Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 212 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417816--731-2418573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
212 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Opfers und es widerstrebt ihrem innersten Gefühl, sie kann sich also nicht entschließen; ist sie Jungfrau, kann ihr der Gedanke, dieses Opfer zu bringen, gar nicht in den Sinn kommen, dies verhindert die Naivetät der Jungfräulichkeit. Die biblische Judith also ist im Drama schlechterdings unmöglich. Die Judith, welche die Thal vollführen soll, darf keine Jungfrau sein und muß es doch noch fein. Das ist nur dann möglich, wenn sie verheirathet ist, aber von ihrem Manne nicht berührt wurde. Einer solchen Jungfrau kann der Einfall kommen, und doch kennt sie, weil sie eben noch Jungfrau ist, die Größe des Opfers nicht, zu dem sie sich entschließt. Es handelte sich also darum, in der Brautnacht etwas zu setzen, das Manasse zurückhält, sich ihr zu nahen. Was dies «etwas« sei — und hierin liegt das Geheimniß — das ist ganz gleichgültig. Supponire sich jeder, was ihm beliebt, sei es ein Gesicht, ein Gespenst oder was immer, darum handelt es sich gar nicht, es handelt sich nur um die Consequenzen dieser Erscheinung. Die dramatische Motivirung ihrer nachherigen Heldenthat bedingt eine vorausgegangene ehelose Ehe." Hiermit war ich nun freilich befriedigt. Außer der „Judith" hat Hebbel bekanntlich noch eine Tragödie: „Herodes und Mariamne" geschrieben. In seinem Nachlaß findet sich auch ein dramatisches Fragment: „Moloch", welches wir jetzt in der Gesammtausgabe kennen lernen werden. Zur Zeit der Veröffentlichung dieses Fragments werden wir auf dasselbe zurückkommen. Von den übrigen Schöpfungen Hebbel's ist noch der „Diamant", diese echte Komödie, in welcher die Zeichnung des Juden, der den Diamant verschlingt und von dieser Stunde an sein Schicksal in seinem Bauch mit sich herumträgt, zu dem Gelungensten gehört, was auf dem Gebiet der komischen Poesie in Deutschland geleistet worden, hier zu erwähnen. Es sind nun zwei Jahre (13. Dec.), seitdem der deutschen Nation ein großer Dichter, dem Vaterlande einer seiner edelsten und kräftigsten Söhne, mir aber ein theuerer Freund und liebevoller Rathgeber dahinstarb. Es ist für mich ein kleiner Trost, an dem Jahrestage („Jahrzeit") einige Blättchen der Erinnerung, aus seinem eigenen reichen Garten gepflückt, aus das theuere Grab streuen zu dürfen. Eduard Kulke. MM dM MlMM'S (KlMMdtZ') Acht KM. Arabisch und deutsch mit Anmerkungen von vr. M. Wolfs. Leipzig, Commissionsverlag von Heinrich Hunger,*) Um die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit vorliegender Schrift zu ermessen, braucht man nur das Vorwort des Herrn Verfassers zu lesen. Zu den unvergänglichen Denkmälern, die der erhabene Weise Maimonides im Reich des Geistes sich gesetzt, gehört auch die kleine, aber inhaltreiche, das ganze System seiner Ethik gedrängt und prägnant entwickelnde Schrift, die Hr. vr. Wolfs in der Ursprache und in Uebersetzung den Freunden der philosophischen und insbesondere denen der jüdisch-arabischen Literatur übergab. Diese Schrift des Maimonides hat ihrer trefflichen Gedanken wegen von jeher des Beifalls und der vollsten Anerkennung der Gelehrten sich zu erfreuen gehabt; die Fragen, die sie mit Klarheit und Gründlichkeit behandelt, greifen aber zu tief in das sittliche und religiöse Leben ein, als daß sie nicht für jeden Gebildeten, der sich wahrhaft dafür interessirt, von hohem-Werth sein sollte. Da aber Hr. Or. Wolfs seine Schrift nicht allein für die gelehrte, sondern auch für die gebildete Welt schrieb, so thut er dem Leser unrecht und ist es eine bedeutende Lücke, daß er jenen nicht vermittels einer unterrichtenden Einleitung über Moral, Moraltheologie, Moralphi- *) Obwol dieses Werk bereits 1863 erschien, glauben wir im Interesse unserer Leser wie der Literatur zu handeln, wenn wir jetzt darauf zurückkommen. D. R.