Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 220 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. daß in den Sprachlehren die späte Entstehung der Vocalzeichen und Accente nicht immer genugsam beachtet wird. Außerdem haben die Masoreten eure Unzahl von Bemerkungen über den hebräischen Bibeltext ausgezeichnet, welche theils a) auf den faktischen Bestand desselben sich beziehen, theils b) in Correctionen bestehen. Von ersterer Art sind 1) die Angaben der sogenannten Ittur sopbarim und Mkkun Lopborim und der außerordentlichen Punkte, die großentheils schon im Talmud Vorkommen. 2) Die Angabe der ungewöhnlichen Buchstaben, namentlich der großen, kleinen, verkehrten und darübergeschriebenen, die zum Theil auch schon im Talmud erwähnt werden. Die Masora gibt den Sachverhalt an, ohne die Ursache desselben zu berühren oder auf die Hagada Rücksicht zu nehmen, welche diesen Litteralformen ihre Aufmerksamkeit widmet. 3) Die Zahl der Abschnitte, Verse, Wörter und Buchstaben der einzelnen Bücher und Bezeichnung der Stellen, welche die Mitte derselben einnehmen, in welcher Beziehung keine Uebereinstimmung zwischen dem Talmud und der Masora herrscht. Schon die soxberim sollen sich mit Wort- und Buchstabenzählung befaßt haben. 4) Die Angabe verschiedener Eigenthümlichkeiten einzelner Verse. So wird z. B. zu Gen. 4, 8 bemerkt: 28 Verse enden in der Mitte des Verses, so nämlich, daß mit der zweiten Vershälfte ein neuer Vers beginnt. 5) Bemerkungen über gewisse Wortverbindungen und Constructionen. 6) Bemerkungen über die Bedeutung gewisser Wörter, die zuweilen in exegetischer Hinsicht beachtenswerth sind. Vergl. z. B. Nr. 59 in unserm Buche und Anm. 1 S. VII. Endlich 7) eine Menge grammatischer Bemerkungen über Vocale, Accente, diakritische Zeichen und plene und defective Schreibweise, dergleichen auch in den gewöhnlichen hebräischen Bibelausgaben oft manche Vorkommen. — Masoretische Correctionen sind besonders die unter den Namen „Keri" bekannten und vom geschriebenen Texte „Ketib" abweichenden Lesarten. Sie beziehen sich a) theils auf Verwechselungen von Buchstaben, b) theils auf Versetzungen von Buchstaben; e) theils auf Ersetzung eines fehlenden oder Weglassung eines überflüssigen Buchstaben. ck) Zuweilen betreffen sie auch unrichtige Worttrennungen und suchen sie zu verbessern, z. B. Ps. 55, 16 im Ketib jasobimavvet, im Keri jaseki warvst; o) grammatische Keri, die sich gewöhnlich auf Geschlechtsverwechselung beziehen; k)' orthographische Keri; g) euphemistische Keri, die man auch im Talmud findet. Die Anzahl solcher Keris ist bekanntlich sehr groß, aber in keiner Handschrift und in keiner Ausgabe werden sie alle angemerkt, und stimmen in Betreff derselben weder die Handschriften noch die Ausgaben miteinander überein. Außer solchen Keris verdienen hier noch Erwähnung die masoretischen Conjecturen unter dem Namen „8sbiriu". An manchen Stellen nämlich, wo von der gewöhnlichen Construction und der grammatischen Analogie abgewichen wird, setzen die Masoreten das ihrer Meinung nach Richtige an den Rand. Als masoretische Correctionen erscheinen auch die öftern llori cvolo ketib und ketib >velo keri, die jedoch schon zum Theil im Talmud Vorkommen. Im erstem Fall handelt es sich mn Wörter, die gelesen werden sollen, obwol sie nicht im Text stehen; der Text hat dann einen leeren Raum, den die Vocale des zu lesenden Worts einnehmen, das Wort selbst aber am Rande beigefügt; im letztem Fall dagegen handelt es sich um Wörter, die nicht gelesen werden sollen, obwol sie im Text geschrieben worden sind; sie sind deshalb auch bei der Vocalisation nicht mit Vocalen versehen und schon dadurch kenntlich gemacht worden. Ein Werk wie die Masora konnte natürlich nicht auf einmal entstehen: die Beobachtungen, deren Ergebniß sie mittheilt, konnten nur allmählich im Lauf geraumer Zeit gemacht werden, und Elias Levita, der die Masora zwar von Esra herleitet, sie aber noch lange nach ihm fortgesetzt werden und zur Vollendung gelangen läßt, hat gewiß vollkommen recht, wenn er sagt, der Masoreten seien Hunderte und Tausende gewesen viele Generationen hindurch und es