jener, beweist Grätz, 5, 555. Dieser Gelehrte identificirt das vorliegende mit der großen Masora. Nach Levita bildete dasselbe die Grundlage der von Rabbi Jacob ben Chajim in der rabbinischen Bibel 1525 abgedruckten Masora, wogegen Frensdorfs aus einer Stelle beweist (Anm. zu 206), daß die gedruckte Masora dieses Werk nicht ge-

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