Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1865)
- Date
- 1865-12-01
- Page
- Seite 183 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Luzzatto. 183 diction zu vertreiben. So ivanderte denn auch Chiskia aus und zog nach Triest. Drechsler von Profession, liebte er das Studium der hebräischen Literatur und manche seiner Mußestunden widmete er der Sprache seiner Väter. Er hatte auch rabbinische Kenntnisse und interessirte sich für Physik. So beschäftigte er sich mit der Idee daß man mittels Dampfes Wagen und Schiffe bewegen könne, konnte aber, da er keine Mittel - zum Experimentiren besaß, über einen zu gewinnenden Erfolg nicht klar werden. In einem Briefe von 1801 legt er dies dar. Wahrheitsliebe war ein bervortretender Zug seines Charakters und ein gewisser Ernst in all seinem Thun und Handeln vorherrschend. Anstatt sich in Gesprächen zu unterhalten schrieb er Memoiren aus seinem Leben und Gedanken nieder. Außer seinem Handwerke betrieb er noch mit seiner Schwester Beracha (Benedissa) ein Kleidergeschäft. Der Gatte dieser Schwester hieß Baruch, ein Sohn des Arztes und Dichters Isaak Luzzatto (Bruders des berühmten Ephr. Luzzatto, des Verfassers von Lue lmiEurim). Geheirathet hatte Chiskia am 28. Jan. 1795 in seinem vierunddreißigsteu Jahre. Seine Mirjam Malka war ein gottesfürchtiges Weib und eine gute Wirthin. Ihre zwei ersten Kinder starben, das erste vor Samuel David's, das zweite vier Monate nach seiner Geburt. Als dieser Jahre alt war, bekam er eine Schwester, Rachel Nachama. Schon in seinem dritten Jahre ward er mit den Elementen des Hebräischen vertraut gemacht, indem er durch anderthalb Jahre bei einem Lehrer und einer Lehrerin bebräisch lesen lernte. Sein Vater übersetzte da täglich mit ihm die Stelle aus Deuteron. 6,20—25. Vier und ein halb Jahr alt fing er die Triester Talmud-Thoraschule, wo nach der Methode Heidenheim's unterrichtet wurde, zu besuchen an. Hier pflegten die Knaben täglich sechs bis sieben Stunden in der Thora zu lernen; zwei Stunden verwandte man auf Italienisch, Deutsch und Arithmetik. In seinem achten Jahre wurde er in das Buch Job, das ihn ungemein ansprach, eingeführt. Schon damals verspürte er einen dichterischen Drang in sich und noch nicht zehn Jahre alt, verfaßte er bereits ein kleines Gedicht. An dem Buche Hiob erkannte er auch, daß die heilige Schrift noch nicht gehörig erklärt sei. Im neunten Jahre begann er bei Mordechai Isaak Cologna Raschi, Redak, Mischna und Grammatik zu lernen. Dieser flößte ihm Liebe zur grammatischen Wissenschaft, worüber der junge Luzzatto sich nicht selten mit Cologna unterhielt, und ein Streben nach Genauigkeit in jeder Hinsicht ein. Außerdem waren Mäßigkeit und Selbstbeherrschung die Tugenden, die er diesem Lehrer verdankte. Zehn Jahr alt begann er bei Abraham Elieser Lewi babyl. Talmud zu lernen. Damals wurde auf französische Anordnung der Unterricht geändert. Der junge Luzzatto lernte nun Französisch, Geographie und Geschichte bei Uri Chai Saraval (dem Besitzer der großen Bibliothek, die sich jetzt im Breslauer Seminar befindet), einem Manne von zwar nur oberflächlichem, aber doch ausgedehntem Wissen, welchem er manche Anregung verdankte. Besonders pries ihm dieser den Mendelssohn an. Latein lernte Luzzatto nur 1 Jahr, «> Monate bei Mordecbai Cologna und 0 Monate bei Raphael Abraham Sagri (seinem nachherigen cchwäber). Eben um, die Zeit, als Triest in die Hände der Franzosen gefallen war und der junge Luzzatto die Anfangsgründe der profanen Wissenschaften und Sprachen zu lernen begann, fing sich in ihm die Liebe zur Philosophie zu entwickeln an, und die neuunternommenen Studien, verbunden mit seinem bereits vollkommen entwickelten Geiste, halfen ihm nicht wenig zum Verständniß der talmudischen Schwierigkeiten, welche ihm durch die langen Erläuterungen seines Lehrers nicht genug aufgeklärt wurden. Mit elf Jahren schrieb er ein hebräisches Gedicht, und am Vorabend des Pesächsestes 1812 einen hebräischen Brief an seinen Vater. Im Jahre 1813 machte er sich daran, die Fabeln des Aesop zu übersetzen und that dies