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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. Seite 204

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Date
1865-12-01
Page
Seite 204 (sequence 44)
Language
German
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204 Jllustr. Monatsh. für die gcs. Interessen des Judenthums. liefern. . Des vorgenannten Graban's Geschäfte waren durch mancherlei Unglücksfälle ins Stocken gerathen, sodaß seine Zahlungsunfähigkeit fast allen seinen Geschäftsfreunden zur Gewißheit geworden war, und um diese Zeit kain er zur braunschweiger Messe und bat Israel um einen Vorschuß von 3000 Thalern, der ihn gewährte, obgleich Freunde und Verwandte ihm davon abriethen, da er sein Geld aufs Spiel setzte. „Der Mann hat unumschränktes Vertrauen in mich gesetzt", sagte er, „als meine Umstände noch sehr zweideutig waren, ich würde undankbar sein, wenn ich jetzt, da er in Noth ist, ihm nicht unumschränktes Vertrauen schenken wollte." Das Darlehn ging wirklich ganz verloren, denn Graban konnte beim besten Willen seinen Gläubigern nicht mehr gerecht werden, aber Jsrael's Seelenruhe und Gleichmuth wurden dadurch -nicht im geringsten erschüttert, er vollführte nachgerade dergleichen Thaten mehr. Ein gleiches hochherziges Werk des Edelmnths übte er bei folgender Gelegenheit. Er hatte aus der Münze in Braunschweig 10000 Thlr. in Gold in Empfang genommen und das Geld auf seinem Heimritt in zwei Beuteln an die beiden Seiten seines Mantclsacks vertheilt. Das Pferd war durch den Schuß einer Schlüsselbüchse, die ein Knabe vor dem Thore abfeuerte, scheu geworden, prallte zur Seite und streifte an einen Wagen, wodurch der Mantelsack am untern Theil durchschnitten ward. Ohne diesen Schaden zu bemerken, ritt Israel weiter bis nach Wolfenbüttel, wo er bei einem Riemer halt machte und dem Hausdiener die etwas leer gewordene Seite des Mantelsacks über die Schulter warf, der über dessen Schwere scherzte. Israel nahm den Scherz als solchen leichthin, begab sich unbesorgt zur Ruhe, konnte jedoch die ganze Nacht nicht schlafen. Desto früher stand er am Morgen aus, verrichtete sein Gebet, und als er am Schluß desselben, nach jüdischer Sitte einige Schritte zurücktrat, stieß er an! das leere Ende des Mantelsacks und! bemerkte, daß dessen Inhalt verschwunden war. Sein Argwohn fiel zunächst ans den Hausdiener, und der Wirth beeilte sich, eine Haussuchung bei demselben vorzunehmen, die aber nichts Gravirendes gegen den. Beargwöhnten zu Tage förderte. Israel verlor seine -Gemüthsruhe nicht, trank eine Tasse Kaffee, zündete sich eine Pfeife an und ritt desselben Weges nach Braunschweig zurück, mn Erkundigungen einzuziehen, die ihn auf die Spuren leiten konnten, die Finder des Geldes zu ermitteln. Das gelang ihm auch bald; er erfuhr unterwegs, daß einige Arme aus dem an der Landstraße gelegenen Hospital das Geld gefunden und, seinen Werth nicht kennend, damit als Zahlpfennigen gespielt, daß zwei wandernde Schuhmachergesellen ihnen die Goldstücke abgelockt hätten, aber über die Theilung derselben so hart und thätlich aneinander gerathen wären, daß die vorbeifahrende Post sie sammt dem Gelde aufgehoben und der zuständigen Behörde in Braunschweig übergeben. Israel ritt sonder Zeitverlust dorthin, inachte sein Eigenthumsrecht an dem Gelde durch das Zeugniß des Münzmeisters und durch Angabe, es wären mit Ausnahme eines einzigen hannoverschen lauter braunschweigische Goldstücke gewesen, geltend und kam sofort in den Besitz des Seinigen. Alsbald sonderte der Biedermann den zehnten Theil davon ab, schenkte den beiden Hospitaliten je 100 und den beiden Gesellen je 150 Thlr. und versah letztere noch lange Zeit nachher jährlich mit neuen Kleidern. Wie voll Jsrael's Herz von Liebe, Mitleid und Theilnahme war, dafür mögen schließlich noch zwei Thaten zeugen, bei denen auch die edle Natur seines Sohnes herrlich zu Tage trat, und bei deren einer die Humanität eines deutschen Fürsten sich einen ewig frischen Ehrenkranz in der Geschichte der Juden geflochten, wie ihn der König von Preußen Friedrich Wilhelm II. zu Ende des Jahres 1787 sich erworben. Als Israel mit Zunahme seines Neichthmns zum badenschen Hof- und Kam-!meragenten ernannt wurde, da war! sein Trachten zunächst darauf gerichtet, den Kurfürsten zur Aufhebung des beschimpfenden Judenleibzolls zu bewe-

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