Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 194 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Jllustr. Monatsh. für die ges Vorn Dorf Bludan führt eine breite angenehme Straße durch das Thal, welche von hohen Brombeersträuchern und Silberpappeln, die von Weinreben durchschlungen sind, eingefaßt ist. Die Straße führt durch jene Schlucht, die so eng und kaum so breit ist, daß Fluß und Weg nebeneinander Raum haben. Auf beiden Seiten streben kahle Felswände mehrere hundert Fuß hoch empor. Der Eindruck, den man beim Eintritt in die ernste und düstere Schlucht aus dem freundlichen, heiteres Leben athmcndcn Thal empfängt, ist ungemein imposant. An der östlichen Seite dieser Felswände finden sich Nachweise von Katakomben, die in alten Zeiten hier angebracht waren und wahrscheinlich die NekropoliS von Abila, der ehemaligen Hauptstadt der Provinz, bildeten. In dieser Provinz befinden sich eine Menge schöner Ortschaften, in welchen man Jnschriften-Trümmer zu Bauten verwandt sieht, welche von der ehemaligen Existenz jener Stadt unzweifelhafte Kunde geben. Die vielen Bauüberreste, Hautreliefs, Säulcntrümmer von griechischen Tempeln, welche man in den Dörfern, die jetzt von Mohammedanern bewohnt werden, antrifft, beweisen aber auck, daß hier bedeutende Bauwerke gestanden haben. Die Katakomben waren oft tiefeingegrabene Grufthöhlen, mit kunstreichen Portalen, geschmückt mit halberhabener Arbeit und andern Sculpturen. Die schönen Katakomben, oft 50 Fuß hoch, gewähren einen pittoresken Anblick. Ist man aus dem Bereich der Gräber, so erweitert sich die Schlucht und das Thal. Das letztere bekleidete sich allmählich mit einer herrlichen Vegetation, und ich befand mich wieder zwischen freundlichen Dörfern, die oft von Kreidehügeln und schmückenden Gartenterrassen umgeben waren. Unterhalb der Katakomben führte eine Brücke über den Barada, und etwa eine halbe Stunde davon am rechten Ufer des Stroms liegt das Dorf el Haseihniych, auf dessen Berghöhe, „Nebi Abel", die Sage den Brudermord Kain's verlegt hat. Von hier gelangten wir nach dem . Interessen des'Judenthums. Dorf el Fidsheh, das zwischen 7—800 Fuß hohen Felswänden eingeschlossen ist. Aus einem Loch eines der Felsen bricht die Quelle „Am Fidsheh" unerwartet mit großer Gewalt hervor, fällt aber schon nach 120 Schritten in den Barada. Auch in der Nähe der Quelle fand ich Mauerwerk, Tempelreste, Säulen, Nischen zu Statueu, die aus hohen: Alterthum zu stammen schienen. Ungefähr eine halbe Stunde abwärts vom Stromthal des Barada, bei einer Biegung desselben nach Süden, begann ein großer Tunnel, eine lange Wasserleitung darstellend, die bis auf eine Tagereise von Tadmor sich erstrecken soll. Obgleich sie jetzt ohne Wasser ist und die Spuren der Vergänglichkeit an sich trägt, so kann man doch ihren frühem Zweck und mehrere Nebenkanäle deutlich erkennen. Nach einer Sage im Lande soll Salomo der Erbauer dieser Wasserleitung gewesen sein, sowie er auch der Gründer von Tadmor ist. Syrien muß sehr großartige Werke dieser Art im Alterthum besessen haben, wie sich durch die häufig anzutreffenden Bauüberreste Nachweisen läßt. Durch diese Werke wurden an Wassermangel leidende Gegenden und Wüsteneien, die kein. Geschöpf zu nähren im Stande waren, in fruchtbare, oft üppige Fluren umgewandelt. Vom Dorfe Dummar, etwa 2 Meilen von Damascus, sind alle Quellen und Zuflüsse zum Barada mit diesem vereinigt. Das Thal, welches er durchströmt, ist ungemein pittoresk, wozu besonders zwei seiner Arme beitragen, die unter Felsen, welche mit lieblichen Blumen und Sträuchern geschmückt sind, hervor und dann wieder über dieselben Hinwegstürzen. Bei Dummar beginnt die Ghutha,das Thal, welches mit Gärten und Obsthainen übersäet ist, die Damaskus auf 2—4 Stunden in diametraler Richtung umgeben und eine große Berühmtheit erlangt haben. Die sich nun entwickelnde Vegetation, erzeugt durch die befruchtende Kraft der Gewässer des Barada und seiner vielen Kanäle, ist bewunderungswürdig. Die schönen Obsthaine gewinnen durch dieselbe das Ansehen von tropischen Urwäldern.