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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 214

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 214 (sequence 54)
Language
German
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214 Jllustr. Monatsh. für die gef. Hebung, des oft wiederholten sittlichen Handelns. Durch bloßes Wissen, auf dem Wege der Dialektik gelangt man nicht zur Tugend; nur durch Uebung, durch sittliches Handeln bildet sich diese als Fertigkeit im Guten, als innere Gesinnung des Guten. Diese Gedanken begegnen uns im ersten Abschnitt der acht Perakim und werden im achten Kapitel ausgeführt. Maimonides beginnt mit der Seele im gesunden Zustande, nennt die Unmoralität eine Krankheit derselben und gibt die Mittel zur Heilung an, welche vorzüglich in der anstrengenden Tugendübung besteht. Maimonides geht aber auf die einzelnen Kräfte der Seele ein, um wie Aristoteles zu zeigen, daß das sittliche Handeln sich bestimmt als richtiges Verhalten (M?) nach den Vorschriften der Vernunft, resp. der Religion, und auf der Freiwilligkeit beruht.*) Nehmen wir noch die weitere Bestimmung hinzu, daß die Tugend das Beobachten der richtigen Mitte im Handeln fei, so ergibt sich die vollständige Definition der Tugend als der vorsätzlichen Fertigkeit, die für uns feiende Mitte, welche die Vernunft bestimmt und nach Maimonides auch die Offenbarung normirt, zu finden. Der Begriff der (Me., II, 6) wird aber also näher bestimmt: Sie, der Grund der Vollkommenheit einer Handlung , ist das rechte Maß, die Mitte zwischen dem Zuviel und Zuwenig. Mit der richtigen Mitte ist aber nicht die arithmetische Mitte, die Mitte an sich gemeint, sondern die Mitte für uns, die nach den Verhältnissen der Zeit, des Orts, der Person und andern Umständen eine verschiedene ist und daher nur von der richtigen praktischen Einsicht bestimmt werden kann. Sie läßt sich nicht ein für allemal durch irgendeine Formel bestimmen, sie ist das, was der Verständige dafür ansieht. Ebenso wenig läßt sich das Gebiet der besondern Tugenden durch eine bestimmte Zahl begrenzen, es gibt keine Cardinaltugenden. Es gibt so viele besondere Tugenden, als es Lebensbeziehungen oder eigenthümliche Lagen, *) Im 8. Kapitel tritt er der Astrologie entgegen. Interessen des Judenthums. in denen die richtige Handlungsweise schwer zu bestimmen ist, gibt. Dieser Relation huldigt auch Maimonides. Da es indeß im menschlichen Leben gewisse sich gleichbleibende und stehende Grundverhältnisse gibt, so kann mit Rücksicht hierauf von Haupttugenden die Rede sein. Nach Maimonides hat die Offenbarung diese Haupttugenden normirt und zu ihrer Aufrechthaltung Vorschriften gegeben, z. B. das Fasten für die Tugend der Enthaltsamkeit, die Zehnten und andere Abgaben für die der Freigebigkeit. Mit dieser kurzen Verständigung mag der Leser Hrn. Iir. Wolff's Bearbeitung zur Hand nehmen; er wird sie mit um so größerer Befriedigung lesen. Der Text dieser Ausgabe ist der Pococke'sche. In Betreff der Uebersetzung war das Streben des Verfassers darauf gerichtet, den Sinn der Worte des Originals so treu und mit so genauer Beobachtung auch der feinsten Nuancen wiederzugeben, als es der deutsche Sprachgenius gestattete. Das Streben wurde mit jdem glänzendsten Erfolg gekrönt. In den Anmerkungen, die sich an das Sachliche halten, findet der Leser mannichfache Belehrung. Einige Gegenbemerkungen und Ausstellungen dürften geeignet sein, die Aufmerksamkeit des Verfassers und Lesers auf sich zu ziehen. Anmerkung 3 heißt es: „Bei der Präcision und Klarheit in der Darstellung, die man überall bei Maimonides findet, ist es auffallend, ihn hier ohne allen Grund von dem «Pferde«, womit er den Satz beginnt, zur «Palme» überspringen zu sehen" u.s. w. Ich meine, daß hier -eez: -- die richtige Lesart ist; denn weiter kommt derselbe Passus vor: „In gleicher Weise ist die bewirkende Ursache der Empfindung des Menschen die menschliche Seele, der Empfindung des' Esels die Seele des Esels, der Empfindung des Adlers die Seele des Adlers." Hier, wo von der Empfindung die Rede ist, kann man doch nicht Palme lesen. Zu Anmerkung 5 fügen wir hinzu, daß auch Aristoteles die Einbildungskraft den Thieren vindicirt. „Die Empfindungen", sagt er, „werden zu Wahrnehmungen, indem sie durch

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