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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 219

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 219 (sequence 59)
Language
German
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Das Buch „Ochlah Wochlah" (Massora). 219 gegeben, die Darstellung so unlebendig zu machen, als es seiner schwachen Kraft nur immer möglich war. Man muß das dem guten Manne nicht übel nehmen! Er meint, er erzählt, während er in Wahrheit blos referirt, Bericht erstattet. Daß zwischen der trockenen Berichterstattung und der fesselnden Erzählweise ein Unterschied stattfindet, das eben ist eine Kenntniß, die unserem Manne fehlt, und ohne welche man immer noch ein recht guter Seminarlehrer sein kann, wenn man auch auf die Palme der Poesie durchaus keinen Anspruch hat. Wir würden den beiden Sächelchen viel zu viel Ehre erweisen, wenn wir das hier im allgemeinen Gesagte durch Hinweisung auf Einzelheiten näher auszuführen uns einfallen ließen. Nur so viel sei gesagt: Wir sind mit Vergnügen bereit, dieses harte Urtheil zurückzunehmen, wenn man uns in den beiden Bänden des Hrn. Treu auch nur Eine Wendung aufzeigt, von welcher man behaupten könnte: Das ist eigenthümlich! Das ist etwas, worin sich ein Talent ausspricht! Man zeige uns, abgesehen von dem Berichterstatterton, einen einzigen Dialog auf, der auch nur den Anlauf nimmt, über die gewöhnliche Phrase, über die salbungsvolle Trivialität, über die banale Schablone hinauszugehen. So sprechen Kinder nicht, Verehrtester Herr Lehrer! Ihre Kinder sprechen wie Ihr Buch, während doch Ihr Buch sprechen sollte, wie in Wirklichkeit Kinder sprechen. Das Ganze ist todt, lebt nicht vor uns, und wir haben kein weiteres Interesse, und ein Kind, welches sich bei diesen sogenannten Erzählungen nicht langweilen würde, verdient nach unserer Ansicht einen tüchtigen Schilling, obwol wir sonst nicht dem Grundsatz huldigen, den guten Geschmack durch Zwangsmaßregeln einzuführen. Wer für die Jugend schreibt — muß ein großer Meister sein; wenn er auf die Jugend wirken will, so verberge er seinen Zweck, er liefere ein wirklich künstlerisches Gebilde und lasse seine Principien in der Darstellung aufgehen; aber er schreibe meisterhaft. Wer dies nicht kann, wird aus dem Tempel der Kunst Hinausgetrieben; auch hier dürfen die Zöllner nicht geduldet werden; denn für die Jugend ist das Beste eben gut genug. Eduard Kulke. DllZ Huch „Ochlch W'üchlch" (UWM). Herausgegeben, übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen, nach einer, soweit bekannt, einzigen, in der kaiserl. Bibliothek zu Paris befindlichen Handschrift von Or. S. Frensdorfs, Oberlehrer der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover. Hannover, Hahn sche Hofbuchhandlung, 1834. (Preis 2 Thlr. 20 Sgr.) Die Masora ist ein Wissenszweig, der, sosehr er auch die richtige Bibelexegese fördert und der Wissenschaft förderlich ist, seit geraumer Zeit vernachlässigt wurde. Masora oder Massora (7717^0, 77^122, 7--172Y vom chaldäischen xroclsro tracloro), ist eigentlich truckitio, lleberlieserung im allgemeinsten Sinne, wird aber vorzugsweise und speciell von einer gewissen Leistung früherer Rabbinen in Betreff des hebräischen Bibeltexles gebraucht, welche ebendeshalb auch den Namen Masoreten, (Laulo Humssora), erhalten haben. Ihre Hauptaufgabe war die allseitige, endgültige Fixirung der Form und Aussprache des hebräischen Bibeltextes nach Maßgabe der systematisch bearbeiteten lleberlieserung. So sagt auch Herr Frensdorfs in seinem „Zum Verftändniß", daß die Massora nur traditionelle, d. h. auf lleberlieserung beruhende, anfangs mündlich fortgepflanzte und später erst schriftlich fixirte Bemerkungen enthält. Merkwürdig, daß die Karaiten, deren Grundsatz im praktischen Leben die freie Forschung in der Bibel war, bezüglich der Textesfixirung eine Tradition anerkannten. Die wichtigste Leistung der Nussorg, ist daher zuvörderst die Vocalisirungund Accentuirung jenes Textes, in Betreff welcher hier einfach auf die hebräischen Sprachlehren verwiesen werden kann. Rabbi Mose der Punktator soll die Vocalpunkte erfunden haben, wobei noch bemerkt wird.

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