Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 207 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Biblische Stoffe in der neuern deutschen Dichtung. 207 Leitung des Hru. Salvator Daniel, Gemeindedirectors von Algier, verschiedene religiöse Gesänge in hebräischer Sprache unter Begleitung der Orgel, die Hr. Salvator meisterlich spielte. Hr. Salvator verdient alles Lob rücksichtlich des Effects, den er mit seinen Schülern (Gesangseleven) erzielte. Nach den Gesängen hielt der Herr Großrabbiner eine Rede, die von allen Anwesenden mit großer Aufmerksamkeit angehört ward. Nach beendigter Rede führte man zwei reichgeschmückte Thorarollen im feierlichen Umzug einher und bestreuet» die heiligen Schriften mit Blumen und wohlriechenden Essenzen. Nachdem die Thorarollen vor dem Großrabbincr hingestellt waren, erhob dieser segnend die Hände und sprach ein hcbräiscbes Gebet voll Segens- Wünschen für den Kaiser und dessen erhabene Familie. Dann wurden die Thvrarvllen in die Lade gelegt, und die schöne Feier schloß mit einer Sammlung zum Besten der Armen. Paris. A. Raveau. Literatur. Hib lischt SM i» der neuem deutschen Dichtung. III. Indem wir uns nun den einzelnen biblischen Dichtungen zuwenden, welche in der zweiten Hälfte des 1k. Jahrhunderts, und zwar großentheils unter dem unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß-Bodmer's entstanden sind, geben wir nochmals die Erklärung ab, daß unsere Aufzählung auf strenge Vollständigkeit keinen Änspruch macht und machen will, daß wir aus der Ungeheuern Menge von Werken dieser Art nur diejenigen hervorheben, welche wenigstens zur Zeit ihres Erscheinens die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ezogen haben. Es bedürfte einer gar reiten Folie, wenn wir unser Thema seinem ganzen Umfang nach erschöpfen wollten. Man suche hier auch ebenso wenig umständliche Biographien als weitläufige Recensiouen. Es handelt sich hier nur um die Stoffe, welche die Dichter der Bibel entnommen haben, und , nicht um den ästhetischen Werth der Werke selbst. Dieser ist im allgemeinen sehr gering, und obgleich wir beiunserer Aufzählung eine strenge Auswahl treffen werden, so müßte unser Verzeichniß doch noch um vieles kleiner werden, wenn wir an die be-! treffenden Werke den ästhetischen Maß! stab der Beurtheilung anlegen wollten. Das 18. Jahrhundert war die Zeit des Epos; erst spät, in den siebziger Jahren, trat das Drama entschieden in den Vordergrund. So ist denn auch der größte Theil der Dichtungen, welcbe wir hier zu besprechen haben, in epischer Form abgefaßt. Im 19. Jahrhundert herrscht das entgegengesetzte Verbältniß, da wiegt die Zahl der biblischen Dramen vor, und biblische Epopöen werden immer seltner. „In Bodmer's Hause, in eben dem Zimmer und an eben dem Tische, woran Bodmer wechselsweise bald an seiner Uebersetzung Homer's, bald an einer von den kleinen Epopöen, wozu ihm die Familie Abraham's den Stoff gab, arbeitete", hat Wieland, wie er selbst erzählt, sein Epos „Der geprüfte Abraham" verfaßt. Dieser Umstand in der Entstehungsgeschichte der Wieland'schen Dichtung illustrirt in bezeichnender Weise die Stellung, welche Bodmer um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einnahm. Fast zwanzig Jahre lang war Bodmer's Einfluß bestimmend auf den Entwickelungsgang der Literatur. Nicht Leipzig oder Berlin, sondern Zürich war damals in Wahrheit der literarische Vorort Deutschlands. An „Vater Bodmer" wandten sich die jungen Poeten