Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 193 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Umgebungen von Damaskus. 193 Kaisers Hadrian reiche jüdische Kaufleute*) gegeben hat. Fragen wir nun nach den innern Gründen dieser Erscheinung, nach der Ursache, wie es möglich wurde, daß Lebensbeschäftigungen, die man im jüdischen Volk nationale nennen könnte, sich aus demselben vollständig verloren zu haben schienen, und wiederum Gewerbe, die gar keinen Boden gewinnen konnten, so entschieden platzgriffen, dann gibt darauf die politische Lage der Juden Antwort, der herbe Druck, die tausenderlei Beschränkungen, die ihnen auferlegt wurden, bald den Landbesitz raubten und dauernd entzogen, bald den Betrieb dieses oder jenes Gewerbes verboten und verkümmerten und sie zur gemeinen Creatur ihrer Bedränger herabdrückten, gegen welche nur noch List und Kriecherei die einzigen Waffen wurden. Und damit trifft eigentlich der Abschluß der Mischna zusammen, seit welcher Zeit die Leiden des jüdischen Volks in Palästina**) immer größer wurden, das Studium des Gesetzes immer dürftiger, während Babylonien***) unter seinen Herrschern durch die freie Verfassung, welche es den Juden gestattete, deren wissenschaftlichem Streben reiche Förderung bot. (Schluß folgt.) geographische Hharakterbilder aus Palästina. Die UMtblliM dm KiMÄnZ. Von I. W. Damaskus, August 1865. Vor einigen Tagen machte ich von hier einen Abstecher nach Zebdanh (Zebdenh, spr. Zedanh), auf der Straße von Baalbek nach Damaskus, welche durch das Thal des Barada führt, dessen Scenerien an Schönheit wol kaum von einem andern übertroffen werden dürften, obgleich Syrien sehr »> Erech Milin, S. 215, Nr. 10. Bergt. S. 191, Spalte 1, Note «*>. ***) Vergl. S. 191, Spalte 1, Note Hilberg'S Jllnstrirte Monatshefte. Il, Z. — December reich an schönen Bergthülern ist. Es wird vom Barada ganz durchflossen. Früher scheint es ein See gewesen zu sein, der durch die Felsklüfte nach Osten sich einen Abfluß gebahnt hat. Zebdanh bildet einen District auf einer Hochebene. Der Ort gleichen Namens ist hübsch gebaut, reinlich und von Christen bewohnt. Seine Lage ist überaus romantisch; er ist von Gärten und Obsthainen umgeben, weiter nach den Bergen hinauf sind Maulbeerpflanzungen und wird Seidenbau getrieben. Der Boden des Thales ist von einer außerordentlichen Fruchtbarkeit. Schon in frühern Zeiten wurde hier die Obstcultur mit so außerordentlichem Erfolg gepflegt, daß die schönsten und feinsten Obstarten in großem Ueberfluß vorhanden waren und die Bewohner von Damascus sich dieselben zu den billigsten Preisen verschaffen konnten. Später lernten die Bewohnner von Zebdanh von Europäern aus Obst Eider und Essig bereiten und Früchte trocknen, aus deren Handel sie jetzt bedeutenden Nutzen ziehen. Dennoch hat das Obst hier in den vielen, den Ort umgebenden Gärten sowol als bei Damaskus, einen sehr geringen Werth, und man kann für wenige Piaster in jedem beliebigen Garten sich den unbeschränktesten Genuß von Feigen, Aprikosen, Pfirsichen, Wein und andern feinen Obstsorten verschaffen, dessen ich mich auch häufig erfreut habe. Zwei Stunden lang fließt der Barada südlich in ruhigem Lauf durch das reizende Thal, nimmt rechts und links mehrere kleine Flüsse und Bäche auf, deren Ufer, wie der Hauptfluß, von einer üppigen Vegetation umgeben sind, und gelangt dann an den Antilibanon, wo er (ich durch Felsen, mit dem wahrscheinlich vorhanden gewesenen See, einen Abfluß erzwungen hat. Er stürzt hier durch eine tiefe, in hohe Felswände eingeschlossene Schlucht von Stufe zu' Stufe in wildem Brausen fort, bildet einen ungefähr 50 Fuß hohen Wasserfall und erreicht sobald er das Wadi des Barada durchflossen und wieder einen ruhigen Lauf angenommen hat, die Ebene von Damaskus. IMS. 13