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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 208

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 208 (sequence 48)
Language
German
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208 Jllustr. Monatsh. für die gef. gern, er öffnete ihnen sein gastliches Haus, er unterstützte sie mit Rath und That, und selbst Klopstock verdankt dem Lobe, das Bodmer ihm spendete, ein gut Theil seines Ruhms. Auf diese Thatsachen wird freilich in den Handbüchern der Literaturgeschichte nur wenig Rücksicht genommen. Das biblische Epos „Der geprüfte Abraham" (.3 Gesänge, Zürich 1753), ist das einzige geblieben, welches-Wieland verfaßt hat. Der poetische Werth des Gedichts ist sehr gering; zwar erscheint der Charakter des Patriarchen nicht ohne Geschick gezeichnet, aber man vermißt alle Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Schilderungen, und die bald schläfrig matte, bald verzückte Stimmung des Autors wirkt geradezu abstoßend. Wieland's Patriarchade ist eben das Werk eines unreifen, fremden Einflüssen leicht zugänglichen Jünglings, der noch nicht die Art und die Schranken seines Talents genau kannte, und dessen innerster Natur die religiöse Dichtung so wenig entsprach. Das Werk wäre sicherlich schon längst verschollen, wenn es nicht der Name des Dichters vor gänzlicher Vergessenheit bewahrt hätte. Auch Sal. Geßner's Idylle „Der Tod Abel's" (5 Gesänge, Zürich 1758), ist unter dem unmittelbareil Einfluß Bodmer's entstanden. „Der Tod Abel's" ist wol das formvollendetste unter allen Werken dieses Schriftstellers, dessen Bedeutung für die Literatur seiner Zeit gegenwärtig nicht selten verkannt wird. Mag man den Geßner'schen Dichtungen immerhin vorwerfen, daß die Charaktere, die sie uns vorführen, schwächlich, ja unwahr sind; ihre sorgfältig ausgeführten Schilderungen, ihre fauste, melodische Sprache kann inan nicht bestreiten. Gcßner ist einer der vorzüglichsten Prosaisten des 18. Jahrhunderts, und er hat die Entwickelung des deutschen Prosastils wesentlich gefördert. „Der Tod Abel's" zeichnet sich vor den übrigen Schriften Geßner's durch eine reichere und lebhafter bewegte. Wenn auch nicht durchaus einheitlich gestaltete Handlung aus. Das Werk wurde auch bei seinem Erscheinen mit stürmischem Beifall begrüßt, wiederholt aufgelegt und bald in alle Interessen des JudenLhuins. Sprachen Europas übersetzt. (Dagegen ist Geßner's „Gemälde aus der Sündflut" (Zürich 1762s gänzlich mislungen.) Fast gleichzeitig mit Geßner's „Tod Abel's" erschienen: „Poetische Gemälde und Empfindungen aus der heiligen Geschichte", von Jak. Friedr. Schmidt (Altona 1759),- eine Reihe von thcils in Prosa, thcils in Herametern abgcfaßten Idyllen. Sie erwecken Interesse vor allem durch die schwungvolle Darstellung und durch die vielen morgenländischen Bilder, welche an die schönsten Stellen der Bibel erinnern. Die lyrischen Partiell haben originelle Wendungen, und wir heben namentlich ein dithyrambisches' Trinklied Noah's hervor, das noch jetzt gelesen zu werden verdiente. Von biblischen Epopöen aus jener Zeit nennen wir noch: Das etwas schwerfällig sich fortbewegendc Gedicht „Daniel in der Löwengrube", von F. R. Moser (1763), „Nimrod, ein Heldengedicht in 24 Büchern", von Christ. Nik. Naumann (Frankfurt 1752), und „Lucifer" und „Kain", von Ludw. Friedr. Hudemann (Bützow 1765). In gewissem Sinn gehören auch hierher: „Reime zu den biblischen beschichten des Alten und Neuen Testaments, für die Jugend", von Joh. Kasp. Lavater (Zürich 1782), I. A. Cramer's „Poetische Uebersetzunq der Psalmen" (1762—64, 4Bde.; im ersten Bande eine gelungene Ode „David"), und L. Gleim's Lehrgedicht „Halladat öder das rothe Buch" (1. u. 2.Bd., Hamburg 1775; 3. Bd., Halberstadt 1781), „ein in Erhebenheit stammelndes Gedicht von Gott und seinem Wesen, aus dein dunklen musikalischen Nachklange der Bibel und des Korans componirt." Nur der Curiosität wegen erwähnen wir, daß auch Friedr. Will). Zachariä, der lustige Dichter des „Renommisten", sich längere Zeit mit dem Plan getragen hat, ein großes biblisches Epos zu dichten, welches „Die Schöpfung der Hölle" besingen sollte. Doch sind nur zwei -Fragmente desselben (Altenburg 1760) erschienen, und man hat nicht Ursache zu bedauern, daß das Gedicht

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