Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 213 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417816--732-2418574- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mose ben Maimun's (Maimonides') „Acht Kapitel". 213 losophie und Moralprincip, über den rabbinischen und Aristotelischen Standpunkt u. s. w. in das Buch einführte. Was der Herr Verfasser verabsäumte, möge hier andeutend ergänzt werden. Unter Moral verstehen wir die Lehre oder die Wissenschaft des sittlichen Lebens. Die rabbinischen Moralisten pflegten sich des Geschäfts, eine Definition der Moral aufzustellen, zu überheben, indem sie es vorzogen, sogleich, wie der Epiker bei Horaz, in lusckias res einzutreten. Diesem Umstande verdanken wir die Sammlung der Vätersprüche. Die Definitionen dieses unsers Gegenstandes lauten verschieden, daher man über dessen Namengebung zur Stunde noch nicht einig ist. Die einen bezeichnen ihn mit dem Namen „Ethik", andere nennen ihn „Tugend¬ oder Pflichtlehre", wieder andere „Sittenlehre"; daran schließt sich endlich die Bezeichnung „Moraltheologie" oder schlechthin „Moral". Es ist aber nicht genau, daß man den Tractat Abot, welcher moralische Gnomen der Rabbinen enthält, mit Principien übersetzt; sie sind nichts anderes als moralische Sprüche der Väter, welche auf den Titel „Principien" nicht Anspruch machen. Die Thora stellte allerdings ein Princip für die Moraltheologie auf: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig", aber der Tractat Abot befaßt sich lediglich mit Specialitäten der Moral. Dainit begnügte sich aber der durch und durch systematische Maimonides, dem principielle Begründung und logische Behandlung eine zweite Natur war, nicht, daher er eine philosophische Moraltheologie in acht Abschnitten schrieb, welche sich auf die jüdische Theologie einerseits und andererseits auf Aristoteles aufbaut. Das Princip der Aristotelischen Ethik war mit einiger Modifikation der Leitstern des Maimonides. Nach Aristoteles ist die Glückseligkeit der Name für das höchste Gut. Dieses aber ist nichts anderes als der absolut höchste Zweck (chQo;), dasjenige nämlich, das wir nicht um eines andern willen, nicht als Mittel zu einem höhern Zweck, sondern um seinetwillen begehren, ein Gutes schlechthin oder ein Bestes. Die menschliche Glückseligkeit kann nur in dem eigenthümlichen Wesen der Menschen, mithin nicht wie beim Thier in sinnlicher Empfindung, sondern nur in der geistigen Thütigkeit ruhen. Die Glückseligkeit des Menschen ist in der Vollkommenheit seines intelligenten Daseins und Thuns begründet. Das Wohlhandeln (ey rsi.'-) zeigt sich als naturgemäße Bethütigung, als ungehemmte Energie, und gewährt als solche die höchste Befriedigung, begründet das Wohlbefinden (eu Diese Aristotelische Bestimmung waltet auch in den acht Abschnitten vor, mit dem Unterschied nur, daß bei Aristoteles der natürliche Zusammenhang zwischen Thätigkeit und Lust, die in der Verbindung mit einem vollkommenen Leben den Begriff der Eudämonie vollenden, accentuirt ward (Ltllic. Xie., I, 7; X, 7, 8), während bei Maimonides alles auf die Uebereinstinnnung mit Gott bezogen und zurückgeführt wird. Was den Tugendbegriff anlangt, so weicht Aristoteles in mehr als einer Hinsicht von Sokrates und Plato ab und geht zu einem bestimmten Kanon in der Feststellung desselben fort. Bei der Bestimmung des Guten greift er nicht in das transscendentale, intelligible Gebiet, nicht in die großen kosmischen Verhältnisse hinüber; er bleibt bei der gegebenen Naturanlage des Menschen stehen und faßt das Gute als das von der Natur selbst angestrebte Ziel auf. Nicht die Idee des Guten, sondern die Praxis des Guten, nicht das Gute an sich, sondern das Gute für uns, das im Leben ausführbare Gute ist ihm Gegenstand der Sittenlehre. Das Sittliche begreift er, statt wie jene als etwas rein Jntellectuelles, vielmehr nur als di? Versittlichung und Vergeistigung des Natürlichen. Seine Auffassung der Tugend als normaler Ausbildung des natürlichen Triebes bestimmt ihn, bei seinen moralischen Entwickelungen von der Naturbestimmtheit der Seele auszugehen. Der Mensch ist eine sittliche Natur, es wohnt in ihm ein Trieb zum Guten, er besitzt eine sittliche Anlage, die aber derAusbildung bedürftig ist, um die sittliche Tugend aus sich hervorgehen zu lassen. Diese ist somit das Product der