Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 205 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417816--724-2418566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
205 Die feierliche Einweihung einer neuen Synagoge in Algier. gen, und als der edle Fürst darein! willigte, überreichte ihm Israel Jakob' und dessen Sohn Israel Jakobson 1000 Reichsgulden zur beliebigen Verwendung für eine Armenanstalt. Der Kurfürst wendete die Hälfte einem zu errichtenden Krankenhanse zu und überwies die andere Hälfte dem badenschen jüdischen Hospital. Daß Jsrael's Wohlthätigkeit nicht etwa blos miß seine Glaubensgenossen beschränkt war, dafür sprecheil seine reichen Spenden an das Waisenhmis und andere öffentliche Mildthätigkeitsanstalten seiner Vaterstadt und die ansehnlichen Vermächtnisse an seine gesammte sowol jüdische als christliche Dienerschaft. Vor seinein Hintritt hatte er geäußert, er wolle seinen Glaubensgenossen ein Kapital von 10000 Thalern hinterlassen, indeß hatte ihn der Tod ereilt, ehe er diesen Wunsch gerichtlich feststellen konnte. Sein großsinniger Sohn hielt sich im Gewissen verbunden, die vom Vater beabsichtigte Stiftung ins Werk zu setzen. Schon acht Tage nach dessen Tode meldete er dieses der Regierung und deponirte nach vier Wochen 10000 Thaler in Pfandbriefen, deren 4 Proc. Zinsen jährlich unter würdige jüdische Arme Halberstadts dergestalt vertheilt werden sollten, daß ihrer drei wöchentlich jeder 2 Thlr. und drei arine jüdische Witwen jede wöchentlich 12 Silbergroschen erhalte, der Rest aber wieder bis zll 50 Thlr. gesammelt und einer armen jüdischen Braut zugewendet werde. Damit die Wirksamkeit der Stiftung nicht auf ein Jahr, bis zum Fälligwerden der Zinsen, hinausgeschoben bliebe, fügte der Sohn des Erblassers noch 400 Thlr. hinzu lind schenkte überdies noch 100 Thlr., deren Zinsen dem Verwalter der Stiftung Zufällen sollten. Ueberblicken wir die durch altjüdische Charakterfarbe scharf hervortretenden Wohlthaten Jsrael's, so ist uns zu Muthe, als seien wir in das freundliche Stillleben eines Landpfarrers eingetreten, überall spricht uns ein heiterer, gesunder Lebenssinn wohlthnend an; warme Innigkeit und wahre Begeisterung für Liebe, Freundschaft und Häuslichkeit, religiöse Gesinnung, geläuterter Glaube, das sind die Empfindungen und Ueberzeugüngen, denen wir begegnen. H. Jolowicz. Die lemlübe Einwchnng tim nmm SvnWZe in Algitr. Am 19. Sept. d. I. fand in Algier um 3 Uhr nachmittags die feierliche Einweihung der in der Cantongasse gelegenen neuen jüdischen Synagoge statt. Obgleich seit langem errichtet, 'wurde dieses Gebäude doch erst seit einigeil Jahren der israelitischen Gemeinde überantwortet, ehe noch die nöthigen Anbauten vollendet waren. Das Aeußere des neuen Tempels zeigt nichts Besonderes; das Innere jedoch ist im Gegentheil wie geschaffen, um zu gefallen. Es bildet ein von einer prachtvollen Kuppel, die dem Ganzen einen Anstrich von Erhabenheit verleiht, überdachtes Viereck. Die Architektur ist in einfachem, strengem Stil gehalten, ohne deshalb die Zierlichkeit auszuschließen, da Arabesken geschickterweise daran angebracht sind. Eine Art Gürtel, aus kleinen Nischen gebildet, entrollt sich vor dem Blick des Beschauers lind erzielt eine graziöse Wirkung. Inmitten des Tempels erhebt sich der Predigerstuhl (die Kanzel). Hier ist der Platz des functionirenden Rabbi; er befindet sich vor der heiligen Lade, die die heiligen Rollen des Pentateuch enthält lind von einem granatfarbenen Sammetvorhang verhüllt wird. Der Vorhang, goldgestickt, wie der des lyoner Tempels, zeigt zwei Löwen, welche eine Krone stützen. Die innere Hauptfacade war am Tag der Einweihung reich und festlich init Blumen und Kränzen von Laub geschmückt, mit Inschriften, Fahnen und kaiserlichen Wappenschildern; die Kronleuchter verbreiteten durch ihren Lichtglanz, der sich in den Krystallgläsern brach, eine zauberische Wirkung. Die kirchliche Commission, welche mit der Anordnung der Feier betraut