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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 216

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 216 (sequence 56)
Language
German
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216 Jllustr. Monatsh. für die ges. Was sind Jugendschriften und welchen Zweck haben sie? Jugendschristen sind (wenn man vom rein Instruktiven, wie Lehrbücher u. s. w., absieht) poetische Erzählungen mit instruktivem Zweck. Es muß also die Poesie mit dem Lehrzweck eine Misheirath eingehen, um aus dieser Ehe ein Kind zu erzeugen, welches wieder für Kinder berechnet ist. Wer mit der Kunst nur halbwegs auf freundschaftlichem Fuß steht, der braucht nicht viel Grütze im Kopf zu haben, um die Entdeckung zu machen, daß sie eine ebenso eifervolle Göttin, wie der Gott der Hebräer ein eifervoller Gott ist. Die Kunst duldet neben sich ebenso wenig die Verfolgung außer ihr liegender Zwecke, wie der Gott der Hebräer Götzen neben sich duldet. Die Kunst ist sich selbst Selbstzweck, d. h. ihr einziger Zweck besteht in der Darstellung des Schönen. Wenn einer meiner verehrten Leser so bissig sein sollte, mich hier beim Schopf zu nehmen und mir die Frage vorzulegen: „Was ist Darstellung des Schönen?" oder noch präciser mir die Gurgel zugeschnürt: „Was ist schön?" mich würde das nicht im geringsten in Verlegenheit setzen und aus dem Coutext bringen, denn ich wäre so aufrichtig, ihm zu gestehen: Mein Freund, ich habe mich's nicht verdrießen lassen, die große Reise um die Welt, d.. h. von Plato und Aristoteles angefangen bis herauf auf Friedrich Bischer und Arthur Schopenhauer zu machen; durch alle Lehrbücher der Aesthetik bin ich durchgestampst, durch dick und dünn bin ich mit den Kunstphilofophen gewatet; was das Schöne fei, habe ich aus allen Definitionen nicht herausgebracht; aber — ich habe einen andern Weg eingefchlagen, ich habe „Jesaias" und „Homer", ich habe die „Sakontala" und „Hamlet", ich habe „Don Quixote" und „Faust" gelesen, ich habe die Madonna von Rafael in der dresdner Galerie und den Moses des Michel Angelo im Museum der Gipsabgüsse gesehen, ich habe die „Matthäus-Passion" von Sebastian Bach und den „Messias" von Händel, den „Don Juan" von Mozart und die 0-mc>l1-Symphonie Interessen des Judenthuins. von Beethoven gehört, — und wenn ich auch dir nicht sagen kann, was das Schöne ist, so weiß ich nichtsdestoweniger es aufzufinden, wo immer ich es vortreffe, und wenn es dir, mein Freund, nicht auch so geht, so kann ich dich nur bedauern, aber dir nicht helfen. So viel weiß ich also, daß die Kunst nichts anderes will und auf nichts anderes abzielt als auf Darstellung des Schönen. Das ist ihr einziger Zweck. Wer dies einsieht — und es ist nicht schwer, zu dieser Einsicht zu gelangen, es gehört nur ein richtiges und natürliches Gefühl dazu — der wird sogleich auch cinsehen, daß alle Schriften und Werke, welche mit der Prätension des Künstlerischen auftreten, in Wahrheit aber ganz andere Zwecke verfolgen, die mit der Kunst nichts zu thun haben, von vornherein verwerflich sind. Ihnen wäre besser, sie gäben sich als das, was sie sind. Eine Sprachlehre oder ein Buch von Sittensprüchen will nichts anderes vorstellen als das, was es in Wahrheit ist; eine Erzählung, die keinen andern Zweck hat, als mich sittlich zu machen, mag ein sehr gutes Erbauungsbuch sein, eine eigentliche Erzählung aber ist das Buch so wenig wie das Kamel ein Wiesel und umgekehrt. Es ist nichts anderes als eine künstlerische Lüge. Die Jugendschriften fallen, unter diesem Standpunkte angesehen, in die Kategorie der Tendenzwerke im allgemeinen. Jedes Tendenzwerk mit der Maske der Kunst ist eine künstlerische Lüge. Wenn jemand eine Abhandlung über Freiheit, über Gottheit, kurz über die höchsten Fragen der Menschheit schreibt, so werden wir sie mit Interesse lesen oder auch uns langweilen, je nachdem die Gedanken des Autors im Stande sind, uns zu fesseln oder nicht. Jedenfalls aber hat er gethan, was er konnte, und will uns nicht belügen (künstlerisch genommen). Bietet er aber seine Ideen als Kunstwerk, so entsteht die künstlerische Lü . . . halt! da fällt mir ein scharfsinniger Leser ins Wort, und ich bin so großmüthig, es ihm zu ertheilen. Wie? sagte er, also „Don Carlos", I,Faust", „Hamlet", Werke, in denen

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