Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 192 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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192 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen deS Judenthums. der allgemeinen Menschenliebe darin anzweifeln. Die Sache hat aber noch ihre andere Seite, insofern nämlich der humane Geist, der im Talmud weht, sich in festen, positiven Lehren ausprägt, und ein ganzer Abschnitt der Mischnah (Pirke Äboth), der zur Ordnung des )us gehört, besteht nur aus solchen Sentenzen und Sitten spräche». Dahin gehören z. B. folgende Stellen: Rabbi Judah lehrt *): Welcher ist der rechte Weg, den der Mensch wählen muß? Derjenige, welcher Ehre bringt dem, der ihn wandelt, und Ehre verschafft bei Menschen. Rabbi Chanina ben Dossa lehrt**): Wenn sittliche Tugend der Weisheit vorangeht, dann hat die Weisheit Werth; sie hat keinen Werth, wenn sie nicht mit sittlicher Tugend verbunden ist. Ein anderes mal***): An wem Menschen Wohlgefallen finden, an dem hat auch Gott Wohlgefallen; wen Menschen nicht mögen, den mag auch Gott nicht. Rabbi Akiba stellt den Satz****) auf: Das Wesen des Menschen besteht darin, daß er in: Ebenbild Gottes geschaffen ist; seine besondere Aufgabe ist daher, das Ebenbild Gottes zur Wahrheit zu machen. Ben Soma') entwickelt: Wer ist weise? der von jedem Menschen lernt; wer stark? der seine Leidenschaften bewältigt; wer reich? der mit seinem Theil zufrieden ist; wer ehrenwerth? der Menschen ehrt? Rabbi Simon erörtert -): Drei Ehrenkronen gibt es: die Krone der Weisheit und Erkenntniß, die Krone des Priesterthums und die Krone des Fürsten; allein die Krone eines guten Namens überstrahlt sie allle. Endlich trägt Samuel Hakatan vor ^): Wenn dein Feind fällt, dann freue dich nicht, und wenn er Schaden nimmt, dann frohlocke nicht. Ein zweiter Punkt betrifft die allgemein verbreitete Ansicht, daß der Jude, dem Ackerbau und Handwerk abgeneigt, mit besonderer Vorliebe dem ch Aboth, II, 1. **) Ebend., III, 11. ***) Ebend., III, 13. »***) Ebend., III, 18. 1) Ebend., IV, 1. 2) Ebend., IV. 17. 3) Ebend., IV, 24. Handel zugethan ist. Was ich darauf zu erwidern habe, das ist: Wenn dem wirklich so ist, wie es hier und da den Anschein hat, dann hat nicht der nationale Hang damit zu schaffen; denn der Talmud, ganz seinem Beruf treu, das geschriebene Gesetz zu entwickeln, enthält eine große Mischnaordnung, in welcher nichts als Gesetze des Ackerbaues Vorkommen, der fast zur nationalen Tugend*) erhoben wird, und an den sich zahllose Vorschriften über Armenwesen und Humanität knüpfen. Als der größte Lehrer Babyloniens, Nab zu Sura, seinem Sohne dessen Lebensberuf vorführte, trug er ihm auf**): lieber ein kleines Maß vom Felde als ein großes vom Waarenlager, und als vielleicht 50 Jahre später Huma an derselben Hochschule lehrte, rief er den Parteien zu ***): stellet mir einen Mann zur Feldarbeit, so will ich euer Richter sein, und oft sah man ihn mit dem Spaten auf der Schulter****) vom Felde heimkehren. Im Zusammenhang damit beruht ferner die Annahme einer geringen Neigung der Juden zum Handwerk auf einer völligen Uukenntniß') des Talmud, der z. B. von Alexandrien -) berichtet, daß im dortigen Tempel der Handwerkerstand je nach seinem besondern Gewerbe seine Plätze gruppirt hatte, die Gold- und Silberarbeiter besonders, ebenso die Schmiede, die Bergleute, die Weber, Tapezierer, Schuhmacher, Bäcker, und so oft fremde Handwerker anwesend waren, reihten sie sich dort ihrem Stande an. Den Handelsstand hingegen, der mm einmal ein jüdisches Gewerbe sein soll, erwähnt der Talmud an dieser Stelle gar nicht, und zeitgenössische Schriftsteller^) behaupten geradezu, daß ihm die Juden abgeneigt wären, wiewol anzunehmen ist, daß es zur Zeit des '0 Berachot, 35, t>; Mischna Peah, II, 6; B. Kama, 30, s; Jebamoth, 63, a; Aboth d' Rabbi Nathan, 6. **) Pessachim, 113, a. »ü-Z Ketuboth, 105, s. »»»») Megillah, 28, a. 1) Rapoport in Bikure Jttim, VIII, Brief 2. 2) Sukkah, 51, I>. 3) Josephus, oontra Hxionoin.